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Liebe & Psychologie

Groll überwinden: Warum verzeihen in der Beziehung so wichtig ist

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 14. Juli 2018
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Fehler passieren jedem von uns - auch in der Beziehung. Doch wenn man jemanden liebt, verzeiht man auch eher einen Fehler. Damit das Verzeihen jedoch auch wirklich klappen kann, müssen beide Partner bereit sein, ein Stück Beziehungsarbeit zu leisten.

Gerade weil uns unser Lebenspartner so wichtig ist, verzeihen wir ihm mehr als allen anderen im Leben. Unsere Familie natürlich ausgenommen. Denn es gehört zu einer gut funktionierenden Partnerschaft dazu, mit Rückschlägen fertig zu werden, Fehler zu verzeihen und gemeinsam nach vorne zu schauen, statt sich voller Groll und Zorn zu verkriechen. ​

Was aber, wenn dem nicht so ist? Es gibt diesen Spruch: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er auch die Wahrheit spricht." Einen Seitensprung verzeihen - das können oder wollen viele nicht. Aber auch bei "kleineren" Vergehen fällt das Vergeben oft schwer. Es gibt eben Menschen, die sehr nachtragend sind. Mit denen man es sich genau ein Mal verscherzt und danach keine weitere Chance mehr bekommt. Denn nicht jeder von uns kann gleichermaßen Nachsicht üben und Minusaktionen von der Liste seines Liebsten oder seiner Liebsten streichen. Ein Verzeihen scheint unmöglich.

Bleiben wir in der Beziehung jedoch nachtragend und misstrauisch, weil wir glauben, dass sich der Fehler, den unser Partner gemacht hat, jederzeit wiederholen könnte, dann belastet das die Beziehung immens. Wer hier keinen Schlussstrich ziehen und dem anderen neues Vertrauen schenken kann, der wird nie mehr so glücklich und unbedarft sein wie am Anfang der Beziehung. Und somit ist das Scheitern der Beziehung eigentlich schon vorprogrammiert.

Verzeihen: Ohne Klärung geht es nicht

Oftmals wissen beide schon gar nicht mehr, was genau der auslösende Fehler oder das auslösende Verhalten war, dennoch belastet dieses "Etwas" die Beziehung nachhaltig und sorgt immer wieder für Streit und Missverständnisse. Ist ein Partner gekränkt, so wird er den anderen dafür unbewusst immer ein wenig büßen lassen. Er wird immer ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Liebesbeweise einfordern, damit das Geschehende wieder gut gemacht wird - zumindest damit es sich für ihn so anfühlt. Auch das wird die Beziehung belasten.

Was also tun?

Wenn eine Lösung aus dem Dilemma gefunden werden soll, hilft nur eins: reden. Und zwar offen. Dabei kann es aber nicht darum gehen, dass der eine zum Täter und der andere zum Opfer stilisiert wird und es im Gespräch nur darum geht, was der eine falsch gemacht hat und wie er es wieder ausbügeln kann. Das hätte wenig Aussicht auf Erfolg.

Letztlich sind es beide Seiten, die aus dem Fehler mit Schaden herausgegangen sind. Beiden geht es nicht gut. Dem einen, weil er der Verursacher des Fehlers war, und dem anderen, weil er unverschuldet zum Leidtragenden wurde. Man vergisst hier immer gerne, dass auch der Verursacher unter seinem Fehler leidet und ihn bereut, aber nicht rückgängig machen kann. Das belastet, vor allem, wenn er das Gefühl hat, der andere kann ihm nicht verzeihen.

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Beide müssen bereit sein

Letztlich muss sich auch derjenige von beiden, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, fragen, warum er seinem Partner nicht verzeiht. Ist es, weil er noch zu verletzt ist? Ist es, um den anderen büßen und zappeln zu lassen, damit er wieder näher zu einem heranrückt und sich mehr Mühe gibt in der Beziehung? Ist es Wut oder ist es eine strickte Einstellung, die ein Verzeihen unmöglich macht?

Nicht selten hat er das Gefühl, dem anderen in irgendeiner Form Recht zu geben in seinem Fehlverhalten, wenn er ihm verzeiht. Was natürlich nicht der Fall ist. Und auch ein büßen lassen, also eine Form der Bestrafung, ist kaum das, was man sich unter Liebenden antun sollte und wenig hilfreich für ein Fortbestehen der Partnerschaft. Zumindest nicht dauerhaft. ​Derjenige von beiden, der also durch einen Fehler derart verletzt wurde, muss sich auch ganz ehrlich fragen: Möchte ich meinem Partner verzeihen?

