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Dysmorphophobie: Diese Krankheit könnte Schuld sein, dass du dich dicker siehst, als du bist

von Tanja Koch Veröffentlicht am 11. Oktober 2018
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Findest du dich dick, obwohl du eine kleine Kleidergröße trägst? Reagieren andere Menschen überrascht, wenn du ihnen von vermeintlichen Körpermakeln erzählst? Verbringst du enorm viel Zeit damit, über dein Aussehen zu grübeln? Dann leidest du womöglich an einer körperdysmorphophoben Störung.

Zugegeben: Auch wir können uns dank Social Media, wie Instagram und Co., rund um die Uhr mit umwerfend schönen Menschen befassen. Live-Streams, Storys und Bilder geben uns die Möglichkeit, unsere Lieblingsstars und -blogger durch ihren Tag zu begleiten, sodass man fast schon das Gefühl bekommt, sie wirklich zu kennen.

Doch leider hilft das Durchklicken der unendlich vielen, perfekt inszenierten Fotos und Videos nicht nur gegen Langeweile beim Arzt im Wartezimmer. Es vermittelt uns auch unerreichbare Schönheitsideale. Die Tatsache, dass die meisten Fotos mit cleveren Apps bearbeitet und verschönert wurden, gerät schnell in Vergessenheit. Und das Risiko für psychische Störungen steigt, wie ein Artikel im Fachblatt „JAMA Facial Plastic Surgery“ zeigt.

Eine besonders große Rolle spielt die körperdysmorphophobe Störung. Sie lässt Betroffene ihren Körper besonders unattraktiv oder dick sehen. Wenn ein Körperteil tatsächlich nicht das Schönheitsideal erfüllt, empfinden Betroffene den Makel als sehr viel schlimmer als ihr Umfeld. In Deutschland leiden etwa 0,7 bis fünf Prozent der Menschen an Dysmorphophobie, wie das Deutsche Ärzteblatt angibt.

Das Wort "dysmorph" ist griechisch und bedeutet "fehlgestaltet". Dysmorphophobie ist also die Angst davor, fehlgestaltet zu sein.​

Symptome bei Dysmorphophobie: von exzessiver Körperpflege bis zum sozialen Rückzug

Menschen, die an der körperdysmorphophoben Störung leiden, verbringen viel Zeit damit, über ihr Aussehen nachzudenken. Sie betreiben übermäßig viel Sport oder Körperpflege, oft zwanghaft. Wenn sie die vermeintlichen Makel dadurch nicht vertuschen können, lassen Betroffene Schönheitsoperationen durchführen.

​Zudem neigen sie dazu, sich mit anderen Menschen zu vergleichen und ihr Äußeres immer wieder in einem Spiegel zu überprüfen. Andere hingegen ertragen ihren eigenen Anblick nicht und vermeiden den Blick in den Spiegel. In schweren Fällen ziehen sie sich aus Scham aus ihrem sozialen Umfeld zurück.

Menschen, die an Dysmorphophobie leiden, ​sind meist unsicher und schüchtern. Außenstehende nehmen sie aber häufig als eingebildet oder arrogant wahr.

Dysmorphophobie bei Männern: Wenn der Körper nicht muskulös genug erscheint

Die Muskeldysmorphophobie ist eine besondere Variante der Störung, bei der die Betroffenen ihren Körper als zu klein oder schmächtig empfinden. Sie wird auch Adonis-Komplex, inverse Anorexie (umgekehrte Magersucht) oder Muskelsucht genannt.

Die Krankheit betrifft überwiegend Männer. Sie beginnen exzessiv zu trainieren, selbst wenn ihr Körper bereits sehr sportlich aussieht. Proteinreiche Nahrung spielt eine große Rolle, einige nehmen sogar Anabolika ein, um ihren "Makel" möglichst schnell zu beheben. Da Schönheitsideale für Männer eine immer größere Rolle spielen, wird die Anzahl der Betroffenen vermutlich über die oben angegebene Zahl hinaus steigen.

Dysmorphophobie ist heilbar: Welche Therapie bringt Erfolg?

Während Betroffene sich Linderung meist von Besuchen bei Schönheitschirurgen, Dermatologen und Kosmetikstudios erhoffen, wäre der richtige Ansatz eine Psychotherapie. Das Ziel ist, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen und den Körper so akzeptieren zu lernen, wie er ist. Das hilft, die verzerrten Wahrnehmungen abzulegen.

Neben der Gesprächstherapie sind auch praktische Übungen denkbar. Möglicherweise ist es sinnvoll, sich den angstauslösenden Situationen zu stellen: Etwa ungeschminkt aus dem Haus gehen oder einfach mal zwei Wochen nicht zum Sport gehen. So lernen Betroffene, dass ihre Befürchtung, abgelehnt zu werden, irrational ist.

Ursachen der Dysmorphophobie: Sind die Eltern Schuld?

Dysmorphophobie kann verschiedene Ursachen haben. Sowohl eine überbehütete Kindheit mit konfliktscheuen Eltern als auch eine besonders autoritäre und abwertende Erziehung kann das Risiko für eine Körperwahrnehmungsstörung erhöhen. Denn diese Erziehungsstile gehen oft mit einem Mangel an emotionaler Zuneigung und Anerkennung einher. Auch körperlicher oder seelischer Missbrauch in der Kindheit kann Dysmorphophobie auslösen.

Mit Social Media verbundene Schönheitsideale sind ebenfalls ein Risikofaktor. Für dadurch verursachte Körperwahrnehmungsstörungen haben die Autoren des oben genannten Fachartikels sogar einen eigenen Namen festgelegt: Snapchat-Dysmorphophobie. Denn beim Schönheitschirurgen bitten Betroffene häufig darum, so auszusehen, wie auf ihren Selfies mit Snapchat-Filtern.

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