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Viagra & Co: Was bei Erektionsstörungen wirklich hilft

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 16. Mai 2019
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Erektionsprobleme gehören noch immer zu den Tabus in der Partnerschaft. Dabei ist es wichtig, genau darüber zu sprechen. Hier erfahrt ihr die möglichen Gründe für Erektionsstörungen und warum Viagra nicht immer die beste Wahl ist.

Dabei kommt die erektile Dysfunktion viel häufiger vor, als man denkt. Egal ob die Probleme gelegentlich oder dauerhaft auftreten: Die meisten Männer hüllen sich lieber in peinliches Schweigen statt aktiv nach einer Lösung zu suchen.

Was versteht man unter einer Erektionsstörung?

Umgangssprachlich sagt man oft "Impotenz", das hat aber einen abwertenden Unterton. Korrekt heißt es "erektile Dysfunktion" (ED) oder eben Erektionsstörung. Darunter versteht man die Unfähigkeit als Mann eine Erektion zu bekommen oder zu halten, sodass erfüllter Sex unmöglich ist.

​Falls dies bei deinem Partner bisher nur ein oder zwei Mal vorgekommen ist, besteht kein Grund zur Panik. Das passiert jedem mal. Man spricht erst von Erektionsstörungen, wenn die Pannen im Bett länger als drei Monate andauern. Gut zu wissen: Vorzeitiger Samenerguss oder Unfruchtbarkeit gehören nicht in die Kategorie der Erektionsstörungen.

Wie häufig kommen Erektionsstörungen vor?

Eine Erektionsstörung tritt meistens bei Männern über 40 auf. In Deutschland sind schätzungsweise zwischen vier und sechs Millionen Männer von dieser chronischen sexuellen Störung betroffen. Eine Umfrage der Universitätsklinik Köln zeigt, dass das Phänomen alle Altersgruppen betrifft, die Häufigkeit nimmt jedoch mit fortgeschrittenem Alter stark zu. So haben nur 2,3 Prozent der befragten Männer unter 40 eine Erektionsstörung.

Danach steigen die Zahlen deutlich an: Nach Angaben der Impotenz-Selbsthilfe leiden 9,5 Prozent der Männer im Alter von 40-49 unter Erektionsstörungen, 15,7 Prozent im Alter von 50-59, jeder dritte Mann im Alter von 60-69 und jeder zweite im Alter von 70-80. Egal ob es sich um eine vorübergehende Ermüdungserscheinung oder eine echte Dysfunktion handelt: Eine Erektionsstörung sorgt für jede Menge Frust im Bett und viele Männer leiden sehr darunter, dass sie nicht mehr "funktionieren".

Die Ursachen von Erektionsstörungen

Organische Ursachen:

  • Hormone: Über 50 Jahren begünstigt ein Testosteron-Defizit das Auftreten von Erektionsstörungen.
  • Neurologische Ursachen, zum Beispiel multiple Sklerose (MS), Querschnittslähmung oder Schlaganfall. Aber auch Diabetes-Patienten und Männer, bei denen eine Prostatektomie durchgeführt wurde, gehören zu dieser Kategorie.
  • Viele Herz-Kreislauf-Beschwerden lösen Erektionsstörungen aus, weil die Schwellkörper des Penis als Folgeerscheinung der Durchblutungsstörung nur unzureichend mit Blut gefüllt werden. Negativ wirken sich hier auch Bluthochdruck, Alkohol, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel aus.
  • Medikamentöse Ursachen: Manche Behandlungen können zu Dysfunktionen führen. Dies trifft auf Antidepressiva, Hormonbehandlungen, neuroleptische Arzneimittel, blutdrucksenkende Medikamente und Antikonvulsiva zu.

Psychische Ursachen:

  • Individuelle Ursachen können sein: Stress, Angstgefühle, Depressionen, Versagensängste.
  • Ursachen in der Beziehung: Konflikte innerhalb der Beziehung, eine Trennung oder eine negative Einstellung der Partnerin können ebenfalls zu Erektionsstörungen führen.


Expertentipps im Video: Was tun, wenn die Beziehung in der Krise steckt?

Was tun bei Erektionsstörungen?

Wenn es passiert, sollten beide Partner versuchen positiv zu bleiben. Vor allem sollte man als Frau nicht vorschnell denken, dass seine fehlende Stehkraft zwangsläufig mit seinen Gefühlen oder seiner Lust auf die Partnerin zusammenhängt. Besser man versucht die Situation zu entschärfen und zu zweit nach einer Lösung zu suchen.

Bevor man einen Arzt aufsucht, können Paare erst einmal neue Sexspiele ausprobieren, bei denen das beste Stück des Partners nicht unbedingt gebraucht wird, will heißen: ohne Penetration. Das können Massagen, orale Zärtlichkeiten, Streicheln, Küssen oder Petting sein. Das hilft ihm dabei sich zu entspannen und jeden Leistungsdruck erst einmal zu vergessen. Halten die Probleme jedoch dauerhaft an, sollte er zum Arzt gehen.

