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Sterilisation der Frau: Für wen und wann sie in Frage kommt

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 7. September 2018
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Für Frauen und Paare, die keinen Kinderwunsch (mehr) haben, ist die Verhütung ein wichtiges Thema. Nicht selten denken auch Frauen über eine Sterilisation nach. Aber wie funktioniert eine Sterilisation der Frau, wer trägt die Kosten und welche Voraussetzungen muss man erfüllen? Wir klären auf!

Es gibt Frauen und Paare, die wollen keine Kinder (mehr) und sind überzeugt von ihrer Entscheidung. Oft suchen sie nach einer sicheren und verlässlichen Verhütungsmethode, weil sie mit herkömmlichen Methoden wie der Pille, Spirale oder einem Diaphragma unzufrieden sind. Nicht selten erwägen dann auch Frauen eine Sterilisation.

Wie Pro Familia in einer 2013 veröffentlichten Publikation schreibt, entscheiden sich jährlich etwa 5 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18-49 Jahren für eine Sterilisation.

Was passiert bei der Sterilisation der Frau?

Bei der Sterilisation der Frau werden die Eileiter verschlossen oder - das kommt aber seltener vor - teilweise oder ganz entfernt. Mit dem Verschließen der Eileiter wird verhindert, dass die Spermien, die normalerweise beim Geschlechtsverkehr über die Gebärmutter in die Eileiter gelangen, diese erreichen und dort auf eine Eizelle treffen und diese befruchten können. Eine Schwangerschaft ist somit ausgeschossen.

Wie wird die Sterilisation bei der Frau vorgenommen?

Die Sterilisation der Frau ist ein recht komplexer Eingriff, der in der Regel unter Vollnarkose stattfindet. Meist werden die Eileiter beim Eingriff mit Hilfe von elektrischer Hitze 'verschweißt'. Dabei gibt es drei Varianten:

  • Über eine Bauchspiegelung, wobei durch einen kleinen Schnitt am Bauchnabel ein Laparoskop (eine Art Röhre) mit Kamera in den Bauchraum geschoben wird. Die Eileiter werden unter Sichtkontakt verschlossen. Diese Sterilisationsmethode ist die gängigste.
  • ​Über einen Bauchschnitt, wobei die Sterilisation mit dieser Methode oft in Zusammenhang mit einer anderen notwendigen OP am Unterbauch vorgenommen wird - bspw. einem Kaiserschnitt. Diese Methode wird nur selten ausschließlich für die Sterilisation verwendet.
  • Über einen Schnitt 'von unten', dabei wird ein kleiner Schnitt an der Hinterwand der Scheide vorgenommen, durch den die Eileiter gefasst und verschlossen werden.

Es gibt auch noch eine weitere Methode der Sterilisation, die Essure Methode. Sie wird ambulant und ohne Vollnarkose durchgeführt. Der Arzt führt dabei ein Instrument von der Scheide durch den Muttermund bis in die Eileiter und setzt eine Mikrospirale aus Metall und Kunststoff ein. Die bewirkt das Wachstum von Bindegewebe. Spätestens nach drei Monaten sollte der Eileiter zugewachsen sein, was mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung geprüft wird.

Hat man nach einer Sterilisation noch die Periode?

Es kommt nach einer Sterilisation weiterhin zum Eisprung. Die Eizelle, die vor der Sterilisation von der Gebärmutterschleimhaut aufgenommen und abgebaut wurde, wird nach der Sterilisation von der Schleimhaut des Eileiters aufgenommen und aufgelöst. Das bedeutet, dass die Eierstöcke weiterhin Hormone produzieren, die den weiblichen Zyklus aufrecht erhalten. Auch nach einer Sterilisation hat eine Frau also in der Regel ihre Periode.

Wer trägt die Kosten für eine Sterilisation?

Eine Sterilisation muss selbst gezahlt werden, wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht. Medizinisch notwendig ist sie, wenn eine (weitere) Schwangerschaft die Gesundheit der Frau gefährden würde oder wenn die Frau keine andere Verhütungsmethode verwenden kann.

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich sterilisieren zu lassen, schadet es jedoch nicht, wenn du dich vorab mit deiner Krankenkasse in Verbindung setzt und fragst, ob anfallende Kosten eventuell ganz oder zum Teil übernommen werden.

Je nach Sterilisationsmethode kommen Kosten zwischen 500 und 1000 Euro auf die Frau zu. Bei der Essure-Methode, die ambulant und ohne Vollnarkose auskommt, belaufen sich die Kosten auf 1200 bis 1600 Euro. Zum Vergleich: Die Sterilisation beim Mann kostet zwischen 300 bis 400 Euro.

