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Räucherkerzen selber machen: Duftes DIY für Hobby-Hexen

von Nicole Molitor Erstellt am 22. November 2020
Räucherkerzen selber machen: Duftes DIY für Hobby-Hexen© Getty Images/iStock

Winterzeit ist Räucherzeit und wir verraten, wie ihr ganz einfach Räucherkerzen selber machen könnt – mit Tipps und Rezepten.

In der kalten Jahreszeit erlebt das kulturelle Räuchern seinen Höhepunkt. Nicht nur zu Halloween, sondern vor allem in den Rauhnächten um Weihnachten (21. Dezember bis 6. Januar). Silvester und Neujahr sind ebenfalls beliebte Zeitpunkte, um durch den Rauch "böse Geister" zu vertreiben. Sei es als Opfer für Ahnen und Götter oder einfach, um sich selbst zu beweihräuchern.

Man muss kein esoterischer Yogi sein, um eine Räucherkerze anzuzünden. Zwar nutzen viele die Räucherstoffe für eine spirituelle Meditation oder (je nach Mischung) zur Aromatherapie. Denn der Glaube, dass manche Stoffe wie Eukalyptus, Minze oder Kiefer eine desinfizierende Wirkung haben, ist über die Grenzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hinaus vertreten.

Doch auch ohne Ritual kann Räuchern gemütlich sein und Spaß machen. Der leckere Duft darf purer Selbstzweck sein. Besonders bequem kann man den Duftzauber mit Räucherkerzen oder Räucherkugeln genießen. Was es damit auf sich hat und welches Zubehör ihr braucht, um eine Räucherkerze selber zu machen, erfahrt ihr hier.

Im Video: So sehen die Silvester-Bräuche in anderen Ländern aus

Video von Sarah Glaubach

Tipp: Räuchern könnt ihr prinzipiell überall in eurer Wohnung. Einzige Ausnahme ist das Schlafzimmer, da Räucherkerzen und andere Räuchermittel auf Kohlebasis zur Feinstaubbelastung beitragen. Trockene Luft und starke Gerüche sind zudem nicht gerade schlaffördernd. In diesem Raum daher lieber auf einen milderen Raumduft zurückgreifen.

Lest dazu: Raumduft selber machen: 3 einfache DIY-Ideen

Wichtiger Hinweis: Durch die starke Rauchentwicklung kann der Feuermelder aktiviert werden. Wenn eure Zeremonie nicht vom schrillem Alarm-Piepsen gestört werden soll, empfiehlt es sich, den Rauchmelder so lange auszuschalten. Außerdem solltet ihr die glühende Kohle nicht unbeaufsichtigt lassen – das gilt insbesondere für das offene Räuchern.

Unterschied von Räucherkerzen und Räucherstäbchen

Anders als beim Räuchern mit einem Stövchen oder Weihrauchfass braucht man zum Räuchern mit Räucherstäbchen und Räucherkerzen keinen externen Brennstoff wie Teelicht, Kerze oder glühende Kohle. Die Räucherkohle ist bei diesen Varianten nämlich schon mitverarbeitet. Soll heißen: Stäbchen und Kegel lassen sich direkt selbst anzünden. Praktisch, oder?

Aber was sind die Unterschiede zwischen Räucherstäbchen und Räucherkerzen? Hier kommt ein kleiner Überblick.

Räucherstäbchen bzw. Duftstäbchen dürfte wohl jeder kennen. Die langen, bunten Duftstiele stammen aus dem asiatischen Raum und sind bei uns in den Siebzigern groß rausgekommen. Vorteil von Räucherstäbchen ist, dass sie so kompakt und platzsparend gebaut sind. Zudem eignen sie sich gut, um Räume dezent zu beduften – sofern man nicht gleich mehrere hintereinander anzündet.

Doch Räucherstäbchen haben auch Nachteile. Zum einen kann es eine ziemliche Sauerei geben, wenn der Ascheteil abbricht und auf dem Tisch statt in der vorgesehenen Schale landet. Da die Räucherstoffe zudem oft auf ein Holzstäbchen aufgetragen sind, ist das Aroma getrübt, da auch Holz verbrennt. Das verfälscht den Geruch und kann gesundheitsschädlich sein.

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Räucherkerzen sind ein Teil deutscher Kultur. Erfunden wurden sie zwar nicht (wie häufig behauptet) im 18. Jahrhundert von Bergleuten im Erzgebirge – durch die Räuchermännchen-Tradition haben sie allerdings Aufwind bekommen. Erste Nachweise für den Gebrauch von Räucherkegeln soll es schon aus der frühen Neuzeit geben. Von einer Modeerscheinung kann man also nicht sprechen.

Räucherkerzen bzw. Räucherkegel sehen aus wie kleine, spitze Hexenhüte und duften nach Hölzern, Kräutern und Magie. Sie bestehen aus Räucherstoffen, Kohlenstaub und Hilfsstoffen, die dafür sorgen, dass die Duftkegel gut brennen und alles zusammenhält. Späne oder Holz gibt es keine, wodurch das Dufterlebnis rein bleibt. Durch die geringe Höhe fällt auch keine Asche herab, sodass die Wohnung beim Räuchern sauber bleibt.

