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Liebe & Psychologie

Seitensprung: Wenn die Liebe auf Abwege gerät

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 7. November 2019

Ein Seitensprung passiert weit häufiger als gedacht. Was sind die häufigsten Gründe für einen Seitensprung? Und haben Frauen andere Gründe fremdzugehen als Männer? Hier die wichtigsten Fakten.

Laut Umfragen wollen wir fast alle Treue in einer Beziehung. Ganze 90 Prozent sagen das, wenn man sie fragt. Dennoch scheint es wohl leider eine Diskrepanz zwischen Wollen und Tun zu geben. Denn es sind weit mehr als nur zehn Prozent, die einen Seitensprung wagen. Eine Umfrage des "Deutschen Ärzteblatts" beispielswiese ergab, dass gut ein Fünftel der Männer und 15 Prozent aller Frauen schon einmal untreu waren.

Und wer einmal fremdgegangen ist, wird oft zum Wiederholungstäter, so eine Studie von Psychologen der University of Denver. Hierfür wurde bei 484 Männern fünf Jahre beobachtet, wie treu sie sind. Und es zeigte sich eben, dass bei all jenen, die schon mal untreu waren, die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Seitensprung dreimal so hoch war wie bei Probanden, die bislang treu waren.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Seitensprung?

Natürlich sind die Gründe für einen Seitensprung von Fall zu Fall unterschiedlich. Aber es gibt schon ein paar klare Tendenzen, die sich erkennen lassen. Laut einer Studie des "The Journal of Sex Research" sind die häufigsten Gründe für einen Seitensprung folgende:

Gründe für den Seitensprung: 1. Sexuelle Unzufriedenheit

Der Hauptgrund für einen Seitensprung ist letztlich ganz klar benennbar: Und zwar geht es um Sex. "Sexuelle Unzufriedenheit ist der häufigste Grund für einen Seitensprung. Bei zwei Drittel aller Paare ist einer von beiden unzufrieden", erklärt der Paartherapeut Dr. Ragnar Beer von der Georg-August-Universität in Göttingen gegenüber 'Focus'.

Und obwohl unsere Gesellschaft sich gerne tabulos und offen zeigt, wird in Beziehungen über genau dieses Thema immer noch schamhaft geschwiegen. Sei es, weil man den Partner nicht verletzen will oder weil man sich scheut, über das zu sprechen, was man sich im Bett wünscht und was einen abturnt.

Mit miesen Folgen: Denn stimmt es im Bett nicht, sucht sich der Betreffende im Zweifelsfall den Spaß woanders – und flüchtet sich in eine Affäre oder einen One-Night-Stand.

Gründe für den Seitensprung: 2. Beziehungsprobleme

Ein weiterer häufiger Grund, der mit dem ersten einhergeht: Die Flucht vor den eigenen Beziehungsproblemen. Sei es, dass Eiszeit in der Beziehung herrscht, dass man sich auseinander gelebt hat oder eben das Sexleben eingeschlafen ist.

Nicht selten flüchtet sich einer von beiden dann in ein neues Abenteuer. Einfach um alles mal zu vergessen und sich noch mal begehrt und frei zu fühlen. So holt man sich nochmal Romantik, Leidenschaft und Schmetterlinge im Bauch zurück. Zumindest für einen Moment.

Gründe für den Seitensprung: 3. Keine, alias Alkohol und Ausrutscher

Viele Fremdgänger sagen auch von sich selbst, es sei ihnen nur ein Ausrutscher unterlaufen. Sie hätten gar keinen direkten Grund für ihren Seitensprung gehabt. Mal lag es einfach nur am Alkohol, an der Stimmung oder an der Gelegenheit, die sich bot.

Gründe für den Seitensprung: 4. Rachegelüste

Und ein weiterer unschöner Grund: Rache. Nicht selten "ravanchieren" sich betrogene Partner nämlich für das Fremdgehen ihres Liebsten. Laut der Studie sinnen 40 Prozent der betrogenen Frauen und 22 Prozent der betrogenen Männer auf Rache und gehen ebenfalls fremd.

Was unterscheidet den Seitensprung von Frauen und Männern?

Es gibt diverse Studien, die zeigen: Ja, Männer und Frauen gehen anders fremd und aus anderen Beweggründen.

