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Collagen-Kunst: Anleitung für coole DIY-Bilder

von Nicole Molitor Erstellt am 24. Oktober 2020
Collagen-Kunst: Anleitung für coole DIY-Bilder© Getty Images

Neues Hobby gesucht? Mit Collagen-Kunst lassen sich kreative Bilder entwerfen. Hier kommen die besten Ideen und Experten-Tipps.

Bei Collagen-Kunst denken die meisten an Fotocollagen, bei denen einzelne Bilder neu angeordnet werden. Hier soll es aber nicht um klassische Fotowände gehen, sondern um gebastelte Fotomontagen. Dabei werden Teile aus mehreren Bildern ausgeschnitten und zu einem komplett neuen Bild arrangiert. Heraus kommt ein fantasievolles Kunstwerk, das sich auf Papier, Pappe oder Leinwand fixieren lässt.

Klar gibt es auch technische Programme wie Photoshop, mit denen man eine digitale Compilation von Bildausschnitten erstellen kann – quasi auf Knopfdruck. Weil aber zusätzlich zur Software Spezialwissen erforderlich ist und wir mehr Lust auf etwas "Handfestes" haben, widmen wir uns hier der analogen Collagen-Kunst. Es wird also geschnitten und geklebt, was das Zeug hält.

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Video von Esther Pistorius

Wem das Collage basteln schon früher im Kunstunterricht gefallen hat, der sollte jetzt aufpassen. Denn wir verraten euch, wie ihr eine wirklich kunstvolle Bildkomposition erschafft. Neben Beispielen von fertigen Schmuckstücken zur Inspiration versorgen wir euch mit Anleitungen und Profi-Tipps aus erster Hand.

Dazu haben wir uns mit der bildenden Künstlerin Carina Klein getroffen, deren geniale Bildercollagen auf Instagram zu bestaunen sind, und die für uns aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

Das richtige Material für Collagen-Kunst

Das Wichtigste beim Collagen basteln sind genügend Bilder. Passendes Bildmaterial findet ihr in Zeitschriften – vor allem in Reise- und Fashion-Magazinen. In hochwertigen Illustrierten gibt es seitenfüllende Natur- und Landschaftsfotografien, die ihr super für eure Collagen-Kunst verwenden könnt. Auch spezielle Kunstzeitschriften belassen die Abbildungen größtenteils ohne Werbeanzeigen oder Text. Blättert euch einfach mal beim Zeitschriftenhändler eures Vertrauens durch.

Tipp: Auf Flohmärkten oder in Kleinanzeigen werden oft ganze Zeitschriften-Konvolute angeboten. So erhaltet ihr für kleines Geld einen großen Fundus an Bildmaterial. Alte Bücher, Post- und Landkarten oder Notenblätter eignen sich perfekt für hübsche Vintage-Collagen.

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Im Zweifelsfall könnt ihr Bilder aus dem Internet ausdrucken. Beachtet dabei allerdings, dass Druckerpapier recht dick ist und die Farben beim Druck abweichen können.

Um eurer Collage einen persönlichen Touch zu geben, könnt ihr mit eigenen Fotos arbeiten. Statt die Bilder entwickeln zu lassen, druckt ihr sie besser auf Papier. Denn echte Fotos glänzen stark. Die Lichtreflexe können später stören, wenn ihr die Collagen-Kunst aufhängen oder zur weiteren digitalen Bearbeitung einscannen wollt.

Neben dem Bildmaterial braucht ihr folgendes Werkzeug:


Tipp: Damit die Collage weniger eindimensional ist, könnt ihr neben Fotomaterial kleine Naturgegenstände integrieren. Federn, Blätter oder gepresste Blumen machen das Kunstobjekt plastischer.

Anleitung zum Collagen basteln: Drei Schritte

Auf dem Weg zur fertigen Collage müsst ihr eigentlich nur drei Arbeitsschritten folgen. Welche das sind und worauf ihr jeweils achten solltet, erfahrt ihr hier.

