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Eifersucht unter Geschwistern: Wie ihr mit dem Kampf um die Elternliebe am besten umgeht

von Jane Schmitt Veröffentlicht am 20. Dezember 2016

Warum streiten Geschwister? Wie soll man als Eltern mit Konflikten zwischen Bruder und Schwester umgehen?

Beziehungen zwischen Geschwistern sind von Natur aus zwiespältig: Diese Mischung aus Abneigung und Liebe entsteht durch die Rivalität zwischen den Kindern einer Familie. Einerseits sind sie sich ganz nah, da sie zur gleichen Generation gehören und sich gegenüber den Erwachsenen bzw. den Eltern abgrenzen. Auf der anderen Seite sind sie auch Konkurrenten, weil sie um die Führungsposition in der Gruppe kämpfen, auch wenn die Gruppe nur aus zwei Kindern besteht. Schließlich will die Beziehung zu den Eltern verteidigt werden.

Dieser Kampf um die Vorherrschaft findet glücklicherweise nicht ständig statt. Es gibt dabei keinen definitiven Gewinner oder Verlierer. Jedes Kind kann abwechselnd die stärkere Position einnehmen, oder sogar beide zur selben Zeit in verschiedenen Bereichen: Einer ergattert ein Spielzeug, muss aber beim Essen warten. Der Andere ist beim Sport besser, aber dafür in der Schule nicht ganz so gut und so weiter.

Das erklärt, warum ein Streit oft bei jeder Kleinigkeit ausbricht, aber auch genauso schnell wieder verschwindet. Die Geschwister versöhnen sich nach der Machtprobe und haben sich wieder lieb. Wer hat seine Kinder nicht schon lachend zusammen spielen und einen Augenblick später die Fetzen fliegen sehen?

Eifersucht unter Geschwistern: Die Beziehung der Geschwister untereinander

Hinter einem banalen Streit zwischen Brüdern und Schwestern verbirgt sich ein anderer, tieferer Grund für die Auseinandersetzung: Nur selten geht es um die Schokolade oder um das Stofftier. Viel häufiger streiten sich die Kinder eigentlich um die elterliche Liebe von Mama und Papa.

Sobald die Zweierbeziehung, in der Sozialwissenschaft auch "Dyade" genannt, beispielsweise die Mutter-Kind-Beziehung ins Wanken gerät, möchte das ältere Kind die Liebe seiner Eltern, besonders von seiner Mama, verteidigen. Dafür wird der "Andere", der "Eindringling", also das neue Geschwisterchen, aus dem Weg geräumt. Diese grundlegende Eifersucht ist unvermeidlich und vielleicht sogar unverzichtbar, kann bei den Streitereien zum Teil aber auch gewaltsam zum Vorschein kommen.

Eifersucht unter Geschwistern: Die Selbstbestätigung im Streit

Auch wenn die Eifersucht oft die Ursache für eine direkte Konfrontation zwischen Bruder und Schwester ist, so hat der Streit auch noch eine andere Funktion: Er ermöglicht jedem Kind, seine Identität in Bezug auf das Geschwisterkind zu finden. Ganz nach dem Motto: Wenn ich schreie und mich beschwere, wenn ich viele Schimpfwörter benutzte, wenn ich meinen Wunsch oder meine Wut ausdrücke, dann werde ich von meiner Familie wahrgenommen. Schenkt mir Aufmerksamkeit - ich existiere.

Außerdem lernen die Kinder beim Streit ihre eigenen Grenzen und die der Anderen kennen. Sie werden also mit der Existenz anderer Kinder konfrontiert und lernen, dass man zwar Schimpfwörter oder sogar Schläge austeilen kann, aber dann auch genauso einstecken muss…

Beobachtet man zum Beispiel Tiere, so fällt auf, dass die Jungtiere einer Herde sehr viel Zeit mit Spielen verbringen und genauso mit Raufereien. Damit testen sie ihr Durchsetzungsvermögen und versuchen ihren Platz in ihrer Umgebung zu gewinnen, wie sie es auch als künftige Erwachsene tun müssen. Unsere Kinder haben im Prinzip dasselbe Bedürfnis, drücken es nur etwas anders aus. Immer unter der Bedingung, dass die Eltern darüber stehen und die Grenzen festlegen.

