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Patchworkfamilie: Mit diesen Tipps wird das Familienleben harmonischer

von der Redaktion Veröffentlicht am 25. Februar 2018
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Es gibt immer mehr Patchworkfamilien in Deutschland. Doch das bedeutet nicht, dass das Zusammenführen von Partner und Kindern immer reibungslos funktioniert. Diese Tipps helfen dabei, das Projekt Patchworkfamilie besser zu meistern.

Patchworkfamilie das sind Vater, Mutter und mindestens ein Kind. Allerdings stammt das Kind nur von einem Elternteil ab. Da es in Deutschland immer mehr Scheidungen gibt, die Zahl der Eheschließungen aber steigt, gibt es folglich auch mehr Patchworkfamilien. Diese "neuen" Familien sind bunt zusammengewürfelt - und genauso bunt gestaltet sich das Familienleben.

Gerade für Kinder kann die ungewohnte Situation schwierig sein. ​Schließlich muss man sich an das "neue" Elternteil erst gewöhnen. Kommen dann auch Stiefgeschwister ins Spiel, bekommt der Wortteil 'work' (Arbeit) in Patchworkfamilie eine ganz neue Bedeutung. Denn damit die neue Familie funktioniert, sich alle wohlfühlen und miteinander auskommen, ist Arbeit und vor allem Kompromissbereitschaft gefragt.

Patchworkfamilie: Das sind typische Probleme

Einige Kinder tun sich schwer damit, den neuen Partner an der Seite von Vater oder Mutter zu akzeptieren. Viele wünschen sich stattdessen, dass die Eltern wieder zusammenkommen. Ist das ausgeschlossen, möchten sie das Elternteil lieber für sich allein haben. Eine neue Frau bzw. ein neuer Mann bedeutet da schlichtweg Konkurrenz um die Gunst von Mama oder Papa.

Eltern sollten dafür Verständnis zeigen. Viele Kinder fühlen sich durch den Verlust des einen Elternteils sowieso schon verunsichert und allein gelassen. Die Folge kann sein, dass die Kleinen bockig reagieren, Streit anfangen oder den "Eindringling" in die Familie nicht akzeptieren.

Wir haben mit Diplom-Psychologin Katharina Grünewald über die typischen Probleme einer Patchworkfamilie gesprochen und nachgefragt, wie man sie am besten bewältigt. Ganz wichtig vorneweg: Nehmt alle Probleme ernst und sprecht offen über alles - mit den Kindern und mit dem Partner.

Expertenrat: 5 Tipps für das Leben als Patchworkfamilie

Diplom-Psychologin Katharina Grünewald hat fünf Regeln parat, die das Leben als Patchworkfamilie erleichtern. Für sie ist dabei ganz wichtig: Jede Familie und jede Situation ist anders. Was für den einen klappt, kann beim nächsten total in die Hose gehen. Bleibt euch deswegen selbst treu, vergleicht euch nicht mit anderen und habt Geduld.

1. Lasst die rosarote Brille daheim und unterschätzt die Situation nicht. Probleme lösen sich nicht von selbst, Konflikte müssen aktiv angegangen werden.

2. Niemand ist perfekt und gewinnt innerhalb kürzester Zeit das Vertrauen von anderen Menschen. Erwartet nicht, dass ihr euch mit den Kindern des neuen Partners auf Anhieb total gut versteht.

3. Definiert die neuen Beziehungen, die entstehen. Macht den Kindern klar, dass, nur weil ein neuer Partner da ist, man das Kind nicht weniger liebt. Der neue Partner soll den Ex nicht ersetzen.

4. Lasst euch Zeit mit dem Einführen von Veränderungen. Bereitet die Kinder langsam auf die neue Person im Leben vor. Führt Veränderungen schrittweise ein.

5. Entwickelt neue Rituale als Patchworkfamilie. Auf diese Weise hat das Kind nicht das Gefühl, als würde sich eine neue Person in das Altvertraute hineindrängen. Vergesst darüber alte Rituale nicht, die das Kind mit seinen Eltern hatte.

Wann und wie stellt man den neuen Partner vor?

Laut Psychologin gibt es nicht den perfekten Zeitpunkt oder Ort, um dem Kind von seinem neuen Partner zu erzählen. Manchmal ist die Wohnung der richtige Ort, manchmal ein Ausflug auf neutralem Boden. Ihr müsst selbst entscheiden, was für euch der richtige Weg ist.

Ganz wichtig: Ihr solltet euch der Gefühle für den neuen Partner sicher sein. Nur so zeigt ihr euren Kindern, dass da jemand Neues ist, der euch sehr wichtig ist und der von nun an Teil eures Lebens sein wird. Sagt euren Kindern deutlich, dass ihr hofft, dass alle gut miteinander auskommen, weil sich an der neuen Konstellation nichts ändern wird. Macht aber auch klar, dass der neue Partner kein Mutter- bzw. Vaterersatz ist.

Was viele beim ersten Treffen vergessen: Der neue Partner sollte sich dem Kind vorstellen. Er sollte über sich erzählen und selbst herausfinden, welche Interessen das Kind hat. Schubladendenken sollte vermieden werden. Nur weil es ein Mädchen ist, muss das nicht heißen, dass es Pferde liebt und gerne mit Barbies spielt. Oder das der kleine Junge Fußball spielt.