Step 1: Material sichten und Bilder auswählen

Zunächst plant ihr die Bildercollage im Kopf. Sichtet dafür Kataloge oder alte Bücher und überlegt, welche Motive farblich und inhaltlich gut zusammenpassen würden. Profis geben ihrem Projekt ein bestimmtes Thema. Künstlerisch wertvoll ist beispielsweise das Vanitas-Vergänglichkeitssujet.

Wenn, wie beim Beispiel der Frauenstatue oben, Personen eine tragende Rolle spielen, gibt Künstlerin Carina zu bedenken, je nach Körperhaltung einen Untergrund für die Füße einzuplanen. Ermöglicht es die Armposition, lassen sich der Figur zudem Gegenstände in die Hände legen. Notfalls müsst ihr für den Griff einzelne Finger abtrennen.

Tipp: Anders als in der klassischen Malerei könnt ihr euren Bildmittelpunkt natürlich auch einfach im luftleeren Raum schweben lassen. Landschaften könnt ihr genauso gut auf den Kopf stellen, sodass der Boden als Himmel auf eure Figur hinabschaut. Verkehrte Welt – bei der Collagen-Technik ist alles erlaubt. Wichtig ist, dass ihr für euch selbst festlegt, ob ihr es eher realistisch oder fantastisch haben wollt.

Als Hintergrund muss es kein vollständiges Landschaftsmotiv sein. Es genügen einzelne Elemente, die ihr im Anschluss auf einem weißen oder farbigen Papier anbringt. Unterschiedliche Texturen sind ausdrücklich erwünscht.

Step 2: Material ausschneiden und Probe legen

Im nächsten Schritt geht es ans Ausschneiden der ausgewählten Bildelemente. Großflächige Teile, wie hier die Statue oder der Schmetterling, lassen sich bequem mit einer sauberen Bastelschere herausschnippeln.

Für Engstellen oder Zwischenräume, wie bei den Blattspitzen, benutzt ihr am besten einen Cutter oder ein Skalpell mit feiner scharfer Schneide. Legt die Seite oder das grob vorgeschnittene Motiv auf eine schnittfeste Unterlage (es reicht ein Stück Karton) und zeichnet die Konturen mit der Klinge nach. Geduld – je sauberer ihr arbeitet, umso schöner wird eure Collagen-Kunst!

Die ausgeschnittenen Teile könnt ihr entweder in einem Umschlag für spätere Projekte sammeln und aufbewahren oder gleich daraus eine Collage basteln.

Bevor ihr die Formen fixiert, solltet ihr die losen Einzelteile Probe legen. Zufrieden mit der Anordnung? Dann fixiert die Motive mit Kreppklebeband – das hat gegenüber Tesafilm den Vorteil, dass es sich leicht und spurlos lösen lässt, sollten noch Änderungen nötig sein.

Tipp: Winzige Motive bekommt ihr mit einer Pinzette gepackt. Ihr könnt sie vorsorglich mit Stecknadeln an Ort und Stelle sichern, damit nicht versehentlich alles beim Ausatmen verrutscht.

Step 3: Umrisse skizzieren und Motive ankleben

Im letzten Schritt beim Collage basteln wird die Compilation endgültig zusammengefügt. Habt ihr viele sich überlappende Schichten, solltet ihr mit den oberen Ebenen beginnen. Hebt die lose aufliegenden ersten beiden Elemente ab und bestreicht die Unterseite des Oberen dünn mit Klebestift – nur dort, wo es das untere Element berührt. So vermeidet ihr unschöne Klebestellen.

Wichtig: Benutzt keinen Flüssigkleber, denn der durchnässt das Papier und lässt es wellen. Bei größeren Kontaktstellen könnt ihr auch Klebeecken benutzen, mit denen man Fotos ins Album klebt. Achtet bei Klebestiften darauf, keine Stückchen einzuarbeiten. Die sind später als Hubbel unter dem Blatt sichtbar.

