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Sapiosexuell: Wenn Geist geil ist

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 13. Dezember 2019
© unsplash.com / natasha-brazil

Sapiosexuell zu sein ist keine sexuelle Ausrichtung, sondern bezeichnet vielmehr eine Vorliebe. Und zwar die für geistreiche Menschen. Was genau hinter Sapiosexualität steckt, erfahrt ihr hier.

"Sapio" ist abgeleitet von dem lateinischen Verb "sapere", was übersetzt so viel wie "denken, wissen" bedeutet. Wer sapiosexuell ist, findet eben Geist erotisch. Mehr noch: Besondere Intelligenz ist für sie oder ihn das mit Abstand wichtigste anziehende Merkmal bei einem anderen Menschen. Mit schönen Augen oder einem sexy Äußeren allein kann man bei Sapiosexuellen nicht punkten.

Beispielsweise der Schriftsteller Jean Paul Sartre, der nicht wirklich im klassischen Sinn als schön zu bezeichnen war, mit einer Körpergröße von 1,53 m und einem rechten Auge, das mehr und mehr erblindete und nach außen schielte. Aber fing er an zu reden, war es um seine Gesprächspartner geschehen. Um Affären mit Frauen brauchte sich Sarte Zeit seines Lebens keine Sorgen zu machen.

​​​​​​Intelligenz kann also unfassbar anziehend wirken und kann es mit jedem Waschbrettbauch und jedem tiefen Ausschnitt locker aufnehmen. Und das sehen sicherlich auch viele Nicht-Sapiosexuelle so. Zumal äußerliche Schönheit ja auch vergänglich ist. Wer sapiosexuell liebt, ist auf lange Sicht also klar im Vorteil.

Sapiosexualität und die Sache mit dem Sperma

Es sollen tendenziell mehr Frauen sein, die sich als sapiosexuell bezeichnen. Und das macht laut einer Studie zumindest bei heterosexuellen Beziehungen durchaus Sinn.

Denn die Qualität der männlichen Spermien soll mit zunehmendem IQ besser werden, wie der Evolutionspsychologe Geoffrey Miller in einer Studie aufzeigt. Demnach stehen IQ und Spermaqualität miteinander in Verbindung. Sapiosexuelle Frauen würden also – evolutionstechnisch gedacht – alles richtig machen.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Begriff sapio eher durch das Internet, unter anderem durch die Datingplattform 'OkCupid'. Dort gibt es eine gleichlautende Kategorie bei den Beschreibungen im Dating-Profil. Und immerhin 0,5 Prozent der 'OkCupid'-User bezeichnen sich als sapio.

In einer Studie des Dating-Portals 'Secret.de' waren es sogar acht Prozent von 1.000 befragten Deutschen, die sich selbst sapiosexuell nannten. Drei Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen sagte sogar, dass ein hoher Intellekt für sie beim Sex alles sei. Und jede zehnte Frau und knapp jeder zehnte Mann sagte von sich, dass er in einer Beziehung Intelligenz erregend finden würde.

Braucht man den Begriff sapiosexuell wirklich?

Dennoch hat der Begriff sapiosexuell auch ein paar Haken. Zum einen ist es irreführend, dass sapiosexuell so klingt, als sei es eine sexuelle Orientierung wie homosexuell und bisexuell. Und das ist nicht der Fall.

Zudem ist es ja wirklich nicht verwunderlich, dass es nun mal Menschen gibt, die auf Intelligenz bei ihrem Partner achten und es absolut abturnend finden, wenn jemand eher "nicht die hellste Kerze auf der Torte" ist.

Sonst müsste es demnächst auch eine spezielle Bezeichnung für Menschen geben, die dumme Menschen oder Gummibaumbesitzer erotisch finden oder die auf Menschen stehen, die Archäologie studiert haben und solche mit Zahnlücken. Aber vielleicht kommt das ja auch noch.

Wenn man den Begriff sapiosexuell jedoch nicht zu ernst nimmt und ihn da für sich nutzt, wo er Sinn macht, ist alles gut. Und das wäre eben auf dem Spielfeld von Liebe und Partnersuche.

Denn in einem Datingprofil macht es durchaus Sinn, schon im Vorfeld seine Vorlieben und Wünsche zu nennen, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. Den oder die Richtige zu finden, ist ja so schon schwer genug. All jenen sei der nette Begriff sapiosexuell also absolut gegönnt.

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Jochen Schropp © Getty Images
von Fiona Rohde