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"Ich bin noch gar nicht müde!" Konflikte lösen in der Familie

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 21. März 2015
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Konflikte kommen in den besten Familien vor. Wenn es nur kleine Streitereien und Kabbeleien sind, ist die Welt in Ordnung. Nicht jedoch, wenn aus den Meinungsverschiedenheiten ausgewachsene Grabenkämpfe werden. Konflikte lösen in der Familie - das ist manchmal gar nicht so einfach. Hier ein paar Tipps.

Taschengeld, Schlafenszeit, Hausaufgaben und Aufräumen: Eigentlich sind es fast immer die gleichen Themen, die für Streit in der Familie sorgen. Themen, die sicher jeder von uns nur zu gut aus seiner Kindheit und von seinen eigenen Kindern kennen wird. Und jeder weiß: Dank dieser Dauerthemen kommt es immer wieder zu Konflikten. Damit die Harmonie zwischen Eltern und Kindern nicht ständig in Gefahr ist, hier die klassischen Streitpunkte und Lösungsvorschläge.

Grundsätzlich gilt bei allen Konflikten: Immer fair bleiben, ausreden lassen, jeder darf seinen Standpunkt in Ruhe darlegen, keine Angriffe unter der Gürtellinie, Kompromisse suchen und akzeptieren. Das Gespräch sollte nicht dazu da sein, dass einer Dampf ablässt und seiner Wut Luft macht. Beide Seiten sollten gemeinsam eine Lösung suchen, um Konflikte zu lösen und Frieden in der Familie zu schaffen.

In manchen Familien hat es sich bewährt, wöchentlich einen Familienrat zu halten. Dabei darf dann jedes Familienmitglied sagen, was ihm auf dem Herzen liegt. Seien es Sorgen, Wünsche, Klagen, Pläne oder Änderungswünsche zum Taschengeld oder Zubettgehzeiten. Die Regeln: Jeder darf ausreden und wird gleich ernst genommen. Entscheidungen am Ende der Gesprächsrunde müssen für alle annehmbar sein.

Konflikte lösen in der Familie: 6 Streitthemen - 6 Tipps

Konflikt 1: "Igitt, Gemüse!"

Der Klassiker: Spaghetti und Co. sind super, alles was grün ist und Gemüse heißt, ist "Igitt!". Brokkoli, Spinat, Spargel oder Blumenkohl sind einfach bei den wenigsten Kindern beliebt. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse mag jedes dritte Kind gar kein Gemüse. Da haben es Eltern schwer.

Tipp: Kinder mögen oft nicht, was ungewohnt schmeckt. Wer sein Kind drängt und sagt: "Was auf den Tisch kommt, wird gegessen", wird leider eher dafür sorgen, dass das Kind sich noch mehr gegen das verhasste Gemüse sträubt. Besser: Dem Kind einen Deal vorschlagen: Alles, was auf den Tisch kommt, wird zumindest probiert. Aufessen muss es nichts, was es nicht mag. So schafft man es, dass das Kind sich nach und nach an neue Lebensmittel und Geschmäcker gewöhnt.

Konflikt 2: "Lies doch auch mal ein Buch!"

Wenn die Kinder ständig am Computer hängen oder vor dem Fernseher, dann ist das für Eltern oft ein Grund zur Sorge. Stumpft das nicht auf Dauer ab? Wäre es nicht viel besser, wenn mein Kind draußen mit Freunden herumtoben, basteln oder lesen würde? Oft leiden auch die Hausaufgaben und andere Pflichten darunter. Kein Wunder also, wenn es irgendwann zum Konflikt zwischen Eltern und Kindern kommt.

Tipp: Hier muss ganz klar eine Abmachung zwischen Eltern und Kindern her. Wie oft und wie lange darf das Kind seinen Lieblingsaktivitäten frönen?

Fernsehen: Kleineren Kindern kann man pro Tag zum Beispiel eine bestimmte Sendung erlauben, die sie sehen dürfen. Ältere Kinder dürfen pro Tag eine gewisse Anzahl an Stunden fernsehen und können selbst entscheiden, was genau sie sehen wollen (vorausgesetzt es ist altersgerecht). So kommt es nicht ständig zu Quengeleien und man verhindert, dass man als gestresste Mutter irgendwann genervt nachgibt und das Kind mehr fernsieht, als man eigentlich möchte.

