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Liebe & Psychologie

Mann, Frau - egal: Was jeder von uns über Transgender wissen sollte

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 4. Mai 2017

Die meisten kennen sich viel zu wenig mit dem Thema "Transgender" aus. Was genau steckt dahinter und was ist bloßes Klischee?

Laut Definition werden Menschen als "Transgender" bezeichnet, deren körperliches Geschlecht zeitweise oder dauerhaft nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Was viele nicht wissen: Transidentität, wie es auch heißt, hat nichts mit der sexuellen Orientierung der betreffenden Person zu tun. Es heißt also nicht, dass man automatisch homosexuell ist.

Denn wie genau will man da argumentieren? Nehmen wir jemanden, in dessen Geburtsurkunde männlich steht, der sich jedoch ganz sicher als weiblich sieht. Verliebt sie sich in einen Jungen, ist sie dann aus Geburtspass-Sicht homosexuell oder ist sie als Transfrau hetero? Und allein hieran sieht man schon, dass man mit den klassisch-konservativen Denkweisen nicht weiterkommt. Man muss die Schubladen schließen und freier denken.

Fakt ist: Der Wunsch vieler Transgender, sich dem Geschlecht, dem sie sich zugehörig fühlen, so weit wie möglich anzunähern, ist keine Phase, die vorübergeht. Da hilft auch keine Therapie. Vielmehr ist der Leidensdruck meist sehr groß - je nachdem, wie verständnisvoll und hilfreich die Umgebung reagiert. Und die ist zeitweise einfach deshalb wenig verständig, weil es mit dem Wissen um Transgender hapert. Klären wir deshalb ein paar Begrifflichkeiten, die oft vermischt werden. Dabei werden nämlich viele falsche Denkweisen bereits aufgedeckt.

Transgender - was ist das eigentlich? Diese 10 Begriffe solltet ihr kennen:

1. Transsexualität
Der Begriff bezeichnet Menschen, die sich nicht / nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das man bei ihrer Geburt für sie festgelegt hat. Er wird jedoch von einigen Menschen abgelehnt, weil die Endung "-sexualität" vor allem die körperliche Komponente in den Vordergrund stellt. Das klingt, als hätte Transsexualität etwas mit sexueller Orientierung zu tun - was nicht der Fall ist. Es gibt jedoch auch viele Transsexuelle, die sich bewusst so nennen, weil es in ihren Augen um eine körperliche und nicht um eine soziale Angelegenheit geht.

2. Transgender
Auch dieser Begriff bezeichnet Menschen, die sich nicht / nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das man bei ihrer Geburt für sie festgelegt hat. Hier liegt der Aspekt jedoch auf dem sozialen, nicht auf dem sexuellen, körperlichen. Transgender schließt auch Menschen mit ein, die sich weder als männlich noch als weiblich sehen.

3. Transgeschlechtlichkeit
Dieser Begriff ist die Oberbezeichnung für beides: den körperlichen Aspekt (transsexuell) und den sozialen (transgender).

4. Transidentität
Bei diesem Begriff liegt der Fokus auf der Identifikation mit dem anderen Geschlecht, weniger auf dem Körperlichen. Aber auch er ist umstritten, weil der Körper so ausgeklammert wird und es so klingt, als hätte man es sich ausgesucht, transident zu sein.

5. Trans*
Da alle obigen Begriffe irgendwie problematisch sind, ist Trans* der Versuch einen möglichst neutralen Begriff zu verwenden.

6. Transvestit
Ein alter Begriff, mit dem man Menschen bezeichnet, die sich entgegen ihrem in der Geburtsurkunde stehenden Geschlecht kleiden. Also Männer in Frauenkleidung und umgekehrt. Heutzutage verwendet man eher den Begriff Cross-Dressing, da sich der Transvestit aus sexuellen Motiven andersgeschlechtlich kleidet. Und das ist bei Transgeschlechtlichkeit nicht der Fall. Es geht ja nicht um sexuelle Motive, sondern darum, dass man sich anders fühlt.

7. Androgyn
Wir bezeichnen oft jemanden als androgyn, wenn z.B. ein Mann sehr feminine Züge hat und eine Frau recht knabenhaft wirkt. Das hat jedoch rein gar nichts damit zu tun, ob sich diese Person auch als Transgender fühlt oder nicht, sondern ist ein rein äußerliches Merkmal.

8. Transfrau / Transmann
Eine Transfrau ist jemand, der sich als Frau identifiziert, obwohl bei seiner Geburt als Geschlecht männlich festgelegt wurde. Bei einem Transmann ist es genau umgekehrt.

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9. Cisgender / Cis-Frau / Cis-Mann
Im Gegensatz zu "trans", was lateinisch ist und übersetzt "jenseitig" heißt, bedeutet "cis" "diesseitig". Will heißen: Es geht um Menschen, die sich mit dem bei ihrer Geburt festgelegten Geschlecht identifizieren. Dieser Begriff ist wichtig, damit man nicht den Fehler begeht von "normal" und "nicht normal" zu reden.