Flächige Bestandteile, wie in den Beispielen die gestreifte Bordüre oder das Meer unter der Statue, könnt ihr sofort auf euren Hintergrund übertragen. Darauf folgen nun nach den Regeln der Verdeckung die nächsten Bildschichten. Habt ihr euch dagegen entschieden, vorher einzelne Bilddetails miteinander zu verknüpfen, könnt ihr die Klebeposition mit einem Bleistiftkreuz markieren.

Lasst der fertigen Collagen etwas Zeit, sich zu setzen. Selbst Klebestifte brauchen einen Moment, um zu trocknen. Anschließend könnt ihr euer geschaffenes Unikat einrahmen und aufhängen.

Lesestoff: Bilderrahmen selber machen: Originelle DIY-Ideen für Fotos

Sieben kreative Ideen für Collagen-Kunst

Wie immer im Leben gilt auch bei der Collagen-Kunst: Übung macht den Meister. Lasst euch nicht von ein paar ungeschickten ersten Versuchen verunsichern. Bleibt am Ball und heftet fleißig Zeitschriftenseiten für später ab – wer sammelt, hat eine größere Auswahl zur Verfügung.

Weil es als Inspiration manchmal schon genügt, zu sehen, was alles möglich ist, präsentieren wir euch hier einige unserer ausgewählten Lieblingscollagen. An konkreten Bildern lässt sich schließlich am besten verdeutlichen, worauf es bei einer guten Bildercollage ankommt.

1. Collagen-Idee: Traum versus Realität

Einer der berühmtesten Collagen-Künstler ist Frank Moth. Von seinen fantasievollen Fotomontagen gibt es längst Poster und Kunstdrucke bei Händlern wie Juniqe (hier Designs von Frank Moth shoppen)*. Was seine Collagen so besonders macht, ist die Verbindung von Traum und Realität. Auch wenn er die Bilder digital herstellt, kann man das Prinzip auch analog nachahmen.

Den traumhaften Effekt erreicht ihr durch die Verbindung eines Galaxie-Hintergrunds mit Motiven von realen Landschaften oder Personen im Vordergrund. Futuristische Galaxy-Bilder sind zurzeit schwer angesagt – gerne im Pop-Mix mit nostalgischen Szenarien im Look der 50er oder 20er Jahre.

> Fantastisches Galaxy-Papier für Collagen gibt's hier bei Amazon.*

2. Collagen-Idee: Optische Täuschungen

Fotomontagen sind eng mit optischen Illusionen verwandt. Durch den Wechsel von einem Kontext in den anderen, kann sich die Bedeutung des Inhalts drastisch verändern. Am meisten Spaß macht das, wenn das aus dem Zusammenhang gerissene Motiv mit der neuen Kulisse interagiert.

Damit der Trick gelingt, solltet ihr die Größenverhältnisse von Vordergrund und Hintergrund respektieren: Was vorne im Bild zu sehen ist, ist perspektivisch größer als das, was sich dahinter abspielt.

Schön zu sehen ist bei dem Beispiel auch, wie gut sich bei einer Collage farbige Bilder mit monochromen Motiven in Schwarz-Weiß kombinieren lassen. Den Effekt könnt ihr euch zu Nutze machen, um bestimmte Bildelemente visuell hervorzuheben.

3. Collagen-Idee: Klassiker neu interpretieren

Klassische Gemälde sind euch zu langweilig? Dann verpasst den alten Malereien mit der Collagen-Technik einen zeitgemäßen Kniff. Macht eine Farbkopie von der Mona Lisa oder dem Schrei und klebt ein perspektivisch passendes Bildelement dazu. Dadurch ändert ihr den Kontext und macht das Kunstwerk von früher zum Hit von heute.