Computer und Handy: Für den Computer gilt das gleiche: Zeiten festlegen. Beim Handy wird es allerdings schon schwieriger. Hier kann man Regeln aufstellen, indem man festlegt, dass man das Handy nicht ständig dabei hat, wenn man etwas mit anderen unternimmt, sich unterhält, spielt oder isst.

Konflikt 3: "Alle dürfen das ...!"

Kennt jede Mutter: Vergleiche mit anderen. Wahlweise denen, die mehr dürfen: "Alle anderen dürfen aber, nur ich nicht!" oder wahlweise mit denen, die weniger müssen (gerne die Geschwister): "Aber die XY muss nie helfen. Warum immer ich?" Wenn Eltern jetzt gereizt reagieren und sagen: "Die anderen interessieren mich nicht", fühlt sich das Kind nicht ernst genommen.

Tipp: Hier hilft es nur, dem Kind zu erklären, warum es etwas tun oder lassen soll. Am besten ganz anschaulich, sodass es versteht, warum es nicht anders geht. Schließlich bedeutet der Vorwurf "alle anderen dürfen das", dass sich das Kind ungerecht behandelt fühlt. Wenn man merkt, dass die anderen Kinder das eigene Kind jedoch damit aufziehen, dann sollte man dem eigenen Kind ein paar passende Antworten sagen, mit denen es sich wehren kann und nicht dumm dastehen muss.

Konflikt Nr. 4: "Warum darf der XY immer mehr und ich nicht?"

Wer mehrere Kinder in unterschiedlichem Alter hat, wird wissen: Dass das ältere Geschwisterchen mehr darf als das jüngere, sorgt regelmäßig für Zoff. Schließlich ist es für das jüngere Kind nicht ersichtlich, warum das ältere so viel mehr darf, als es selbst.

Tipp: Hier müssen Eltern konsequent sein: Das Mehr an Rechten muss auch ein Mehr an Pflichten beinhalten. So können beide, das ältere und das jüngere Kind, verstehen, warum sie nicht gleich behandelt werden. Darf das ältere Kind länger aufbleiben, dann sollte dem Jüngeren klar gemacht werden, dass es dafür aber auch mehr Pflichten hat, zum Beispiel im Haushalt.

Konflikt 5: "Räum dein Zimmer auf!"

Wenn es darum geht, dass das Kinderzimmer nicht im Chaos versinkt und sich das Spielzeug irgendwann im ganzen Haus verteilt, dann sollte man sein Kind in die Aufräumarbeit miteinbeziehen - sonst darf man seinen lieben Kleinen nur noch hinterher räumen.

Tipp: Am besten kauft man schöne große bunte Boxen und macht dann mit seinem Kind einen Ordnungsplan. Dabei ist es wichtig, dass man nicht selbst festlegt, wo was hinkommt, sondern das Kind mitentscheiden lässt. Nur so hat man auch Aussicht auf Erfolg, dass irgendwann selbständig aufgeräumt wird. Dann kann man gemeinsam schauen, wo die Stofftiere wohnen sollen und wo die Holzfiguren einen guten Aussichtsplatz haben. Das eigens entworfene Ordnungsprinzip wird aus Kindern keine Ordnungsfanatiker machen, dazu bedarf es dann noch ein wenig der Tausch-Taktik: "Wenn du dein Zimmer aufräumst, darfst du nachher auch XY." Dann könnte es klappen mit der Ordnung.

Konflikt 6: "Ab ins Bett!"

Bei den Schlafenszeiten ist Streit oft vorprogrammiert. "Ich bin doch noch gar nicht müde!" Schwierig wird es vor allem dann, wenn das ältere Geschwisterkind noch aufbleiben darf, weil es schon größer ist.

Tipp: Um Streit und Gebrüll zu vermeiden, sollte es eine fixe Zeit geben, zu der das Kind ins Bett geht. So kann es sich schon mal seelisch darauf einstellen. Zudem helfen kleine Einschlafrituale dabei, dem Kind das Zubettgehen zu erleichtern. Sei es eine kleine Gute-Nacht-Geschichte, die noch vorgelesen wird, eine Kuschelrunde mit Mama oder die Erlaubnis, dass es noch eine halbe Stunde lesen darf. Danach heißt es: "Licht aus und gute Nacht!" Gibt es Konflikte in der Familie, weil das ältere Kind noch aufbleiben darf, kann man diese mit dem Argument "mehr Rechte, mehr Pflichten" lösen.

von Fiona Rohde