10. Geschlechtsangleichung
Oftmals wird von Geschlechtsumwandlung geredet. Dieser Begriff ist aber falsch. Vielmehr ist Geschlechtsangleichung richtiger. Denn hier wird körperlich angeglichen, was innerlich gefühlt eh schon Fakt ist. Will heißen: Die Identität ist bei einer Transfrau auch vorher schon die einer Frau.

Was passiert bei einer Geschlechtsangleichung?

Es gibt zwei Möglichkeiten der Geschlechtsanpassung. Zum einen durch eine Hormonbehandlung bzw. hormonblockierenden Medikamenten, zum anderen durch eine Operation. In beiden Fällen versucht man die körperlichen Merkmale an die persönliche Geschlechtsidentität anzugleichen. Wie weit man geht, entscheidet jeder Betroffene selbst. Durch die Hormone wird das äußere Erscheinungsbild (Brüste, Bartwuchs etc.) und die Stimme verändert.

​Viele gehen noch weiter und lassen sich die äußeren und inneren Geschlechtsorgane anpassen. So ist es mit der OP möglich, aus dem Penis nach innen gestülpt eine Vagina zu schaffen, bzw. aus der Klitoris einen Penis. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mehr oder weniger radikal und aufwendig.

Ein schwangerer Mann: So ist die Gesetzeslage

Viele erinnern sich noch an die die Bilder des US-Amerikaners und Transmanns Thomas Beatie, die 2008 durch die Medien gingen. Ein Mann, der schwanger ist und ein gesundes Kind auf die Welt bringt. Das ist nicht in allen Ländern möglich. Bei uns in Deutschland jedoch seit November 2011 auch. Bis dahin - und diese Tatsache ist wirklich verstörend - mussten sich Transgender sterilisieren lassen, wenn sie eine Geschlechtsanpassung vornehmen und ihr Geschlecht in ihrem Pass ändern lassen wollten. Sprich: Wollte jemand, der laut Geburtsurkunde als Mädchen aufgewachsen war, dies in seinem Pass in männlich umändern, musste er sich vorher sterilisieren lassen.

Und so unfassbar das auch klingt: In vielen Staaten Europas ist das noch immer Gesetz. ​Ganze 15 EU-Länder verhalten sich in Sachen Transgender-Rechte sehr rückschrittlich, um es mal vorsichtig auszudrücken. In Belgien, Finnland, Litauen, Lettland, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Luxemburg, Frankreich, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und Griechenland ist eine Sterilisation Bedingung für eine offizielle Geschlechtsumwandlung. In Ungarn und der Republik Zypern werden Transgender gar nicht offiziell anerkannt.

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Zum Glück wurde in Deutschland 2011 festgelegt, dass die operative Geschlechtsanpassung und Sterilisation gegen das Grundgesetz verstößt​. Seitdem sind keine operativen Maßnahmen mehr nötig. Der oder die Betroffene muss allerdings laut Transsexuellengesetz nachweisen, dass sie "seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben" und "mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird".

Noch besser machen es Dänemark, Malta, Irland und Norwegen. Hier ist keine psychologische Begutachtung notwendig, wenn es um die rechtliche Anerkennung der geschlechtlichen Identität in Form von Personenstands- und Namensänderungen geht.

Können Trans-Männer und Frauen Mutter und Vater werden?

Zum einen können natürlich Menschen, die mit einer Gebärmutter und einer Vagina bei der Geburt als Mädchen bezeichnet wurden, auch nachdem sie ihr Geschlecht in männlich umändern lassen, gebärfähig bleiben. Umgekehrt kann jemand, der bei seiner Geburt als Junge bezeichnet wurde, sich aber als Mädchen fühlt, seinen Penis und die Hoden behalten und somit zeugungsfähig bleiben. Und das auch noch, nachdem er eine Hormontherapie angefangen hat.

​Und genau um diese Fälle ging es 2011 in dem Transsexuellengesetz, das glücklicherweise geändert wurde. Denn warum sollte man jemandem die Möglichkeit absprechen wollen, ein Kind zu bekommen, wenn er dazu körperlich und geistig in der Lage ist, nur weil das Geschlecht, das zu Beginn seines Lebens festgelegt wurde, für ihn ein Irrtum war? Hoffen wir also, dass sich die rechtliche Lage der Trans* auch in den anderen europäischen Ländern in Zukunft bessert. In Belgien gab es erst kürzlich einen entsprechenden Gesetzesentwurf.

Auch Models wie GNTM-Kandidatin Giuliana sorgen dafür, dass das Thema kein Tabu mehr ist. Hier mehr lesen.

Mach dich schlau!

Infos erhaltet ihr unter:

Wer selbst betroffen, Angehöriger oder Bekannter ist, der sollte sich selbst den Gefallen tun, und sich schlau machen. Gerade weil wir gelernt haben, immer nur in zwei Geschlechtern zu denken, sind wir da oft unsensibel und schlichtweg uninformiert. Hier einige informative Seiten:

Diese Stars sind Transgender:

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