Home / Mama / Schwangerschaft & Geburt / Schwangerschaft: Das solltest du über Toxoplasmose wissen!

Mama

Schwangerschaft: Das solltest du über Toxoplasmose wissen!

von Anne Walkowiak Erstellt am 24. Juni 2020
© Getty Images

Es gibt zwei Wege, wie sich Menschen mit Toxoplasmose anstecken können: rohes Fleisch und Katzenkot. Was das genau für Schwangere bedeutet, das verraten wir.

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch einen Parasiten, den Toxoplasma gondii, verursacht wird. Eigentlich handelt es sich bei Toxoplasmose um eine Tierkrankheit. Diese kann aber auch auf den Menschen übertragen werden. Tiere, Konsumenten von rohem Fleisch und insbesondere Katzen sind sehr oft Träger dieses Parasiten, der sich in den Exkrementen befindet.

Die Toxoplasmose stellt für einen gesunden Menschen kein Problem dar, denn sie ist eine gutartige Erkrankung. Sie kann völlig unbemerkt verlaufen. Für Schwangere und insbesondere für das ungeborene Kind, stellt die Erstinfektion mit Toxoplasmose aber eine große Gefahr dar. Sie kann eine Früh- oder Todgeburt auslösen. Außerdem kann Toxoplasmose das zentrale Nervensystem des Ungeborenen schwer beschädigen und auch Jahre später zu Augenerkrankungen führen.

Viele Frauen haben vor ihrer Schwangerschaft bereits Toxoplasmose bekommen. Dies kann durch einen einfachen Bluttest überprüft werden. Eine Impfung gegen Toxoplasmose existiert nicht.

Lesetipp: Vorsorge­untersuchung in der Schwangerschaft: die wichtigsten Termine

Wie kann man sich mit Toxoplasmose anstecken?

Eine Mensch zu Mensch Ansteckung mit Toxoplasmose ist nach Auskunft des Robert Koch Instituts nicht anzunehmen. Vielmehr gibt es zwei andere Wege, auf denen man sich mit Toxoplasmose anstecken kann:

  • durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend durchgebratenem Fleisch oder Fleischprodukten
  • durch die orale Aufnahme von Oozysten (eierartige Vorstadien der Parasiten, die durch bspw. die Katze ausgeschieden werden und nach drei bis vier Tagen an der Luft infektiös sind)

Schwangere Frauen sollten deshalb darauf achten, kein rohes Fleisch oder rohe Wurstware zu essen. Außerdem sollte Gemüse und Obst, das in Bodennähe wächst (Kontakt zu z.B. Katzenkot haben kann), vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.

Symptome der Toxoplasmose

Bei einem gesunden Menschen, egal ob Kind oder Erwachsener, treten meist keine Symptome auf. Es kann zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber und Gliederschmerzen kommen und die Lymphknoten im Bereich des Halses können anschwellen.

Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise durch eine HIV- oder AIDS-Infektion oder auch nach einer Organtransplantation, kann eine Toxoplasmose einen schweren Verlauf nehmen. In den meisten Fällen führt sie zu einer Gehirnentzündung.

Auch interessant: Aufgepasst: Vor diesen Erkrankungen müssen sich Schwangere schützen!

Videotipp: Ernährung in der Schwangerschaft: Was erlaubt ist und wovon du lieber die Finger lassen solltest!

Video von Aischa Butt

Toxoplasmose: der Bluttest

Die größte Gefahr für Schwangere ist, dass sie sich während der Schwangerschaft zum ersten Mal und ohne es zu bemerken mit Toxoplasmose infizieren. In der Regel wird genau deshalb am Anfang der Schwangerschaft ein Bluttest gemacht, der untersucht, ob sich bereits Antikörper gegen den Parasiten gebildet haben.

In der Regel schützt eine bereits überstandene Toxoplasmose das Baby vor der Ansteckung, denn der Körper der Mutter hat Abwehrstoffe gegen den Erreger gebildet.

Lassen sich im Blut der Schwangeren keine Antikörper nachweisen, wird sie genauer überwacht.