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Übrigens: Neben kegelförmigen Räucherkerzen gibt es auch runde Räucherkugeln. Sie sind kleiner und brauchen zum Räuchern eine Hitzequelle wie ein Stövchen mit Teelicht oder Kerze.

So einfach kann man Räucherkerzen selbst herstellen

Wenn ihr selbst bestimmen wollt, wonach es in eurer Wohnung duftet, empfehlen wir euch, die Räucherkerze selber zu machen. Wir dürfen euch hier drei Rezepte für selbst gemischte Räucherstoffe aus dem wunderbaren Werk "Das große Handbuch vom Räuchern – Kultur, Praxis, Rezepte" vorstellen.

Darin beschreibt Autor Alexander Glück auf sehr verständliche Weise, woher die Tradition des Räucherns stammt und wie man sie praktisch in den heutigen Alltag integrieren kann. Die Tipps und Ideen in diesem Artikel stammen weitestgehend aus dem ausgiebig recherchierten Räucherbuch.

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Glück orientiert sich in seinem Handbuch an den ursprünglichen Räucherkerzen-Rezepten von Walther Ryff aus dem 16. Jahrhundert. Keine Sorge, die Zutaten bekommt ihr auch heutzutage noch ohne Probleme.

Dieses Material braucht ihr, um Räucherkegel herzustellen:

1. Räucherstoffe:
Das kann alles sein, was gut riecht. Also Blüten, Blätter, Wurzeln, Tannennadeln, Gewürze oder sogar Kaffeepulver. Auch heimische Harze, Hölzer und Früchte eignen sich prima als Duftstoffe zum Verräuchern. Bevor ihr zu fertigen Räuchermischungen greift, solltet ihr euch für den Anfang mit einzelnen Räucherstoffen vertraut machen.

2. Räucherkohle: Die Kohle ist der eingebaute Brennstoff der Räucherkerze. Sie verglimmt und die Duftstoffe werden freigesetzt. Um die Kohle verarbeiten zu können, wird sie zu Pulver zermahlen. Man braucht in etwa die gleiche Menge Kohlepulver wie Räucherstoff. Deshalb sind Räucherkerzen in der Regel schwarz. Bunt sind sie nur, wenn Farbstoffe zugefügt wurden.

Tipp: Statt Räucherkohle (hier bei Amazon*) kann man auch Shishakohle zur Herstellung von Räucherkerzen verwenden.

3. Bindemehl: Damit sich Kohle und Räucherstoffe verbinden, braucht man ein Klebemittel. Hierfür kann man Speisestärke mit ein paar Esslöffeln Wasser anrühren. Durch den Kleister lassen sich die anderen Zutaten zu einem Kegel oder einer Kugel formen. Zudem hält das Bindemehl die Öle und Balsame in der Masse. Und es gibt der Räucherkerze mehr Volumen, sodass der Duft weniger extrem ist.

Tipp: In den Originalrezepten von Walther Ryff wird Branntwein als Bindemittel eingesetzt. Ihr könnt also auch das Klebemehl durch hochprozentigen Alkohol (über 15 Prozent) ersetzen. Dann wird die Räucherkerze lediglich etwas krümeliger.

Auch lesen: Kerzen selber machen: So einfach geht's!

Räucherkerzen-Rezepte zum Nachmachen

Aus euren liebsten Räucherharzen und Pflanzenteilen lässt sich nun ein wohlriechender Räucherkegel herstellen. Für einen intensiveren Duft könnt ihr zusätzlich ein paar Tropfen ätherische Öle zugeben – achtet auf eine "naturreine" Qualität, um künstliche Duftstoffe auzuschließen.

Zur Inspiration kommen hier drei Rezepte für Räucherkerzen nach althergebrachter Walther-Ryff-Methode.

Zutaten für Rezept 1:

  • 2,5 g Aloeholz
  • 2,5 g Safran
  • 2,5 g Zimt
  • 2,5 g Gewürznelken
  • 2,5 g gelbes Sandelholz
  • 2,5 g rote Rosenblätter oder etwas Rosenwasser
  • 2,5 g Mastix
  • 10 g Amber
  • 10 g Weihrauch
  • ca. 45 g Kohlenpulver (Räucherkohle)
  • 1–2 TL Tragant (in Wasser gelöst) als Bindemittel


Zutaten für Rezept 2:

  • 10 g Laudanum
  • 10 g Amber
  • 10 g Myrrhe
  • 10 g weißer Mastix
  • 10 g Weihrauch
  • 20 g Rosmarinblätter
  • 20 g Galgant
  • 20 g Rosenblätter (möglichst feines Pulver oder ein paar Tropfen Rosenöl)
  • 5 g Zimt
  • 5 g Gewürznelken
  • 5 g gelbes Sandelholz
  • 5 g Muskatnuss
  • 160 g Kohlenpulver
  • etwas Branntwein oder Lavendelwasser zum Befeuchten der Mischung


Zutaten für Rezept 3:

  • 2,5 g Zypressenholz
  • 2,5 g Wacholderbeeren
  • 15 g Rosmarinblätter
  • 15 g Galgant
  • 20 g Weihrauch
  • 20 g Amber
  • 30 g Laudanum
  • 120 g Kohlepulver

Tipp: Zum Abmessen der kleinen Grammmengen braucht ihr eine sehr genau funktionierende Küchenwaage. Wer sich einen Vorrat an Räucherstoffen anlegen möchte, kann das problemlos tun. Wichtig ist nur, die Stoffe möglichst luftdicht aufzubewahren, damit das Aroma nicht verlorengeht. Wiederverschließbare Tüten oder Gläser mit fest verschließbarem Deckel sind eine gute Idee.