Kann eine Sterilisation rückgängig gemacht werden?

Es ist nicht ausgeschlossen, eine Sterilisation bei einer Frau rückgängig zu machen, jedoch ist das sehr kompliziert. Die Eileiter können in einer erneuten Operation wieder durchgängig gemacht werden (Sterilisationsumkehr). Das garantiert aber nicht, dass die Frau danach schwanger wird. Das Risiko einer Eileiterschwangerschaft erhöht sich zudem nach einem Rückgängigmachen der Sterilisation.

Welche Nebenwirkungen hat eine Sterilisation der Frau?

Die Sterilisation der Frau ist eine Operation und deshalb gibt es, wie bei jeder anderen Operation, Risiken und Nebenwirkungen durch die Narkose oder die OP selbst.

Es muss nach einer Sterilisation nicht zu Nebenwirkungen kommen, denn mit dem Ab- oder Durchtrennen der Eileiter wird lediglich eine Schwangerschaft ausgeschlossen, die Funktion der Eierstöcke wird durch eine Sterilisation nicht direkt beeinflusst. Es kann jedoch sein, dass es zu einer Fehlfunktion der Eierstöcke kommt und Zyklusstörungen auftreten. Auch ein vorzeitiges Einsetzen der Wechseljahre kann eine Nebenwirkung sein, vermutlich verursacht durch eine Durchblutungsstörung der Eierstöcke.

Manche Frauen berichten nach der Sterilisation davon, dass sie sich sexuell befreiter fühlen und den Sex mehr genießen können. Andere Frauen berichten, dass sie sich danach weniger weiblich fühlen. Deshalb ist die Entscheidung für eine Sterilisation eine, die aus eigener Überzeugung gefällt werden sollte.

Gibt es Einschränkungen für eine Sterilisation, beispielsweise beim Alter?

Jede Frau, die das 18. Lebensjahr vollendet hat und ausführlich über den Eingriff, die Folgen und eventuelle Nebenwirkungen aufgeklärt wurde, hat das Recht, sich sterilisieren zu lassen. Weitere gesetzliche Voraussetzungen gibt es nicht. Jedoch hat der Arzt die Möglichkeit, eine Sterilisation abzulehnen, wenn er den Eindruck hat, die Frau ist nicht vollkommen bereit dazu, handelt überstürzt oder ist sich nicht über den vollen Umfang und die Auswirkungen bewusst.

Denn die Entscheidung über eine Sterilisation ist keine, die man mal so eben treffen kann oder sollte. Wer sich für eine Sterilisation entscheidet, entscheidet sich für ein Leben ohne (weitere) Kinder. Der Eingriff ist endgültig (auch wenn eine Sterilisationsumkehr möglich ist, die Wahrscheinlichkeit, danach schwanger zu werden, ist gering).

Wer über eine Sterilisation nachdenkt, sollte immer im Kopf haben, dass sich Lebensumstände und -situationen ändern können. Wer sich in der aktuellen Situation absolut nicht vorstellen kann, Kinder zu haben, der denkt unter Umständen ein paar Jahre später und vielleicht in einer neuen Partnerschaft anders. Wie Pro Familia schreibt, bereuen zirka 5-10 Prozent der Frauen und Männer, die sich einer Sterilisation unterzogen haben, später ihren Entschluss.

Deshalb ist es wichtig, dass die Entscheidung für eine Sterilisation einzig und allein von der betroffenen Person gefällt wird. Niemand sollte das Gefühl haben, dazu gedrängt zu werden und niemand sollte seinen Partner oder die Partnerin dazu drängen. Beim kleinsten Zweifel darüber, ob die Sterilisation wirklich die beste Verhütungsmethode ist, sollte man sich (vorerst) dagegen entscheiden.

Wo wird eine Sterilisation durchgeführt?

Krankenhäuser mit einer gynäkologischen Abteilung, Fachärzte und auch einige Frauenarzt-Praxen führen eine Sterilisation durch. Am besten spricht man das Thema bei seinem Frauenarzt an. Dieser kann erste Auskünfte geben und die Frau gegebenenfalls an eine Beratungsstelle verweisen. Denn die Entscheidung für eine Sterilisation sollte erst nach ausführlichen Beratungsgesprächen gefällt werden. Unter Zeitdruck sollte sich niemand (gesetzt) fühlen, der mit dem Gedanken spielt, sich sterilisieren zu lassen.

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