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Liebe & Psychologie

Ranziehen und wegstoßen: Was Borderline mit einer Beziehung macht

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 13. März 2019
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Eine Beziehung mit jemandem, der Borderline hat, stellt beide Partner vor eine enorme Herausforderung. Welche Schwierigkeiten sich für beide auftun und was das Ganze so kompliziert macht, erklären wir euch hier.

Du glaubst, dein Partner könnte Borderline haben oder du erkennst typische Anzeichen bei dir selbst? Hier erfährst du, wie du eine Borderline-Störung erkennst und was Borderline mit der Beziehung macht.

Was bedeutet Borderline?

Was man allgemein als Borderline bezeichnet, heißt korrekt Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) und ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung.

Das Krankheitsbild Borderline ist nicht einheitlich, weshalb sich die Symptome der Betroffenen und ihre Probleme auch nicht über einen Kamm scheren lassen.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass Borderliner ein gestörtes Selbstbild haben und ihre Gefühlswelt nur schwer im Griff haben.

Wie äußert sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Gefühlslage von jemandem mit Borderline kann sehr rasch von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt wechseln. Alle Emotionen werden sehr intensiver erlebt, also emotionale Hochphasen sehr viel euphorischer, depressive Phasen viel dramatischer. Hass und Liebe, Begeisterung und totale Enttäuschung liegen sehr nah bei einander.

Dieser Hass richtet sich auch gegen sie selbst, so fühlen sich Boderliner oft leer, nutzlos und nicht liebenswert. Hier paart sich eine tiefgehende Unsicherheit mit sehr starker Impulsivität.

Um die starken emotionalen Schwankungen zu kompensieren und sich Erleichterung zu schaffen, neigen sie zu selbstverletzendem Verhalten (SVV), sei es, indem sie sich selbst mit Rasierklingen oder Glasscherben in die Haut ritzen, sich mit Zigaretten verbrennen oder gegen die Wand schlagen.

Auch Ess-Störungen, Angstzustände und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken sind häufig.

Wie wirkt sich Borderline auf die Beziehung aus?

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Probleme, die ein Mensch mit Borderline-Persönlichkeitsstörung mit sich selbst und seiner Gefühlswelt hat, sich stark auf die Beziehung auswirken. Unerwartete Stimmungswechsel und eine geringe Frustrationstoleranz, dazu die ständige Angst vom Partner verlassen oder hintergangen zu werden - das stellt die Partnerschaft schnell auf die Probe.

Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung können daher nur schwer stabile Beziehungen führen. Zumal der Partner meist überfordert ist.

Borderline-Beziehung zwischen Liebe und Hass

Borderliner sind meist auch sehr unsichere Menschen. Sie wechseln ständig zwischen Selbstliebe und Selbsthass. Somit sind sie auch im Umgang mit anderen Menschen unsicher. Sie haben Angst vor dem Alleinsein, wünschen sich die Nähe des anderen, haben aber auch Angst davor, ihn zu nah an sich heran zu lassen.

Lernen sie jemanden kennen, neigen Menschen mit Borderline dazu, ihre neue Bekanntschaft zu idealisieren. Sie sind wie berauscht von ihrer neuen Liebe. Daher sind sie auch meist sehr besitzergreifend und neigen zu Eifersucht.

​Hat der Partner beispielsweise noch andere Freunde, die er treffen möchte, führt das schnell zu Konflikten, denn der Borderliner möchte seinen Partner ganz für sich.

Gleichzeitig sind Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auch extrem schnell zu verunsichern und misstrauisch. Tauchen also Konflikte auf, kann die Stimmung schnell kippen. Dann kann die übergroße Vergötterung des geliebten Partners schnell in Hass umschlagen.

Wie kann eine Beziehung zu einem Borderliner funktionieren?

Wer mit einem Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zusammen ist, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Zumal die meisten Betroffenen sich nicht ohne professionelle Hilfe aus dieser Störung lösen können. Es ist also ein Irrglaube, dass es einfach so irgendwann besser werden wird.

Wichtig ist es deshalb, dass beide das Problem nicht schönreden, sondern versuchen, Lösungen zu finden, idealerweise mittels einer Therapie. Voraussetzung ist natürlich, dass der Borderliner bereit ist, eine Therapie zu machen.

Wichtig: Auch wenn die Gefühlsschwankungen und das selbstverletzende Verhalten für den Partner meist komplett unverständlich bleiben, sollte er versuchen, nicht entnervt zu reagieren, sondern ruhig zu bleiben.

Das ist natürlich nicht immer einfach, weil Borderliner auch sehr manipulativ sein können, zu Aggressionen neigen und nicht selten mit Suizid drohen, wenn der Partner sie verlässt oder sie das Gefühl haben, er könne die Beziehung beenden wollen.

Borderline: Wie sieht die Behandlung aus?

Hilfe finden Betroffene bei Psychotherapeuten, Psychologen oder einer entsprechenden Klinik. Vor allem bei Gedanken an Suizid und selbstverletzendem Verhalten sollte dringend professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Die therapeutische Behandlung kann ambulant oder stationär erfolgen. Bestehen Suizidgedanken, ist das der erste wichtige Punkt der Therapie. Danach erst wird versucht, den Ursachen der Persönlichkeitsstörung auf den Grund zu gehen.

In einem weiteren Schritt lernen die Betroffenen, ihren Frust und ihre Aggression nicht gegen sich selbst zu richten, also sich selbst zu verletzen, sondern anders zu kompensieren, sei es mit körperlichem Auspowern beim Sport und mit Entspannungstechniken.

So kann der Partner unterstützen

Da Borderline eine recht tiefgehenden Persönlichkeitsstörung ist, kann die Behandlung Jahre dauern. Was von beiden Partnern Durchhaltevermögen und Kraft fordert.

Hier sollte vor allem der helfende Partner auch auf sich selbst achten, dass er sich immer wieder Freiräume und Auszeiten sucht, um seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Denn ebenso wie es bei Drogenabhängigen eine Co-Abhängigkeit der Angehörigen gibt, so ist auch beim Borderline-Syndrom oft eine Co-Abhängigkeit seitens des Partners zu beobachten.

Wenn du unter einer Depression leidest oder Selbstmordgedanken hast, dann such dir Hilfe. Zum Beispiel über die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Mehr Tipps zum Thema:

Mehr Infos zum Krankheitsbild findet ihr auch hier auf dem Gesundheitsportal onmeda.de.

www.borderline-netzwerk.info
Verein, der Betroffenen bei der Suche nach Therapieplätzen hilft

www.borderline-angehoerige.net
Portal für Angehörige von Borderlinern

www.borderline-forum.net
Forum für Betroffene und Angehörige

Buchtipps für Betroffene und Angehörige:

Alice Sendera, Martina Sendera: Borderline – Die andere Art zu fühlen, Verlag Springer
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Jerold J. Kreisman und Hal Straus: Ich hasse dich – verlass mich nicht. Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit, Verlag Kösel
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Martin Bohus, Markus Reicherzer: Ratgeber Borderline-Störung: Informationen für Betroffene und Angehörige. Verlag Hogrefe
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