Home / Liebe & Psychologie / Mein Leben / Studie zeigt: Frauenbild in Social Media ist alles andere als emanzipiert

© rolldenbilder-3
Liebe & Psychologie

Studie zeigt: Frauenbild in Social Media ist alles andere als emanzipiert

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 18. Oktober 2019

Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, gleiche Bezahlung, neue Rollenverteilung im Haushalt? Schön wär's! Das Rollenbild von Männern und Frauen in den sozialen Medien ist leider herzlich altbacken. Das zumindest zeigt eine aktuelle Studie.

Eigentlich ist die heutige Jugend ziemlich cool. Sie geht auf die Straße, sie ist aktiv und klagt an. Sie hat Toleranz und Offenheit gegenüber anderen längst verinnerlicht, nie waren Themen rund um LGBTQ, Diversity und Bodyshaming so präsent.

Schade nur, dass sich dennoch zeigt, dass noch extrem viel zu tun ist, wenn es um Gleichberechtigung und Chancengleichheit geht. Denn die alten Rollenmuster rund um Mann und Frau halten sich wie Patex – wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Kinderrechtsorganisation 'Plan International' unter 1.000 Frauen und Männern zwischen 14 bis 32 Jahren zeigt.

Wir haben die wichtigsten Fakten einmal für euch zusammengefasst.

Angestaubte Rollenbilder: Unglaublich aber wahr

In den sozialen Netzwerken sind die Rollen klar verteilt. Mädchen und Frauen interessieren sich für Themen wie Mode, Schönheit, Ernährung und Deko, Jungen und Männer eher für Politik, Gesellschaft und Spiele.

57 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass Hausarbeit immer noch Frauensache sei. Frauen und Männer, die seltener soziale Netzwerke nutzen, sehen das nicht ganz so erschreckend: Hier stimmen lediglich 47 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen dieser These zu.


Und: Es gelten recht klassische Vorstellungen, wie Mann bzw. Frau sein sollte. So gelten Frauen als schön, die schlank und hübsch sind – Männer hingegen, wenn sie sportlich und muskulös sind. Und um diesem Schönheitsideal zu entsprechen, sagen 94 Prozent der Frauen und 87 Prozent der Männer, dass sie dafür ihre Bilder mit Filtern und Co. optimieren.


Besonders erschreckend: Ein Drittel der befragten Mädchen und Frauen und mehr als die Hälfte der Jungen und Männer, die täglich Instagram, Facebook und YouTube nutzen, finden es völlig OK, dass Frauen weniger verdienen als Männer. (Unter den nicht so Social-Media-affinen Befragten sagten das nur 17 Prozent den Frauen und 29 Prozent der Männer).

Das Irritierende ist, dass drei Viertel der befragten Frauen und 61 Prozent der Männer angaben, sich sehr wohl Gedanken über Gleichberechtigung zu machen.

-> Noch mehr Infos zur Studie von 'Plan International' findet ihr hier.

Verschenktes Potential

Diese Tatsache ist mehr als bedauernswert, denn gerade die sozialen Netzwerke haben ja eine starke Vorbildfunktion und großen Einfluss – gerade auf junge Leute, die noch nach Orientierung und Rolemodels suchen. So sagte auch die Hälfte aller Befragten, dass die Personen, denen sie auf Instagram & Co. folgen, für sie eine Vorbildfunktion hätten. Bedeutet also: Werden auf Instagram & Co. alte Rollenmuster und Klischees bewahrt und zelebriert, so bremst das jedwede Gleichberechtigung ziemlich hart aus.

Und das ist echt ärgerlich. Denn mit Hilfe von Instagram, YouTube, Pinterest und Co. könnte man sehr viel bewegen. Deshalb sollten wir die Plattformen auch gezielt nutzen, um unsere Gesellschaft zum Guten zu verändern. Denn dass das funktioniert haben Aktionen wie #meetoo, #WirSindMehr und #FridaysforFuture bereits bewiesen.

Frauen schminken sich – Männer machen Politik

Doch trotz Gegenbewegungen, wie #nomakeup, #nofilter bleibt die große Menge dessen, was wir in den sozialen Netzwerken sehen, eine schöne und extrem perfekte Scheinwelt, die auf klassischen Rollenmustern basiert. Das zeigte auch eine Studie der MaLisa-Stiftung 2019, die sich mit Selbstinszenierungen von Männern und Frauen auf YouTube und Instagram beschäftigt hat. Während Frauen Schminktipps geben, so die Studie, wenden sich Männer eher Themen wie Musik, Games, Comedy und Politik zu.

Dennoch können wir etwas ändern und dazu beitragen, aus den Rollen auszubrechen. Und dafür sollten wir die Macht der Bilder nutzen. Zum Beispiel durch die bewusste Darstellung emanzipierter Rollenbilder und den Verzicht auf klischeehafte Abbildungen von Gendernormen.

Und das betrifft vor allem die bekannten Influencerinnen und Influencer mit ihren unfassbar vielen Followern. Sie sind Vorbilder für viele junge Menschen – sie haben also die große Chance, einen gesellschaftlichen Wandel zugunsten der Gleichberechtigung voranzutreiben und damit einen Beitrag zu einer moderneren, fortschrittlicheren und gerechteren Welt zu leisten. Also: Weg mit den Schminktuben und her mit den wirklich wichtigen Dingen!

Video: #IchHabeDasRecht: Wir erheben unsere Stimmen am Weltfrauentag

Außerdem auf gofeminin:

Mach den Test: Wie viel Feministin steckt in dir?
​​​​​​​

Slut Shaming oder warum ein kurzer Rock noch lange keine Einladung ist!

Der Alltag von Frauen: Über Mansplaining, Lolitawerbung und andere sexistische Ärgernisse

von Fiona Rohde