Wer nichts ins Bild kleben möchte, kann auch eine Farbspur als rebellischen Akzent ins Original hauen. Klappt auch bei gekauften Postern von Kunstklassikern oder "echten" Gemälden von Stillleben, die ihr günstig auf Flohmärkten findet.

Tipp: Gerade durch den Mix von unterschiedlichen Kunstformen wie Ölmalerei und Comics oder Fotografien entstehen spannende Collagen.

4. Collagen-Idee: Text-Bild-Kombinationen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, ja. Aber das eine schließt das andere nicht aus. Die einfachste Art, ein Ursprungsbild umzudeuten, ist, ein paar Worte, Sätze oder Zitate darauf zu schreiben. Wer keine schöne Handschrift hat, kann einzelne Worte oder Buchstaben aus einer Zeitung ausschneiden und sein Kunstwerk damit veredeln. Wie ein Erpresserbrief, nur mit mehr Poesie.

Zusätzlich könnt ihr die Texteinblendungen anmalen. Gleiches gilt für andere aufgeklebte Bildelemente. Ein einfacher Verfremdungseffekt ist es, bestimmte Bereiche des Schwarz-Weiß-Bildes mit Pinselstrichen in Acryl oder mit Neon-Markern zu unterstreichen. Grafische Kritzeleien oder Skizzen machen die Collage ebenfalls persönlicher – Details, die sich außerdem gut als Rahmen eignen.

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5. Collagen-Idee: Layering und Décollage

Eurer Zerstörungswut könnt ihr bei der sogennannten Décollage-Technik frönen. Ihr kennt das von Litfaßsäulen. Plakat wird über Plakat geschichtet und anschließend teilweise abgerissen, sodass Teile darunter wieder sichtbar werden. Vielleicht nicht gerade für Anfänger geeignet, aber auch dieser Trick klappt irgendwann durch Learning by Doing.

Wer nicht mit Leim und Kleister arbeiten möchte, kann einfach Elemente der Décollage in seine Collagen-Kunst einbeziehen. Etwa, indem man die einzelnen Teile nicht fein säuberlich mit der Schere ausschneidet, sondern das Papier mit Gewalt zerreißt.

Bei Katalogseiten entstehen dadurch weiße Kanten an den Papierfetzen, wodurch das Kunstwerk einen wilderen, urbanen Look bekommt. Décollage-Stücke passen beispielsweise perfekt zu einer Einrichtung im Industrial-Stil.

6. Collagen-Idee: Portrait mit Füllung

Eines der beliebtesten Collagen-Felder sind überarbeitete Modefotografien. Schneidet Teile des Gesichts oder des Körpers aus und übertragt sie auf Musterprints. Die klebt ihr anstelle der ursprünglichen Körperteile oder Outfits ein. Damit die Collagen-Kunst zu eurer Einrichtung passt, könnt ihr Reste von eurer Tapete einbauen.

Statt unbekannter Models lassen sich auf dieselbe Weise Fotos von euch oder euren Freunden bearbeiten. Solche Collagen im Patchwork-Stil mit verfremdeten Gesichtern sind eine schöne Geschenkidee oder peppen eure Socia-Media-Seite als kreatives Profilbild auf.

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7. Collagen-Idee: Geometrische Muster als Rahmen

Fortgeschrittene Collage-Künstler können sich daran versuchen, ihre Bildercollage in eine neue Form zu bringen. Eine geometrische, um genau zu sein. Kreise, Rauten und Dreiecke sind aktuell nicht aus dem Interior- und Modebereich wegzudenken. Warum also nicht einfach Teile der Collage in abstrakte Musterrahmen einbetten und so vom Rest abgrenzen?

Die fließenden Übergänge zwischen dem Inneren und Äußeren des Kreises sind wie hier im Bild ziemlich sicher mit dem Computer geschaffen worden. Aber trotzdem kann man sich dieses Prinzip auch beim händischen Basteln zu Nutze machen. Man soll sich ja immer hohe Ziele stecken, nicht wahr?

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