Welche Auswirkungen hat eine Toxoplasmose auf den Fötus?

Es ist bekannt, dass der Toxoplasmoseparasit Störungen in der Entwicklung des Fötus verursacht, insbesondere im ersten Trimester, wenn sich das Nervensystem entwickelt. Es wird geschätzt, dass sich 17% der Säuglinge im ersten Trimester, 25% im zweiten Trimester und 60% im letzten Trimester mit der Toxoplasmose anstecken. Eine Ansteckung des Babys mit Toxoplasmose im dritten Trimester ist weniger schwerwiegend.

Es gibt keinen Impfstoff gegen Toxoplasmose, nur die Prävention ist wirksam. Die Gefahr fetaler Missbildungen nach einer Ansteckung der Mutter mit Toxoplasmose ist groß. Glücklicherweise ist die Ansteckungsrate heute dank eines systematischen Screenings der Krankheit während der Schwangerschaft selten geworden.

Lies auch: Die besten Tipps und hilfreiche Infos zur Nackenfaltenmessung

Vorsichtsmaßnahmen während der Schwangerschaft: 4 Regeln zur Vermeidung von Toxoplasmose

1. Vorsicht beim Fleisch!

  • Wasche dir vor und nach dem Berühren von rohem Fleisch immer gründlich die Hände.
  • Iss nur gut gegartes Fleisch, es sollte nicht mehr bluten. Carpaccio ist strengstens verboten!
  • Das am stärksten kontaminierte Fleisch ist Schaf-, Rind- und Lammfleisch, aber Vorsicht auch bei Schweinefleisch, Pferd, Kaninchen und Geflügel.
  • Vermeide rohe Wurstwaren wie Salami, Cervelatwurst, Carbanossi oder rohen Schinken
  • Achte beim Kochen von Saucengerichten darauf, dass die Kochtemperatur ausreichend hoch ist.
  • Vorsicht beim Grillen: Um perfekt gegartes Fleisch zu haben, sollte es bei mindestens 65° Celsius über seine gesamte Dicke gegart werden.
  • Widerstehe der Versuchung, noch nicht fertig zubereitete Fleisch-Speisen zu probieren.

Die gute Nachricht: Der Parasit ist nicht frostresistent, so dass du zuvor gefrorenes Fleisch gefahrlos essen kannst. Dies könnte die beste Lösung für das Grillen sein: Das Fleisch vorher einfrieren!

2. Vorsicht bei Rohkost!
Zuhause:
Obst und Gemüse gründlich reinigen, schrubben und schälen.
Vergiss nicht, die Arbeitsfläche, auf der das Essen zubereitet wurde, gründlich zu reinigen.

Unterwegs:
In Restaurants, in der Kantine ... vermeide im Zweifelsfall den Verzehr von rohem Gemüse, Salaten und Kräutern und entscheide dich immer für gekochtes Gemüse.

Gut zu wissen: Es macht keinen Sinn, Essig beim Waschen des Gemüses zu verwenden. Der hat keine Auswirkungen auf den Parasiten.

3. Vorsicht bei der Gartenarbeit!
Katzen verteilen ihre Hinterlassenschaften gerne im Gras und auf Beeten. Nach der Gartenarbeit solltest du deine Hände immer gründlich waschen und es zudem vermeiden, dir währenddessen oder vor dem Händewaschen ins Gesicht zu fassen.

Tipp: Am besten verwendest du bei jeglicher Gartenarbeit Handschuhe!

4. Vorsicht im Umgang mit deiner Katze
Im Katzenstreu kann es nur so vor Toxoplasmose Erregern wimmeln. Um eine Ansteckung darüber zu vermeiden gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du schützt dich oder du delegierst die Reinigung der Katzentoilette.

Schütze dich selbst!
Verwende immer Handschuhe, wenn du das Katzenklo deines Stubentigers reinigst. Außerdem solltest du es immer vermeiden, direkten Kontakt zum Kot deiner Katze zu haben.