So auch die Studie des "The Journal of Sex Research". Die These: Männer gehen vor allem deshalb fremd, weil sie mit ihrem Sexleben unzufrieden sind, es zu wenig Sex gibt oder die Abwechslung fehlt. Aber natürlich beweisen sie sich auch mit einem ONS oder einer Affäre gerne selbst, dass sie noch attraktiv sind, dass sie es "noch können".

Frauen wiederum gehen eher deshalb fremd, weil sie sich in ihrer Beziehung nicht geschätzt und geliebt fühlen. Sie suchen sich die Bestätigung für ihr Ego eben bei jemand anderem. Auf einmal ist da jemand, der einen noch wirklich sieht, der zuhört und Komplimente macht.

Und eine Umfrage des Seitensprungportals 'Firstaffair.de' unter 1.000 Deutschen zwischen 18 und 76 Jahren zeigte noch etwas Interessantes: Während Männer eher einen kurzen Seitensprung wagen – und dafür häufiger – tendieren Frauen eher dazu, seltener fremdzugehen, aber dafür länger. In 40 Prozent der Fälle dauern die Affären von Frauen länger als ein Jahr.

Und: Frauen ziehen dann häufiger als Männer einen Schlussstrich unter ihre bisherige Beziehung und entscheiden sich für ihren Geliebten. Nach einer Umfrage von Psychotherapeut Wolfgang Krüger entscheiden sich 55 Prozent der Frauen für ihren Liebhaber, von den Männern lediglich 25 Prozent.

Ob all diese Studien wirklich immer zutreffen, sei dahingestellt. Dennoch sind diese Studienergebnisse sehr interessant.

Sollte man einen Seitensprung beichten?

Nein, man muss einen Seitensprung nicht direkt seinem Partner beichten. Denn nicht immer steckt dahinter eine kaputte Beziehung. Manchmal passiert es eben auch, obwohl man mit seinem Partner glücklich ist. Und dann sollte man sich schon überlegen, was einem wichtiger ist: Sein Gewissen zu erleichtern und es zu erzählen oder sich zu überlegen, welche Auswirkungen das auf das Seelenleben seines Partners hat. Kann er mit der Wahrheit umgehen, oder würde es ihn nachhaltig traumatisieren?

Häufig leiden Menschen extrem wegen der Untreue ihres Partners. Albträume, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und die ständige Angst, dass sich das alles noch mal wiederholen könnte – all das ist über einen langen Zeitraum nicht unüblich.

Wer also nur sein Gewissen erleichtern will, um sich besser zu fühlen, sollte schon mal kurz überlegen, welche Konsequenzen das haben kann. Und wohlgemerkt: Es geht um das Seelenheil des Betrogenen, nicht darum, dass man als untreuer Partner Ärger bekommt und als menschliches Arschloch dasteht.

Wer unbedingt über seine Gefühle und seinen Seitensprung reden möchte, kann das auch einem guten Freund anvertrauen und sich dort erstmal Rat holen.

-> Auch lesen: Geheime Affäre: Warum so viele fremdgehen und wer am Ende WIRKLICH der Leidtragende ist

Expertenrat im Video: Was tun, wenn ein Partner fremdgegangen ist?

Sollte man einen Seitensprung verzeihen?

Ob man seine Sachen packt und geht oder ob man der Beziehung noch eine Chance gibt, muss jeder für sich entscheiden. Letztlich kommt es ja darauf an, wie es zum Seitensprung kommen konnte und ob diese Gründe weiterhin bestehen oder ob sie gemeinsam auf dem Weg geräumt werden können.

Wer schon lange mit seinem Partner zusammen ist und die Beziehung retten will, muss sich jedoch auf jede Menge Beziehungsarbeit einstellen. Denn der Fremdgänger ist es letztlich, der das verlorene Vertrauen nach und nach wieder aufbauen muss. Das dauert seine Zeit.

Und der Betrogene muss ebenfalls an sich arbeiten. Denn die ständige Angst, dass es noch mal zu einem Seitensprung kommen könnte, die sich nicht selten in einem Kontrollzwang oder dem heimlichen Kontrollieren des Partners äußert, ist einer guten Beziehung eben auch wenig dienlich. Dennoch sollte man dieses Verhalten versuchen zu verstehen und gemeinsam dafür sorgen, dass sich beide mit der Zeit wieder entspannen und vertrauen können.

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