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Liebe & Psychologie

Von wegen 2 Wochen Urlaub: DAS braucht die Psyche, um sich zu erholen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 22. August 2019

Ich bin dann mal weg – es gibt wohl kaum etwas, das sich schöner anhört. Einfach eine Auszeit vom Alltag nehmen und die Seele baumeln lassen. Doch was genau braucht unsere Psyche, um sich zu erholen und dem Alltagsstress zu entfliehen? Und wie kann man die Erholung mit in den Alltag nehmen? Hier sind 5 Antworten aus der Urlaubsforschung.

Seliges Nichtstun, Kopffreikriegen, Seelebaumelnlassen – was wir so sehr vermissen und ersehnen, ist in der Praxis leider nicht immer so einfach. Denn wer kann sich schon auf Knopfdruck entspannen? Leider sind die Urlaubstage meist gezählt. Was also tun, damit man im Urlaub so richtig Kraft tanken und die dann mit in den Alltag nehmen kann?

Leider sind wir eher Profis darin, uns im Alltag am Riemen zu reißen und zu funktionieren. Und bei all dem Zusammenreißen haben wir so scheinbar die hohe Kunst des Müßiggangs verlernt.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht: Wir können etwas dafür tun, damit wir endlich mal wieder runterkommen. Wissenschaftler haben sich nämlich bereits ausgiebig mit der Frage beschäftigt, wie der menschliche Geist am besten zur Ruhe kommen kann. Und siehe da: Es muss gar nicht unbedingt der dreiwöchige Urlaub im Süden sein. Hier die wichtigsten Erkenntnisse, was eure Psyche zum Erholen braucht:

1. Leg dein Smartphone weg. Triff Freunde. Umarme sie.

Eigentlich weder neu noch überraschend, aber dennoch immer wieder eine Erwähnung wert: Nicht irgendwelche virtuellen Freunde, Likes oder Erwähnungen in Posts von anderen Menschen machen uns glücklich und stabil im Leben, sondern es sind die realen, wirklichen Freunde, die unsere Psyche braucht. Begegnungen mit ihnen machen uns stabil und geben uns Kraft. Und sie wappnen uns sogar gegen bevorstehenden Stress.

Auch wichtig: Körperlichkeiten, also Umarmungen oder Küsse zur Begrüßung – nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit engen Freunden. Sie tun uns einfach gut. Also nimm deine Freundin einfach mal in den Arm, wenn dir danach ist. Die körperliche Nähe einer nahestehenden Person sorgt dafür, dass der Körper das sogenannte Kuschelhormons Oxytocin ausschüttet. Das senkt den Blutdruck und die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Blut und kann sogar Schmerzen lindern.

2. Treib Sport – und genieß das Gefühl

Wir jammern ja gerne und überlassen dem inneren Schweinehund die Führung, aber letztlich wissen wir alle, wie gut Sport und körperliche Auslastung sind. Gerade weil wir heute so viel rumsitzen und auf Bildschirme und Smartphones starren.

Und Sport ist nicht nur gesund, sondern sorgt für jede Menge gute Laune - und kann sogar Rauschzustände auslösen. Warum das so ist, darüber sind sich die Forscher uneinig. Dachte man lange, die Ausschüttung von Endorphinen sorge für die gute Stimmung, so geht man heute davon aus, dass diese eher eine schmerzlindernde Wirkung besitzen.

Hinter der berauschenden Wirkung von Sport könnten möglicherweise andere Botenstoffe stecken, wie zum Beispiel die sogenannten Endocannabinoide. Sie können (ähnlich wie die Wirksubstanzen der Hanfpflanze) die Cannabinoidrezeptoren im Gehirn aktivieren, was dazu führt, dass man sich beim Sport regelrecht high fühlt. Wenn das nicht motiviert?

3. Entdecke die Kraft der Natur!

Städtetrips und Touristenhotspots haben sicherlich ihren Reiz in der Urlaubszeit. Dennoch gibt es gute Gründe, in den Ferien möglichst viel Zeit in der Natur zu verbringen. So fand der schwedische Psychologe Terry Hartig in einem Experiment heraus, dass ein Spaziergang durch die Natur deutlich erholsamer auf Psyche und Körper wirkt als ein Stadtspaziergang. Sogar der Blutdruck konnte gesenkt werden.

Das haben auch die Japaner für sich erkannt und so betreiben sie regelmäßig "Shinrin-yoku", was so viel wie "Waldbaden" bedeutet. Japanische Forscher haben sogar Hinweise darauf gefunden, dass ein Spaziergang im Wald nicht nur stressmindernd und heilsam wirkt, sondern auch die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt.

4. Lieber viele Kurztrips als einen Jahresurlaub

Manchmal ist mehr eben nicht unbedingt mehr: Studien der Arbeits- und Organisationspsychologin Jessica de Bloom belegen nämlich, dass der Höhepunkt der Erholung bereits nach einer Woche Urlaub erreicht ist. Es macht also aus erholungstechnischer Sicht wenig Sinn, den Jahresurlaub in einer großen Fernreise zu verballern, sondern eher mehrere Kurztrips zu unternehmen.

Zudem ist der Langzeiteffekt bei beiden der gleiche. Die Erholung hält sowohl bei längeren als auch kürzeren Urlauben nur etwa eine Woche an.

Auch lesen: 10 Anzeichen dafür, dass ihr SOFORT den nächsten Urlaub buchen solltet

5. So vermeidst du das Post-Holiday Syndrome

Gestern noch am Strand und heute wieder acht Stunden im tristen Büro vor dem Monitor verbracht: Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub kann deprimieren. Dieses Stimmungstief hat deshalb sogar einen eigenen Namen. "Post-Holiday Syndrome" oder "Post-Vacation Blues", auf deutsch "Urlaubsrückkehr-Blues" oder "Post-Urlaubsdepression".

Aber es gibt ein Mittel dagegen, das die Sympthome zumindest abschwächt. Zunächst natürlich, sich grundsätzlich die Frage zu stellen, ob man im derzeitigen Job glücklich ist oder man die Arbeitsstelle wechseln sollte. Dann - so simpel wie logisch: den nächsten Urlaub planen, weil Vorfreude eben auch für Freude und ein gutes Gefühl sorgt.

Aber auch das hier hilft:

  • Der Schlafrythmus sollte im Urlaub nicht allzu sehr vom üblichen Muster abweichen. So gerät die innere Uhr nicht aus dem Takt, was die Laune trüben und der Leistungsfähigkeit schaden könnte.

  • Man sollte sich Zeit lassen, um wieder im Alltag anzukommen. Will heißen: Nicht direkt am Morgen nach der Rückkehr schon wieder arbeiten, sondern sich noch ein paar Eingewöhnungstage daheim gönnen.

  • Auch ein guter Trick, um sich besser zu fühlen: Die erste Arbeitswoche möglichst kurz halten, also lieber an einem Mittwoch oder Donnerstag starten. Das motiviert eher als die Aussicht auf eine Fulltime-Arbeitswoche.

  • Wer sich noch etwas Gutes tun will, der sollte immer wieder auf Auszeiten im Alltag achten, damit das Stresslevel gar nicht erst wieder so hochgefahren wird. Und so schön Neflix, Chips und Couch auch sind: Statt abends allein zuhause zu versacken, ist Bewegung und ein Abend mit Freunden das Idealprogramm für unsere alltags-geplagte Psyche.

Recherche:
Lydia Klöckner, Medizinredakteurin bei onmeda.de

Mehr Infos zum Thema findest du auch hier auf onmeda.de

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