Delegiere!
Es ist vielleicht an der Zeit, dass der werdende Vater sich die Hände schmutzig macht und sich während der Schwangerschaft um euren Kater kümmert... hoffentlich wird es zu einer guten Gewohnheit, die er auch nach der Geburt des Babys beibehält.

Hab die Katze trotzdem gern!
Studien haben bewiesen, dass das Zusammenleben mit einer Katze das Risiko einer Toxoplasmose während der Schwangerschaft nicht signifikant erhöht. Ihr dürft euren Stubentiger also behalten und Kuscheleinheiten mit ihm sind auch in der Schwangerschaft weiterhin erlaubt

Auch lesen: Aufgepasst: Diese 10 Fehler macht fast jeder Katzenbesitzer

Toxoplamose und Katzen: die am häufigsten gestellten Fragen

Kann ich mich mit Toxoplasmose anstecken, wenn meine Katze mich kratzt?
Die Ansteckung mit Toxoplasmose von einem Kratzer ist technisch möglich, aber extrem selten. Die Katze müsste ihre Krallen beschmutzt haben und den Parasiten in sich tragen, und dann müsstest du deine Wunde in den Mund nehmen: höchst unwahrscheinlich!

Wie kann ich auf Nummer sicher gehen, mich nicht bei meiner Katze anzustecken?
Gib deiner Katze keine rohe Milch oder rohes Fleisch.
Wenn sie nach draußen darf, sollte sie so weit wie möglich daran gehindert werden, zu jagen und so selbst eine Quelle für rohes Fleisch zu finden. Wenn nötig, statte sie mit einer Halskette mit Glocke aus, um potenzielle Beute zu warnen.

Können sich alle Katzen mit Toxoplasmose anstecken?
Nein, denn eine Katze, die nie nach draußen darf und zu Hause nur das feinste Katzenfutter bekommt, wird kein Überträger für Toxoplasmose sein.
Eine Katze, die regelmäßig raus geht, draußen jagt und überall herumspazieren kann, ist viel wahrscheinlicher ein Überträger für Toxoplasmose.

Ich möchte ein Kind haben, und ich habe Katzen zu Hause, ist das gefährlich für die Schwangerschaft?
Jein! Wenn du schon lange mit zwei Katzen zusammenlebst, besteht die Möglichkeit, dass du bereits gegen Toxoplasmose immun bist. Um das herauszufinden, wird in einem frühen Stadium der Schwangerschaft ein serologischer Toxoplasmose-Antikörpertest durchgeführt werden. Im Falle einer Immunität besteht keine Notwendigkeit, sich während dieser und zukünftiger Schwangerschaften von deinen Katzen zu trennen.

Stellt der Arzt fest, dass du keine Immunität gegen Toxoplasmose aufgebaut hast, sprich mit ihm über deine Katzen. Du musst sie nicht weggeben. Hältst du dich an alle Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit deinen Katzen, dann musst du dir keine Sorgen machen.

Ansteckung mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Es ist möglich, dass du dich trotz aller Vorkehrungen, die du getroffen hast, immer noch mit dem Parasiten anstecken kannst. Wenn dies der Fall ist, wird dein Arzt eine Amniozentese (Punktion der Fruchtblase) verschreiben, um sicherzustellen, dass der Fötus nicht betroffen ist.

Du wirst regelmäßig mit Antibiotika behandelt. Dein Baby wird bis zur Entbindung durch zahlreiche Ultraschalluntersuchungen begleitet. Auch nach der Geburt wird dein Baby mehrere Jahre lang überwacht, um sicherzustellen, dass es frei von Augen- und Hirnschäden ist.

Quellen:
Dieser Artikel erschien erstmalig im Juni 2019 bei unseren Kollegen von aufeminin.

Les risques de la toxoplasmose enceinte (Gyn&Co)
Toxoplasmose et grossesse (CNGOF - Conseil National de Gynécologues et Obstétriciens Français)
Surveillance sérologique et prévention de la toxoplasmose et de la rubéole au cours de la grossesse (HAS - Haute Autorité de Santé)

Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.