Home / Mama / Kind & Familie / Weiterführende Schulen: Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Mama

Weiterführende Schulen: Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Michaela Moses
von Michaela Moses Veröffentlicht am 28. Dezember 2009
A-
A+

Wenn es um die Wahl der richtigen weiterführenden schulen für Ihre Kinder geht, müssen Sie viele Faktoren im Blick haben – hauptsächlich die Leistungsfähigkeit der Kinder und die Entwicklung.

In vielen Fällen ist die Empfehlung für die weiterführende Schule kein großes Problem, weil Leistung des Kindes, die Einschätzung von Eltern und Lehrer und nicht zuletzt der Wunsch des Kindes übereinstimmen. Aber was, wenn die Situation nicht so eindeutig ist?

Strahlende Erstklässler denken nur an die prall gefüllte Schultüte und die Freunde, mit denen sie ab sofort den Pausenhof unsicher machen können. Eltern schießen bei der Einschulung ihrer Kinder viele andere Gedanken durch den Kopf: Wird mein Kind einen guten Abschluss machen? Was, wenn es in der Schule nicht mithalten kann? Was wird nach der vierten Klasse? Gymnasium, Realschule oder Hauptschule? Auf welcher der weiterführenden Schulen wird mein Kind glücklich? Fragen über Fragen, die meist nicht eindeutig zu beantworten sind, sondern von vielen verschiedenen Faktoren abhängen.
Zehn Tipps und Fakten, die den Übertritt Ihres Kindes nach der Grundschule auf die weiterführenden Schulen erleichtern werden:

1. Leistung möglichst objektiv beurteilen

Eltern sehen ihr Kind anders als Lehrer. Für Eltern steht das Kind im Mittelpunkt, sie sehen es hauptsächlich als Einzelperson und einzigartiges Wesen. Ein Lehrer beurteilt ein Kind meist in Bezug auf sein Gefüge in einer sozialen Gruppe. In der Regel können Sie sich auf die Einschätzung des Lehrers oder der Lehrerin bei der Wahl der weiterführenden Schule verlassen: Nehmen Sie daher von Beginn an Elternabende wahr, um zu erfahren, wo die Stärken und Schwächen Ihres Kindes liegen. Die Noten in der dritten Klasse sind ebenfalls erste Indikatoren für den Leistungsstand Ihres Kindes in Bezug auf den Übertritt in die weiterführende Schule.

2. Stärken und Schwächen erkennen
Die Anforderungen in den einzelnen weiterführenden Schulen(Hauptschule/ Gesamtschule, Realschule, Gymnasium) unterscheiden sich in Bezug auf die Anforderungen in folgenden Bereichen:
- Zusammenhänge erkennen
- sprachliches Ausdrucksvermögen
- Allgemein- und Fachwissen (altersentsprechend)
- Fertigkeiten im Schreiben, Lesen und Rechnen
- Gedächtnisleistungen
- selbstständiges Arbeiten
Auch in Bezug auf diese konkreten Fähigkeiten sollten Sie die Meinung des Klassenlehrers kennen bzw. einholen, und sich auch selbst – möglichst objektiv natürlich – fragen, in welchen Punkten Ihr Kind möglicherweise Probleme hat.

3. Gezielte Vorbereitung auf den Übertritt in eine weiterführende Schule
Selbst wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Kind alle Anforderungen, beispielsweise in Bezug auf das Gymnasium, erfüllt, können unerwartete Leistungsschwankungen auftreten – z. B. wenn Ihr Kind kein absolut „eindeutiger“ Fall ist, sondern sich zwischendrin vielleicht auch mal ein Ausrutscher einschleicht. In diesem Fall ist es für Sie ratsam, die Noten insbesondere der Hauptfächer im Fokus zu behalten, Ihr Kind zu sorgfältigen Hausaufgaben anhalten und es zur Mitarbeit im Unterricht motivieren. In der Grundschule werden Probearbeiten in der Regel nach Abschluss eines größeren Themengebietes gestellt, so dass Sie hier gezielt vorbereiten können. Verfallen Sie jedoch keinesfalls in einen „Leistungswettbewerb“, möglicherweise auch noch mit anderen Eltern. Zu starke Förderung kann auch negative Folgen haben, z. B. eine Demotivation des Kindes oder ein falscher Eindruck von der Leistungsfähigkeit im Übertrittszeugnis, so dass am Ende doch die falsche weiterführende Schule gewählt wird.

