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Stonewalling: Dieses unfaire Verhalten killt jede Beziehung

von Fiona Rohde Erstellt am 17. Februar 2021
Stonewalling: Dieses unfaire Verhalten killt jede Beziehung© pexels.com

Es gibt ein paar Unarten in einer Beziehung, die letztlich fast alle Paare zum Scheitern bringen. Einer dieser Beziehungskiller ist ein Verhalten, das man "Stonewalling" nennt. Lest hier, was dahintersteckt und was dagegen hilft.

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Glaubt man Dr. John Gottman vom Gottman-Institut, so ist Stonewalling auf Dauer der Anfang vom Ende einer Beziehung. Sicher ist auch euch schon mal dieses Verhalten begegnet. Oder ihr habt es selbst angewandt. Stonewalling ist die Weigerung in Bezug auf eine bestimmte Sache oder ein bestimmtes Problem zu kommunizieren bzw. zu kooperieren.

Gerät also jemand in einem Streit oder einer Diskussion an einen bestimmten Punkt, an dem er nicht mehr weiter weiß oder nicht mehr zu reden bereit ist, beginnt er zu schweigen, demonstrativ wegzuschauen und sich abzukapseln. Man "mauert" wortwörtlich, denn letztlich bedeutet "Stonewalling" (engl. Steinmauer) exakt das: Man baut eine unüberwindbare Mauer zwischen sich und seinem Gegenüber auf und blockiert jeden weiteren Austausch.

Stonewalling gibt es nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen wie der Familie oder der Partnerschaft. Auch in der Politik bedient man sich nur allzu gerne dieser Taktik. Stonewalling ist für das Gegenüber letztlich nur eins: frustrierend. Weil: Was tun, wenn jemand innerlich absolut dicht macht und sich so einer weiteren Klärung des Streits entzieht? Exakt: nichts.

Bei einem Politiker kann man sich aufregen und ihm bei der nächsten Wahl nicht mehr seine Stimme geben. Betreibt jedoch der eigene Partner Stonewalling, so nimmt das Ganze schon weitreichendere Züge an.

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Wie zeigt sich Stonewalling in der Beziehung?

Wer dicht macht, sobald es mal Probleme gibt, ist letztlich konfliktscheu und unfähig, fair und richtig zu streiten bzw. zu diskutieren. Dabei ist es völlig normal, dass man in einer Partnerschaft auch mal aneinandergerät und anderer Meinung ist.

Sind es am Anfang einer Beziehung die Anziehung des Gegenübers, die Gemeinsamkeiten, Vertrauen aber auch Leidenschaft, die beide zusammenhalten, so wird im Laufe der Zeit in einer Partnerschaft noch etwas anderes enorm wichtig: die Fähigkeit, gut miteinander zu kommunizieren und – ja – auch Konflikte auszutragen und gemeinsam zu einer Lösung oder einem Kompromiss zu gelangen. Auch das ist Liebe und auf Dauer ebenso wichtig wie Leidenschaft und Gefühle.

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Leider ist nicht jeder gleichermaßen in der Lage, dem zu genügen. Da gibt es eben auch die Konfliktscheuen, die, denen jede Diskussion Stress bereitet, dem sie nichts entgegensetzen können. Wer Stonewalling betreibt, entzieht sich der für ihn unangenehmen Situation und löst sie so für sich. Allerdings nicht wirklich langfristig. Zwar ist die Diskussion vorerst beendet und derjenige kann dem Problem kurzzeitig entfliehen, aber Lösungsansätze sehen bekanntlich anders aus.

Wer einen Partner hat, der Stonewalling macht, wird es kennen: Es kommt einem vor, als würde man gegen Wände anreden. Es kommt nichts mehr beim Gegenüber an. Und das Schlimme: Konflikte, die einfach so weggeschoben werden und nie einmal zur Aussprache kommen, schwelen unter der Oberfläche eben weiter. Es gibt kaum eine Beziehung, bei der es dann nicht irgendwann zum großen Knall kommt – oder sogar zur Trennung.

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Was können Betroffene tun?

Vielleicht habt ihr euch selbst dabei ertappt, dass ihr euch unliebsamen Problemen mit Hilfe von Stonewalling entzieht. Vielleicht seid ihr mit einem Partner zusammen, der so agiert, sobald es Streit gibt. Wenn beide an ihrer Beziehung hängen, sollten sie diese ungesunde Streitkultur tunlichst ändern.

Was hilft? Nun, wenn Betroffene einfach so dicht machen, weil die Situation ihnen nicht recht ist, dann sollten sie sich beim nächsten Mal frühzeitig entziehen, sagen, dass sie gerade nicht klarkommen mit dem Problem und einen kurzen Moment für sich brauchen. Oft hilft eine kleine Pause, ein Spaziergang um den Block oder eine Verschnaufspause vom Streit, um klarer zu sehen und sich zu sammeln.

Wer hier klar sagt: "Du, ich komm grad nicht weiter. Können wir gleich weiterreden, ich muss kurz raus" und anschließend aber zu einem besseren Gespräch bereit ist, der darf das gerne so machen. Niemand kann gezwungen werden, eine für ihn schwierige Situation auszuhalten. Schließlich bedeutet Stonewalling ja nicht zwangsläufig, dass hier jemand eine menschliche Katastrophe ist, sondern dass er mit einer Situation nicht umgehen kann, dass er psychisch überfordert ist. Aber er sollte daran arbeiten, dass derart ausweglose Streitmomente erst gar nicht entstehen.

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Für die Gegenseite gilt: Wenn der Partner mauert, dann sollte man das klar ansprechen. Vielleicht nicht beim ersten Mal, aber auf Dauer sollte man klar aufzeigen, dass man so nicht weiter gewillt ist, Diskussionen zu führen, wenn man von jetzt auf gleich abgebügelt wird. Das sollte in einem ruhigen Gespräch gesagt werden und so, dass der Partner weiß: "Ich liebe dich, aber du verletzt mich mit deinem Verhalten."

Wichtig ist in jedem Fall, Stonewalling frühzeitig anzusprechen. Wenn sich diese Verhaltens(un)art erstmal eingebürgert hat, ist es schwer, das wieder zu ändern.