Stiefmutter: Hilfreiche Verhaltenstipps

Schon im Märchen wird die Stiefmutter als böse dargestellt, man denke an Schneewittchen, Aschenputtel oder Hänsel und Gretel. Klar, das sind nur Märchen. Doch Stiefmütter haben es besonders schwer mit den Kindern des neuen Partners. Sie wollen meist alles so gut wie möglich machen, eine echte Bindung aufbauen, Vertrauen schaffen. Und ernten eisige Blicke, zickige Kommentare oder Schweigen. Woran liegt’s?

Für Diplom-Psychologin Katharina Grünewald steht fest: Viele Stiefmütter wollen zu viel auf einmal. Sie geben sich allergrößte Mühe, um das Vertrauen des Kindes zu erlangen. Kochen das Lieblingsessen, schlagen ausgefallene Ausflüge vor. Verfallen sehr schnell in die Mutterrolle. Dabei vergessen sie, dass das Kind schon eine Mutter hat.

Auch wenn es schwerfällt: Stiefmütter sollten ein wenig Distanz bewahren, es nicht krampfhaft versuchen, es allen Recht zu machen. Klar, man kann dem Kind sein Lieblingsessen kochen, aber man sollte selbst auch Appetit darauf haben. Dann ist die Enttäuschung nicht so groß, wenn das Kind aus Trotz das Essen verweigert. Versucht die Ablehnung nicht persönlich zu nehmen. Gebt dem Kind Zeit und versucht euch in die Rolle des Kindes hineinzuversetzen. Macht klar, dass ihr die Mutter nicht ersetzen möchtet.

Stiefvater: So wird das Verhältnis zu den Kindern besser

Haben es Stiefväter leichter als die Stiefmutter? Nicht unbedingt. Schließlich hat das Kind meist eine sehr tiefe Bindung zur Mutter und möchte sie auf keinen Fall teilen, nachdem es schon den Vater verloren hat. Hier kommt es oft zu Eifersüchteleien und Streit.

Katharina Grünewald: Stiefväter haben es in der Hinsicht leichter, da die Vaterrolle sehr flexibel ist. Als Vater kann man sich nur am Wochenende um die Kinder kümmern oder super aktiv mit ihnen sein - alles ist in Ordnung. In der Regel kommt es nicht zum Konkurrenzkampf mit dem leiblichen Vater.

Was allerdings zu einem Problem werden kann, sind die Verantwortungsbereiche. Manche Stiefväter möchten ein Mitspracherecht und bekommen das von der Mutter nicht. Hier müssen die Erwachsenen untereinander klären, wie das Zusammenleben und das Thema "Entscheidungen finden" auszusehen hat.

Gegen Eifersüchteleien hilft, wenn das Kind spürt, dass es von allen Seiten geliebt wird. Mutter und Kind sollten sich gezielt Zeit nehmen und regelmäßig etwas ganz allein machen.

Stiefgeschwister untereinander: So wird's harmonischer

Es kann gut gehen, aber auch zu richtig viel Stress führen: Treffen Stiefgeschwister aufeinander, bilden sich Freundschaften oder Feindschaften. Ständige Streitereien im Kinderzimmer gehören oft zur Tagesordnung.

Dazu meint Diplom-Psychologin Katharina Grünewald: Haben beide Partner Kinder, müssen auch die sich zusammenraufen. Schließlich werden hier Positionen durcheinandergewirbelt. War man vorher vielleicht der Älteste, hat man nun vielleicht eine ältere Schwester oder einen großen Bruder.

Auch wenn es den Erwachsenen schwerfällt: Mischt euch nicht ein. Für die Kinder ist es wichtig, dass sie ihre neue Position in der Familie finden. Und das geht in der Regel nur durch diese kleinen Machtkämpfe.

Macht jedoch klar, dass ihr beide ein offenes Ohr habt und euch die Sorgen und Nöte gern anhört.

Was tun bei Stress mit dem Ex?

Richtig unangenehm wird’s, wenn einer der Ex-Partner die Trennung nicht akzeptieren kann und ständig Probleme macht. Auf diese Weise werden die Kinder regelmäßig aufgestachelt und jeder Ausflug, Urlaub und Feiertag wird zum Problem.

Diplom-Psychologin Katharina Grünewald sagt dazu: Streit mit dem Ex ist ein komplexes Problem, das sich nicht so einfach lösen lässt. In der Regel müssen sich beide Seiten einig werden. Was für den Anfang hilft, ist, sich nicht auf alle Provokationen einzulassen. Geht nicht auf Streitereien ein, beantwortet zum Beispiel die wütende Email ganz sachlich.

Im nächsten Schritt solltet ihr versuchen, euch in den Ex-Partner hineinzuversetzen. Manchmal kann es helfen, sich zu fragen, warum er wütend ist, ob man selbst etwas dazu beigetragen hat.

Streitpunkt Familienfeiern

Wer feiert wann, wo und mit wem? Familienfeste wie Weihnachten, Ostern oder auch Geburtstage sind in Patchworkfamilien ein echtes Problem. Natürlich wollen alle zusammen mit den Kindern feiern. Das klappt meist nicht, weil sich die Ex-Partner nicht mehr so gut miteinander verstehen.

Diplom-Psychologin Katharina Grünewald rät dazu, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob eine Familienfeier mit allen Sinn macht oder doch nur zu Streitereien führt. Wenn der Streit schon vorprogrammiert ist, sind getrennte Feiern besser. Geht es um Feiern wie den ersten Schultag, die Kommunion, etc., sollte man als Stiefmutter oder -vater fragen, ob man auch kommen darf. Und sich vorher genau überlegen, warum man das möchte und wie das leibliche Elternteil das Ganze wohl sieht.

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