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Liebe & Psychologie

Generation 'Downshifting': Warum wir jetzt auf Karriere pfeifen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 5. Juni 2017
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Mehr Leben, weniger Arbeit? Klingt gut, oder? Doch wer im Job kürzer treten will und weder Erbe noch Lottogewinner ist, dem sollte klar sein, dass er dafür ein paar Abstriche machen muss. Denn das MEHR an Privatleben wird bar bezahlt, in Euro.

Eigentlich träumen ja die meisten davon: Ein bisschen weniger arbeiten und dafür mehr Freizeit haben. Mehr Zeit für sich. Schluss damit, die ganze Woche auf Freitagnachmittag hinzufiebern, damit endlich Wochenende ist, das Leben beginnt, das dann am Montagmorgen wieder jäh beendet wird. Mehr Freizeit zu haben, wäre schon was Feines. Finden sehr viele Menschen. Downshifting nennen Psychologen den Trend, der schon seit einiger Zeit die Runde macht.

Raus aus dem Hamsterrad!

Klar. Aussteiger gab es immer schon. Menschen, die sich nicht verbiegen lassen wollten von der Gesellschaft. Die ausbrechen wollten aus dem ewigen Nine to Five Leben. Doch hier geht es längst nicht mehr um ein paar Freaks und Ökos: Laut einer Umfrage sehnen sich ganze 72 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nach einer Auszeit vom Job.

Die Anhänger des heutigen Downshifting lassen sich nicht über einen Kamm scheren: Da sind die Erfolgstypen, die bereits alles erreicht haben und an einem Punkt angekommen sind, an dem ihnen der Erfolg, das viele Geld unwichtig geworden sind. Weil dafür das Leben auf der Strecke geblieben ist. Gesundheit und Ehen wurden oftmals ruiniert und Kinder hat man nicht aufwachsen sehen. Aber da sind auch die jungen Arbeitnehmer, die vom Downshifting träumen und sich mit dem Leben im Hamsterrad nicht abfinden wollen - und das, obwohl sie gerade erst ins Berufsleben eingestiegen sind.

Downshifting statt Karriere!

Beim Downshifting geht es um die Frage nach der richtigen Work-Life-Balance. Wäre nicht mehr Freizeit so wertvoll, dass man dafür finanzielle Einbußen in Kauf nehmen würde? Ein Überlegung, die viele Menschen zugunsten des Privatlebens treffen. Gegen das Geld und die Karriere.

Letztlich sind viele Wege möglich, um in ein neues Arbeitsleben zu starten, das mehr Freiraum lässt: So kann Downshifting bedeuten, dass man in seinem angestammten Job bleibt und nur die Stundenzahl reduziert. Teilzeit statt Vollzeit oder Jobsharing. Oder man sucht sich einen völlig neuen Job, der eine freiere Zeitgestaltung zulässt oder überlegt, sich selbstständig zu machen, um sein eigener Herr zu sein.

Brauche ich das alles?

Was man sich fragen sollte, bevor man seinem Chef freudestrahlend von seinen Überlegungen bezüglich Downshifting erzählt: Was genau ist mir wichtig im Leben? Will ich finanziell mit anderen mithalten können oder wäre ich auch bereit Abstriche zu machen? Auf den teuren Urlaub, das Auto und die große Wohnung zu verzichten? Auf wie viel Geld kann ich verzichten, wie viel Arbeitszeit darf ich dafür streichen? Am besten macht man eine klare Auflistung der Dinge, die man streichen und dadurch Geld einsparen kann. Die Rechnung ist einfach: Je mehr man sich in Zukunft versagt, umso mehr Freizeit gewinnt man.

Widerstände einplanen - und meistern

Natürlich wird man auf Widerstand stoßen. Der Chef, der einen lieber Vollzeit im Büro hätte, finanzielle Engpässe und dann all die Menschen, die einem mit Unverständnis begegnen werden. Einfach weil es in unserer Gesellschaft schon in der Grundschule um Leistung geht. Darum, es "mal zu etwas zu bringen". Doch wer sagt, dass dieses "etwas" eine Karriere im herkömmlichen Sinn sein muss? Erfüllung im Leben kann auch anders sein. Man braucht schon ein dickes Fell, wenn man sich für Downshifting entscheidet, einfach, weil unsere Gesellschaft anders tickt.

Aber ganz sicher ist auch: Wer sich wirklich nach mehr Freizeit und weniger Karrierestress sehnt, der wird mit Downshifting glücklich werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass man es versucht, statt ständig nur zu jammern.

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