Anleitung für selbstgemachte Räucherkerzen

1. Damit sich die Zutaten zu einer geschmeidigen Masse verbinden und formen lassen, müsst ihr sie als Erstes gründlich zerkleinern bzw. pulverisieren – auch die Räucherkohle. Das klappt am besten in einem klassischen Mörser mit Stößel. Für harte Teile wie Harze könnt ihr eine Kaffeemühle zuhilfe nehmen.

2. Im nächsten Schritt wird ein Bindemittel aus Speisestärke und Wasser hergestellt (sollte ein Schluck Branntwein nicht genügen). Dazu gebt ihr etwas Stärke mit ein paar Esslöffeln in einen Topf auf den Herd. Kocht die Mischung auf, bis eine zähe Masse entsteht. Diese lasst ihr nun abkühlen, ehe ihr davon so viel zu eurem Räucherpulver gebt, bis daraus ein klebriger Teig wird.

Tipp: Styrax (hier bei Amazon*) verlängert die Duftwirkung im Raum. Das Harz schmilzt schnell bei hohen Temperaturen, sodass sich die Kohlen damit vollsaugen.

3. Knetet nun alle Zutaten gut durch und formt daraus spitz zulaufende Kegel. Das gelingt einfacher, wenn ihr die Masse auf einem mit Alufolie beschichteten Brettchen rollt.

4. Zuletzt müsst ihr die noch feuchten Räucherkegel auf einer Schicht Backpapier ausbreiten und ordentlich durchtrocknen lassen. Nur Geduld, das kann ein paar Tage dauern. Ein warmes Plätzchen auf der Heizung beschleunigt den Vorgang.

Wie brennt man Räucherkerzen ab?

Nachdem die selbstgemachten Räucherkerzen getrocknet sind, könnt ihr damit losräuchern. Angezündet werden die Räucherkegel oben an der Spitze. Ihr lasst sie aber nicht weiter brennen, sondern blast sie direkt wieder aus. Dann glühen sie langsam von oben nach unten ab und verströmen dabei ihren Duft.

Um den Untergrund zu schützen und kein Brandrisiko einzugehen, dürft ihr Räucherkerzen nur auf einer hitzefesten Unterlage abbrennen. Das kann eine Metallschale oder eine hübsche Muschelschale sein. Hauptsache, der Kegel steht darin sicher und eben.

Noch sicherer wird das Räuchern zu Hause in einem feuerfesten Gefäß mit Deckel. Der Deckel hat dabei natürlich mindestens eine Öffnung, durch den der Rauch entweichen kann.

Das Räuchern mit Deckel ist milder als beim offenen Räuchern und dauert auch entsprechend länger. Außerdem sieht es beeindruckend aus, wie die Rauchwaben durch kleine Deckelöffnungen dringen – vor allem, wenn es dunkel im Zimmer ist.

Tipp: Wer die Wohnung ausräuchern will, sollte besser ohne Deckel räuchern, da sich der Rauch bei diesem Ritual schließlich möglichst rasch in alle Raumwinkel verteilen soll. Am besten angefächert von einer Feder.

Liste beliebter Räucherstoffe und ihrer Wirkungen

In seinem Handbuch gibt Alexander Glück einen Überblick zu den beliebtesten Räucherstoffen und verrät, welche Wirkungen ihnen jeweils zugesprochen werden. Ein paar ausgewählte Räucherkräuter, Hölzer und Harze wollen wir euch hier kurz vorstellen.

Beruhigende Räucherstoffe: Aloe, Bernstein, Lavendel, Tanne, Fichte, Kiefer (Holz und Nadeln), Lärche, Linaloeholz, Sandelholz, Sandarak

Belebende Räucherstoffe: Copal, Dammar, Elemi/Manilaharz, Kardamom, Mastix, Passionsblume, Petit Grain, Pfefferminze, Wacholder (Beeren und Holz), Zitronengras, Zypresse

Reinigende Räucherstoffe: Burgunderharz, Eukalyptusblätter, Fichtenharz, Kampfer, Lavendel, Menthol, Nelken, Rosmarin, Salbei, Thymian, Zimt

Mystische Räucherstoffe: Benzoe Siam und Benzoe Sumatra, Eisenkraut, Drachenblut, Moschus (Körner und Kraut), Myrte, Palo Santo, Patschuli, Sandelholz, Labdanum, Myrrhe, Opoponax, Weihrauch, Wermut


Wir wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren und gepflegten Räuchern!

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