Medikamente gegen Erektionsstörungen: Viagra und Co.

Die gute Nachricht: Erektionsstörungen lassen sich medikamentös behandeln. Wichtig ist, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen, denn die Medikamente sind rezeptpflichtig.

Das bekannteste Medikament gegen Erektionsstörungen ist sicherlich Viagra. Entdeckt wurde die Wirkung von Viagra eher zufällig vor über 25 Jahren. Eigentlich wollte die Pharmafirma Pfizer ein Medikament gegen Bluthochdruck erforschen. Als dieses an Probanten, Minenarbeitern in England, getestet wurde, traten überraschende Nebenwirkungen auf. Unter anderem berichteten die Männer über Erektionen, die sich über mehrere Stunden hielten. Der Zufallsfund brachte dem Unternehmen Milliardengewinne.

Wie wirkt Viagra?

Was viele nicht wissen: Viagra funktioniert nur bei sexueller Erregung. Stecken psychische Ursachen hinter den Erektionsstörungen und ist der Mann deswegen nicht erregt, kann auch die blaue Pille nicht für eine stabile Erektion sorgen.

Wirkungsweise von Viagra & Co.

Die sogenannten PDE-5-Hemmer sorgen dafür, den Blutfluss im Penis oder im zentralen Nervensystem zu erhöhen, um alle Voraussetzungen für eine Erektion zu schaffen. Die Wirkstoffe tragen dazu bei, eine Erektion zu bekommen und zu halten - wobei natürlich trotzdem eine sexuelle Stimulation notwendig ist.

  • Wirkstoff Sildenafil (Viagra): Die Wirkung macht sich nach ca. einer halben Stunde bemerkbar und hält ungefähr 3-4 Stunden lang an. Mehr zum Medikament Viagra findet ihr auf der Gesundheitsseite Onmeda.de
  • Der Wirkstoff Vardenafil (Levitra) wird 25 Minuten vor dem Verkehr eingenommen. Die Erektion bleibt in der Regel 4-5 Stunden lang bestehen.
  • Wirkstoff Tadalafil (Cialis): Anders als ihre Konkurrenten kann diese Pille 12 Stunden vor dem Sex geschluckt werden. Die Wirkung hält nach der Einnahme bis zu 36 Stunden an.

WICHTIG: Es darf auf keinen Fall mehr als eine Pille pro Tag eingenommen werden. Die verschiedenen Präparate dürfen nicht gemischt werden. Diese Medikamente sind nicht für Patienten mit einer schweren Herzschwäche, Nierenleiden oder einer schweren Angina Pectoris geeignet. Am besten immer vorher den Arzt zu Rate ziehen.

Erektionsstörungen: Welcher Arzt ist der richtige?

Selbst wenn der Mann Hemmungen hat sich einem Arzt anzuvertrauen, sollte man ihn als Partnerin dazu motivieren. Schließlich können bestimmte Erektionsstörungen ein Hinweis auf schwerwiegendere Krankheiten sein. Die gilt es auszuschließen. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt.

Der Arzt wird hierfür ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen. Dann folgt meist eine körperliche Untersuchung. Dabei prüft der Arzt unter anderem die Leber- und Leistengegend, Penis, Hoden und Prostata. Je nach den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung werden die Blutwerte (beispielsweise Blutbild, Blutzucker, Hormone) gecheckt. Mittels einer Ultraschalluntersuchung können zudem die Schwellkörper und die Blutgefäße untersucht werden. Danach wird das weitere Vorgehen besprochen, ob Medikamente etc. verschrieben werden.

Mechanische Behandlungsmöglichkeiten

Ja, auch die gibt es: die Vakuum-Penis-Pumpe. Hört sich schlimm an, ist aber ein effizientes Hilfsmittel. Der Penis wird in ein durchsichtiges Plastikrohr gelegt. Dann wird mit einem Pumpmechanismus Unterdruck erzeugt, der eine Durchblutung der Schwellkörper bewirkt. Der Penis erreicht somit die übliche Versteifung.

​An der Peniswurzel befindet sich ein Gummiring, der die Erektion auch dann aufrecht erhält, wenn das Gerät entfernt wird. Die Penis- oder Potenzpumpe wird vor allem dann empfohlen, wenn sich die medikamentöse Behandlung als erfolglos erweist oder aus gesundheitlichen Gründen Viagra und Co. nicht eingenommen werden dürfen.

Infos:

Nützlichen Informationen und eine Datenbank an Kliniken, Beratungsstellen und
Selbsthilfegruppen für Betroffene in Deutschland findet ihr auch hier: https://impotenz-selbsthilfe.org/

Noch mehr Informationen zum Thema Erektionsstörungen findet ihr auch auf unserem Gesundheitsportal www.onmeda.de

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