Home / Liebe & Psychologie / Beziehung / Torschlusspanik: Warum dieses Thema alles andere als witzig ist

© pexels
Liebe & Psychologie

Torschlusspanik: Warum dieses Thema alles andere als witzig ist

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 4. April 2019

Torschlusspanik sagt sich so leicht. Egal, ob über eine Freundin, die in unseren Augen den Erstbesten genommen hat oder über Paare, die trotz schwindender Liebe zusammen bleiben. Dabei stecken dahinter durchaus ernst zu nehmende Gründe.

Torschlusspanik, also die Angst etwas Entscheidendes zu verpassen, wird heute meist in Bezug auf Beziehungen verwendet. Früher ging es eher darum, dass man nicht als alte Jungfer sterben wollte – so mies sich das auch anhören mag.

Ganz früher bedeutete Torschlusspanik noch etwas ganz anderes: Denn ursprünglich stammt der Begriff aus dem Mittelalter und bezog sich darauf, dass man früh genug in die sicheren Mauern der Stadt zurückkehren musste, weil abends die Tore geschlossen wurden.

Torschlusspanik ist mehr als Alleinsein

Torschlusspanik, also die Angst, keinen passenden Partner mehr abzubekommen, kann jeder haben - sowohl Männer als auch Frauen. Aber natürlich hat nicht automatisch jeder Single Torschlusspanik. Es geht nicht ums Alleinsein an sich, sondern um Lebensabschnitte, Wünsche und Ziele.

Natürlich sieht das Singleleben von 20-Jährigen anders aus, als das von jemandem mit 40, 45 oder älter. Es ist unbeschwerter. Man hat noch viel Zeit, kann sich noch ausprobieren. Doch irgendwann wird das eben anders.

Es gibt auch viele Menschen, die sich schon mit Anfang 20 eine Familie wünschen und es furchtbar fänden, solo zu sein. Dennoch hat das Ganze in fortgeschrittenem Alter eine völlig andere Dimension. Denn hier geht es nicht darum, dass etwas nicht zum gewünschten Zeitpunkt passiert, sondern dass es gar nicht mehr passiert.

Torschlusspanik und die biologische Uhr

Die Rede ist von der biologischen Uhr. Ist man mit Ende 30 oder Anfang 40 plötzlich solo, dann ist das für Frauen gleich doppelt schlimm. Denn die Uhr tickt leider unerbittlich und irgendwann können wir eben keine Familie mehr gründen.

Was also, wenn man mit 35 mit einem Partner zusammen ist, der keine Kinder möchte oder die Beziehung mit Ende 30 in die Brüche geht? Zum Schmerz über die Trennung kommt dann die Angst, dass man seine Lebenspläne nicht mehr umsetzen kann.

Und auch wer Single ist, muss sich fragen: Wenn ich mich noch mal verliebe, wie schnell werde ich sagen können, dass es etwas Festes ist und wir den Schritt wagen, für mehr? Und sind nicht alle guten (familientauglichen) Partner längst vergeben? Man muss kein Pessimist sein, um hier seine Bedenken zu haben.

Auch wenn Männer unter Torschlusspanik leiden können, so ist es bei ihnen doch eher ein Luxusproblem. Schließlich könnten sie auch noch mit über 60 ein Kind zeugen. Und das ist verdammt unfair von Mutter Natur.

Die Nerven bewahren trotz Torschlusspanik - nur wie?

Ich kenne Frauen, die sich mit Mitte 30 von ihrem Partner getrennt haben, genau aus diesem Grund. Torschlusspanik. Weil sie gemerkt haben, dass sie mit ihm keine Familie gründen können. Sei es, dass er gar keinen Kinderwunsch hatte oder sich als nicht familientauglich herausgestellt hat. Und wohlgemerkt: Sie haben sich getrennt, OBWOHL sie ihn noch geliebt haben.

Das klingt zunächst einmal sehr nach einer kühlen Kopfentscheidung. Aber wer sich in seinem Leben zum Ziel gesetzt hat, Kinder zu bekommen, der wird dafür alles tun. Es gibt kaum eine Entscheidung im Leben, die wichtiger ist.

Die Frage ist: Was ist die Alternative, wenn der Partner keine Kinder möchte? Kann man sich arrangieren? Dem Mann zugestehen, dass man auf Kinder verzichtet? Es drauf ankommen lassen, ob er es sich noch mal anders überlegt? Ihn überrumpeln und einfach die Verhütung weglassen? Das sind einfach keine fairen Alternativen, wenn man sich sehnlichst ein Kind wünscht.

Die Prioritäten sind entscheidend

Letztlich muss man für sich die Prioritäten festlegen. Ich habe Freundinnen, die sich für ein Kind an erster Stelle entschieden haben. Die Beziehung stand dabei nicht im Vordergrund, weshalb viele dieser Frauen mittlerweile auch alleinerziehend sind, weil es mit dem Partner irgendwann eben nicht mehr geklappt hat. Das Kind bleibt. Ein Leben lang. So kann man es auch sehen. Nur nimmt man seinem Kind damit nicht die Möglichkeit, mit beiden "Erzeugern" aufzuwachsen?

Torschlusspanik bei Frauen ist also kein Thema für witzige oder abfällige Bemerkungen. Dafür ist es zu ernst. Der Kinderwunsch steht für viele Frauen an erster Stelle. Und das ist okay so, ebenso wie es okay ist, wenn Frauen sich gegen Kinder entscheiden. Niemand sollte dafür verurteilt werden, was er mit seinem Leben machen möchte. Die Entscheidung, was man tut, bevor die Tore geschlossen werden, muss jeder für sich allein treffen.

Ist er der Richtige? Daran erkennst du einen Traummann!

Das könnte dich auch interessieren:

Der Beziehungs-Test: Liebt er mich eigentlich wirklich?

Happiness Index: An diesen 12 Punkten erkennt man glückliche Paare

Laut Dating-Studie: Darauf stehen Frauen angeblich bei Männern

von Fiona Rohde

Das könnte dir auch gefallen