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Die Pille für den Mann - kommt sie jetzt doch endlich?

von der Redaktion Veröffentlicht am 1. April 2018
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Zum Sex gehören immer zwei. Warum sollte es da bei der Verhütung anders sein? Das Thema Pille für den Mann taucht immer mal wieder auf. Doch wie sieht es mit dem aktuellen Forschungsstand aus? Kommt endlich die Pille für den Mann?

Eine sichere Verhütung für den Mann? Das wäre doch wirklich zu schön, um wahr zu sein. Denn scheinbar hat sich nach Kondom und Sterilisation nichts mehr weltbewegend verändert und mit besonderem Eifer gehen die Wissenschaftlicher bei dem Thema Mann und Verhütung scheinbar auch nicht ans Werk. Oder doch?

Neue Entdeckung macht Hoffnung

Bislang sind es ja vor allem die Frauen, die für die sichere Verhütung sorgen. Und genau das könnte sich jetzt grundlegend ändern. Forscher der University of California in Berkeley haben nämlich ein pflanzliches Verhütungsmittel ohne Nebenwirkungen gefunden.

Die Wirkung ist denkbar einfach: Die Spermien werden so manipuliert, dass sie zu langsam sind, um in die Eizelle einzudringen. Die Pille für den Mann rückt also in greifbare Nähe.

So funktioniert die Pille für den Mann

Wie das? ​Nun, normalerweise bewegen sich die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle ganz gleichmäßig. Kurz vor ihrem Ziel jedoch schalten sie noch mal einen Gang höher. Durch die schnelleren, ruckartigen Bewegungen, können sie erst in die Eizelle eindringen. Dieser Turboeffekt wird durch das Hormon Progesteron verstärkt.

Deshalb untersuchten die Forscher zum einen, welche Hormone die Turbowirkung des Progesterons ausbremsen (nämlich Cortisol, Östrogen und Testosteron) und dann, welche natürlichen Stoffe es gibt, die ähnlich hemmend wirken wie diese Hormone. Und siehe da: Die beiden Pflanzenstoffe Lupeol und Pristimerin haben eine ähnliche bremsende Wirkung auf männlichen Spermien. Der Pille für den Mann stünde also nichts mehr im Wege.

Wirkstoff auch für Frauen interessant

Natürlich ist die Pille für den Mann noch in der Testphase, aber man hofft, in ein paar Jahren ein Mittel auf den Markt zu bringen, das sowohl vom Mann als auch von der Frau (in diesem Fall als Vaginalring) angewendet werden kann. Denn die pflanzlichen Wirkstoffe sind durchaus für Männer und Frauen interessant, da sie eine hormonfreie Verhütungsmethode bedeuten könnten.

Und sicher scheint das Ganze auch zu sein. Forschungsleiterin Polina Lishko sagte gegenüber dem US-Magazin Wired, man könne bereits jetzt aus besagten Pflanzenstoffen ein Notfallverhütungsmittel herstellen, das zehnmal stärker sei, als die Pille danach. Wir sind gespannt, was aus der Entdeckung wird.

Einen kleinen Haken hätte die Pille für den Mann jedoch: Er müsste daran denken, sie regelmäßig zu nehmen. Eine Pille verlangt nämlich auch von ihm die Disziplin, die wir Frauen schon so lange an den Tag legen.

Umfrage: Mann oder Frau - wer ist eigentlich für die Verhütung zuständig?

Die Pille für den Mann: Ein Überbegriff für verschiedene Methoden

Kurz ein paar Hintergrund-Infos: Es gibt nicht DIE Pille für den Mann. Vielmehr ist der Begriff ein Oberbegriff für diverse Methoden, an denen in den letzten Jahren herumgeforscht wurde. Er umfasst also sowohl orale Medikamente als auch Testosteron-Spritzen oder Gele. Letztlich überzeugen konnte bislang keine der Methoden. Oft waren die Nebenwirkungen zu groß oder der Wirkstoff ließ sich nicht in Tablettenform herstellen.

Und irgendwo drängt sich einem als Frau auch der Gedanke auf, dass da nicht so wirklich emsig weitergeforscht wird. Wenn laut einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rund 55 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 44 die Pille nehmen, bei den 20- bis 29-Jährigen sogar rund 72 Prozent, dann wird sich daran auch nicht viel ändern. Die Frauen sorgen ja letztlich für die Verhütung, warum sollte man da als Mann aktiv werden?

Endlich umdenken bei der Verhütung

Wir Frauen müssen also endlich anfangen, auch die Männer in die Verantwortung zu nehmen. Verhütung geht immer beide etwas an, schließlich bräuchten wir Frauen die Pille nicht, wenn wir nur alleine Sex hätten. Zumal derzeit auch weniger Frauen hormonell verhüten möchten, der Trend weg von den Hormonen hat längst begonnen. (mehr Infos: Keine Lust mehr auf Hormone? Diese Möglichkeiten der hormonfreien Verhütung gibt es) Es wäre also der perfekte Zeitpunkt, das Thema Verhütung mit dem Partner neu zu verhandeln und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Natürlich haben viele Männer auch Hemmungen etwas zu nehmen, das ihre Spermienproduktion hemmt oder unterdrückt. Die Angst, danach nicht mehr zeugungsfähig zu sein, ist eben groß. Aber wer denkt an all die Frauen, die durch die Pille unter Libidoverlust, Thrombosen, Stimmungsschwankungen, Migräne oder Wassereinlagerungen leiden? Die Liste der Nebenwirkungen würde diesen Artikel sprengen. Es wäre also sehr wünschenswert, wenn an der Pille für den Mann weiter geforscht würde und sie endlich auf den Markt käme. Drücken wir also weiterhin hoffnungsvoll die Daumen.

Noch mehr zum Thema Verhütung findet ihr hier:

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