Verzeihen ist Arbeit

Voraussetzung für ein Verzeihen ist natürlich, dass der Verursacher allen Ärgers auch ehrlich bemüht ist, seinen Fehler wieder gutzumachen. Sind sich also beide einig, dass ihnen die Beziehung wert ist, dafür zu kämpfen, dann beginnt natürlich erst die Arbeit - ja, Arbeit.

Zuallererst muss sich der, der den anderen enttäuscht, belogen, betrogen oder anderweitig verletzt hat, entschuldigen. Und zwar aufrichtig und ehrlich. Erst danach können beide aktiv beginnen, mit dem Geschehenen umzugehen und klarzukommen.

Was können beide konkret tun?

Die Gefahr liegt jetzt darin, dass beide in ihrer Täter und Opferrolle verharren und die Verletzung auf der einen Seite und das Schuldgefühl auf der anderen Seite Überhand nehmen. Hier hilft es - so blöd das auch klingen mag - sich ein paar Regeln bzw. Verhaltensweisen zu überlegen und gemeinsam eine Art Schlachtplan zu erstellen. Was möchten wir ändern? Was vereinbaren wir, damit es besser wird und der Fehler nicht mehr passieren kann?

Der Verursacher ist es natürlich, der sich ab jetzt an Absprachen halten muss und der beweisen soll, dass er den Vertrauensvorschuss seines Partners auch verdient hat. Im Idealfall schlägt er selbst Maßnahmen vor, wie er das Vertrauen wieder herstellen will. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, dass jemand im Büßergewand Schuld auf sich nehmen und sich selbst dafür bestrafen soll. Vielmehr geht es darum, nicht passiv den Fehler zu verdrängen, sondern aktiv zu überlegen: Was machen wir ab jetzt besser bzw. anders, damit ein Vertrauen wieder möglich ist?

Schuldfragen mit Vorsicht behandeln

Und beide müssen sich fragen: Wie konnte es zu dem Fehler kommen, beispielsweise einem Seitensprung oder einem Vertrauensbruch? Liegen die Ursachen nicht auch zum Teil in der Beziehung selbst? Und diese Frage zu stellen soll nicht heißen, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, sondern gemeinsam zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Also eher ein gemeinsames Wappnen für die Zukunft. Auch wenn es zunächst absurd klingt, stellt sich die Frage: Haben beide Partner jetzt nicht die Möglichkeit, die Beziehung von Grund auf besser zu gestalten und gestärkt aus dem Chaos hervorzugehen?

Verzeihen aus Liebe

Letztlich gibt es keinen besseren Grund einander zu verzeihen, als die Gefühle füreinander. Dem anderen zu zeigen: Du bist es mir wert, um dich zu kämpfen, auch wenn du einen Fehler gemacht hast. Das Vertrauen, das man dem anderen in diesem Moment gibt, ist ein echtes Geschenk. Das sollte beiden klar sein. Und ihnen die Kraft und Zuversicht geben, dass sie gestärkt aus der Sache hervorgehen können.

In jeder Beziehung passieren Fehler - kleinere oder größere. Natürlich sollten sie nicht passieren, aber wenn der gekränkte Part verzeihen kann, dann befreit er sich zudem aus der Opferrolle und zeigt charakterliche Stärke. Er ist in dem Moment der starke Part - nicht mehr das Opfer, der Hintergangene und Betrogene. Auch das kann beiden helfen, die Opfer-Täter-Konstellation zu überwinden und ad acta zu legen.

Nicht immer ist verzeihen sinnvoll

Natürlich gibt es auch Fehler, die man nicht verzeihen kann, beispielsweise wenn es zu körperlicher Gewalt kommt und zwar wiederholt. Oder wenn jemand einen ständig hintergeht und betrügt. Das sind Dinge, die man vielleicht einmal verzeiht, vielleicht zweimal, danach aber nicht mehr. Wer immer alles ohne wenn und aber verzeiht, wird auch merken, dass er in eine ständig gebende Opferrolle gerät, die den anderen auch dazu verführt, sein schlechtes Verhalten dauerhaft beizubehalten. Es gibt daher auch Fälle, in denen verzeihen nicht die beste Lösung ist.

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