Eifersucht unter Geschwistern: Wann muss man eingreifen?

Lasst eure Kinder ruhig mal zanken, aber behaltet die Streithähne nebenbei im Auge und spitzt die Ohren. Mischt euch nicht ein und ergreift bitte keine Partei. Das würde für die Kinder nämlich bedeuten, dass ihr jemanden bevorzugt. Allerdings darf der Streit auch nicht eskalieren oder gar brutal werden.

​Solltet ihr doch eingreifen müssen, macht deutlich, dass ihr weder körperliche, noch verbale Gewalt akzeptiert. Schließlich wollt und sollt ihr als Eltern verhindern, dass Handgreiflichkeiten zur normalen Verständigung werden: "Es ist völlig okay, dass ihr euch streitet, doch verletzt euch nicht gegenseitig. Jeder darf seine eigene Meinung haben, das müsst ihr akzeptieren."

Es ist an euch zu entscheiden, wie viel Aggressivität ihr toleriert. Ihr dürft allerdings auf keinen Fall zulassen, dass diese Schwelle überschritten wird. Das ist übrigens völlig unabhängig vom Alter der Kinder - auch Kleinkinder verstehen das sehr gut!

Erklärt euren Kindern im Gespräch, wie es sich für das Gegenüber anfühlt. Dass es genauso weh tut, wenn man beschimpft wird. Damit schult ihr das Bewusstsein für die emotionale Ebene. Vor dem Vorschulalter tragen solche klärenden Gespräche übrigens noch nicht unbedingt die erwünschten Früchte.​

Eifersucht unter Geschwistern: Erklären und Zuhören

Ein Gespräch ist wichtig, damit jeder erzählen kann, was er auf dem Herzen hat. Wenn ihr merkt, dass der Streit zu einem handfesten Konflikt wird, mit "schmutzigen" Ausdrücken oder wenn ein Kind sehr traurig ist, dann fangt ein Gespräch an, bei dem jeder der Reihe nach zu Wort kommt, bevor der Streit wieder entflammt.

Fragt jeden nach seiner Meinung und ermutigt die Kinder zu einer offenen Aussprache. Nehmt euch die Zeit dazu, die Diskussion da wieder aufzunehmen, wo vorher nur Lärm und Geschrei zu hören war. Kinder und Eltern lernen mit einem klärenden Gespräch, dass man Konflikte auch ohne Beleidigungen und lautem Geschrei lösen kann.

Eifersucht unter Geschwistern: Nur für ein Kind da sein

Wenn ihr euch für eines der Kinder Zeit nehmt, fühlt es sich einmalig und geliebt. Versucht daher abwechselnd mit jedem Kind zu einem günstigen Zeitpunkt allein zu sein. Schenkt eurem Sohn oder eurer Tochter ein paar schöne gemeinsame Stunden: Geht gemeinsam einkaufen oder Fußball spielen. Egal was oder wo, ob im Kino oder Wald, wichtig ist, dass diese Zeit nur einem Kind mit Mama oder Papa gehört. Wetten, dass die Stimmung zu Hause danach um einiges entspannter ist? Erklärt, dass dieses Privileg für alle gilt und jeder einmal dran ist.

Achtung Eifersuchtsfalle: Vermeidet zwischen den einzelnen Unternehmungen zu viel Zeit vergehen zu lassen. Eines eurer Kinder könnte sich sonst benachteiligt fühlen, weil ihr mit Bruder oder Schwester mehr Zeit verbracht habt. Damit riskiert ihr, dass die Rivalität wieder aufkeimt und ein neuer Streit entsteht. Als Eltern müsst ihr auf die Fairness achten und jedem Kind gleich viel Aufmerksamkeit schenken.

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