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Das CTG: Die wichtigsten Fragen und Antworten

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 10. September 2016

Kann ein CTG meinem Kind schaden und sind die Ergebnisse überhaupt verlässlich? Wir hinterfragen Grund und Zweck der in Deutschland gängigen Messung in der Schwangerschaft.

Während der Schwangerschaft erwarten Schwangere eine ganze Reihe von Untersuchungen, um sicher zu gehen, dass es dem ungeborenen Kind sowie der Mutter gut geht. Ultraschall, Fruchtwasseruntersuchung, Diabetes-Test… und schließlich das CTG.

Was steckt hinter der Untersuchung? Ab wann wird sie durchgeführt? Wie verläuft sie? Und warum ist sie so wichtig? Hier findet ihr alle Informationen rund um die CTG-Untersuchung.

Was ist ein CTG?

Das CTG (Cardiotokograph/Kardiotokograph) ist ein medizinisches Gerät zur Beobachtung des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs. Mithilfe des CTGs werden zwei Messungen durchgeführt:

  • Der Kardiograph erfasst die kindlichen Herztöne.
  • Der Tokograph zeichnet mögliche Wehen auf.

Bei der CTG-Untersuchung (man spricht auch von Kardiotokographie.) werden die Wehentätigkeit und die Herztöne des Kindes überwacht. Gut zu wissen: Bei der Geburt sind die Herztöne des Babys sind nicht regelmäßig (sie steigen während der Wehen an).

Die CTG-Untersuchung wird meist vor sowie während der Geburt durchgeführt. Während einer Wehe gelangt weniger Blut vom Mutterkuchen zum Kind. In aller Regel verträgt das Kind diese kurzzeitige Minderversorgung gut; ab einem gewissen Grad kann es aber kritisch werden.

Auf einen Sauerstoffmangel reagiert das Kind mit einer schnell sinkenden Herzfrequenz. Dies lässt sich am CTG erkennen: Arzt und Hebamme können gegebenenfalls weiterführenden Messungen vornehmen oder das Kind in kritischen Fällen mit einem sogenannten Notkaiserschnitt zur Welt bringen.

Durch die Überwachung mit dem CTG soll also das Kind vor neurologischen Schäden bewahrt werden. Wird das Baby übertragen, kann das CTG eine drohende mangelnde Sauerstoffversorgung anzeigen, sodass rechtzeitig reagiert werden kann.

Gut zu wissen: Wehen erkennen und unterscheiden

Wie funktioniert ein CTG?

Beim CTG wird der sitzenden oder liegenden Schwangeren ein Bauchgurt umgelegt. Darunter werden ein Spezialmikrophon und ein Druckmesser angebracht und über Kabel mit einem Monitor verbunden.

Das Spezialmikrophon sendet von außen durch die Bauchdecke der Mutter Ultraschallsignale, die vom fetalen Herzen reflektiert und von der Ultraschallsonde wieder empfangen werden. Das Mikrophon zeichnet den zeitlichen Abstand zwischen zwei Herztönen auf und ermittelt daraus die Anzahl der Herzschläge pro Minute (Herzfrequenz).

Der Druckmesser reagiert auf unterschiedliche Spannungen der Bauchdecke und gibt diese an den Monitor beziehungsweise direkt an einen Drucker weiter. Der Ausdruck stellt die kindlichen Herztöne im zeitlichen Zusammenhang zur Tätigkeit der Gebärmutter dar.

Das CTG dauert in der Regel etwa 20-30 Minuten und wird anschließend von Arzt oder Hebamme ausgewertet.

Wie oft wird ein CTG gemacht?

Ab wann und wie häufig ein CTG gemacht wird, hängt vom Verlauf der Schwangerschaft ab. Im Regelfall wird um die 30. Schwangerschaftswoche mit dem CTG begonnen. Danach wird alle 14 Tage ein weiteres CTG durchgeführt.

Faktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes können dazu führen, dass der Arzt zu häufigeren CTGs rät, bei vorzeitigen Wehen sogar mehrmals täglich.

Kann ein CTG meinem Kind schaden?

Ob das Kind im Bauch das CTG bemerkt, ist umstritten. Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse geben keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf das Ungeborene. Dennoch sind manche Mütter überzeugt davon, dass sich das Kind während des CTGs anders verhält, unruhig wird oder sich wegdrehen will.
Wer unsicher ist, sollte seine Bedenken mit dem Frauenarzt oder der Hebamme besprechen.

Wie verlässlich ist das CTG?

Die gewonnenen Daten müssen gemeinsam mit anderen Befunden kombiniert werden; nur eine Zusammenschau aller Untersuchungen gibt Aufschluss über den Zustand des Kindes. In der Hand eines erfahrenen Arztes stellt das CTG - richtig eingesetzt - eine wertvolle Methode dar. Das CTG eignet sich vor allem dazu, den Normalzustand des Kindes zu bestätigen.

Ein Nachteil des CTG:

Bei abweichenden oder „schlechten“ Werten besteht die Gefahr, dass weniger geübte Geburtshelfer die Ergebnisse falsch oder vorschnell werten. In einigen Fällen zieht dies nach sich, dass eine Entbindung durch Kaiserschnitt gewählt wird, anstatt den natürlichen Verlauf der Geburt abzuwarten. Im Nachhinein erweist sich diese Vorgehensweise nicht selten als unnötig.

Gut zu wissen: Wehen, Fruchtblase... Geburt: Wann sollte man ins Krankenhaus fahren?

Werden in anderen Ländern CTGs gemacht?

In Deutschland neigen wir dazu, den Geburtsverlauf sehr genau kontrollieren zu wollen. In vielen anderen Ländern werden bei weitem nicht so viele Vorsorgeuntersuchungen gemacht, mancherorts auf Arztbesuche während der Schwangerschaft sogar ganz verzichtet.

In Schweden, Norwegen und Italien wird bei normal verlaufenden Schwangerschaften auf solche Untersuchungen verzichtet, denn die Schwangerschaft wird als natürlicher Zustand betrachtet - oft gibt es nur einen Ultraschall zur Terminbestimmung.

Frauen, die das Gefühl haben, dass sie die regelmäßige Überwachung per CTG stört oder belastet, sollten dies offen mit ihrem Arzt oder ihrer Hebamme diskutieren.

Fest steht: Gibt es im Verlauf der Schwangerschaft Grund zur Besorgnis, kann das CTG sehr hilfreich sein, um über weitere Maßnahmen zu entscheiden.

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Quellen:

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