4. Noten für den Übertritt in eine der weiterführenden Schulen

Im dreigliedrigen Schulsystem gelten in der Regel folgende Noten, die für einen jeweiligen Übertritt nach der vierten Klasse erreicht sein müssen: Für den Übertritt an das Gymnasium geht bis zum Notendurchschnitt 2,33 (Deutsch, Mathematik, Heimat- u. Sachunterricht) alles problemlos. Ab dem Notendurchschnitt 2,66 muss der Probeunterricht besucht werden. Für den Wechsel an die Realschule genügt der Schnitt 2,66 (Deutsch, Mathematik, Heimat- u. Sachunterricht) zum problemlosen Übertritt, ab Notendurchschnitt 3,00 muss der Probeunterricht besucht werden. Diese Regeln können von Bundesland zu Bundesland variieren.

5. Wechsel nach dem Übertritt

Das deutsche Schulsystem ist durchlässig und ermöglicht in der Regel problemlos Wechsel von Gymnasium zu Realschule oder von Hauptschule zu Realschule oder Gymnasium, falls die dafür erforderlichen Noten erreicht werden. Beispielsweise ist es möglich, nach der fünften Klasse Hauptschule die fünfte Klasse Realschule zu besuchen. Der Notendurchschnitt wird hierbei nur noch aus den Fächern Mathematik und Deutsch gebildet, außerdem gilt häufig ein Höchstalter. Wer zum Stichtag 30. Juni desselben Jahres bereits 12 Jahre alt ist, kann in der Regel nicht mehr die fünfte Klasse besuchen. Bis zum Notendurchschnitt 2,0 kann nach der fünften Klasse Hauptschule in die fünfte Klasse Gymnasium, bis zum Schnitt von 2,5 in die fünfte Klasse Realschule gewechselt werden. Sind die Noten schlechter, kann am Probeunterricht teilgenommen werden.

6. Ein Jahr mehr Zeit

Oftmals kann es sich lohnen, die Kinder „noch ein Jahr warten“ zu lassen – also zunächst die fünfte Klasse Hauptschule zu besuchen und dann auf die Realschule oder das Gymnasium überzutreten. Viele Kinder, die vorher noch größere Schwächen in den erforderlichen Gebieten hatten, machen in dieser Zeit einen großen Entwicklungssprung und gehören plötzlich zu den besten ihrer Klasse.

7. Anmeldung für weiterführende Schulen
Zu festen Terminen (in der Regel im Mai) muss das Kind in der neuen Schule angemeldet werden. Dazu brauchen Sie das Übertrittszeugnis, die Geburtsurkunde sowie eine eventuelle Bescheinigung einer Lese-Rechtschreibschwäche bzw. Legasthenie. Erst eine amtliche Anerkennung einer LRS oder Legasthenie führt zu deren Berücksichtigung in der Notengebung!

8. Probeunterricht
Nimmt Ihr Kind am Probeunterricht teil, so müssen Sie sich auf folgendes einstellen: Der Unterricht dauert meist drei Tage und findet zeitnah zum Anmeldetermin (im Mai) statt. Die Kinder werden in Gruppen in Deutsch und Mathe unterrichtet, müssen schriftliche Arbeiten über den bisher behandelten Stoff ablegen und ihre Mitarbeit unter Beweis stellen. Der Schwierigkeitsgrad liegt dabei höher als in der Grundschule. Die Ergebnisse erhalten Sie zusammen mit einer Begründung mitgeteilt. Ihr Kind hat den Probeunterricht bestanden, wenn es in einem der Fächer mindestens die Note 3, im anderen mindestens die Note 4 erreicht hat.

9. Probeunterricht nicht bestanden – was jetzt?
Hat Ihr Kind den Probeunterricht am Gymnasium nicht bestanden, können Sie an einem Nachtermin am Probeunterricht für die Realschule teilnehmen. So hat Ihr Kind noch die Möglichkeit, auf die Realschule zu wechseln.

10. Informationen beschaffen
Besuchen Sie Informations- oder Schnuppertage der ins Auge gefassten weiterführenden Schule, besorgen Sie sich Unterlagen über die Schule (z. B. im Sekretariat), informieren Sie sich im Internet (z. B. Schulhomepage) und sprechen Sie den Schulleiter oder Mitglieder des Kollegiums an.

cs

von Michaela Moses