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Nachmachen erwünscht: 6 Dinge, über die sich unsere Eltern keine Gedanken gemacht haben

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 3. Juli 2018
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Gluten, Langeweile und Fernsehen als ob es kein Morgen gäbe - unsere Eltern haben sich viel weniger Gedanken gemacht als wir heute. Und vielleicht war das gar nicht so schlecht.

Die Haustüren hatten auch noch außen eine Türklinke und abgesperrt wurde nur, wenn man in den Urlaub gefahren ist. An Regentagen hat man auch mal den ganzen Tag im Schlafanzug vor der Glotze gehangen und niemand hat sich Gedanken über eine Verdummung der Kinder gemacht, und Langeweile gehörte genauso in jedes Kinderzimmer wie Laktose in die Milch.

Scheinbar haben sich unsere Eltern viel weniger Gedanken über vermeintliche Gefahren gemacht und trotzdem sind wir anständige, verantwortungsbewusste und gesunde Erwachsene geworden. Vielleicht lohnt es sich also, mal ein bisschen auf die Erziehung und die Einstellung unserer Eltern zu schauen. Deshalb kommen hier sechs Dinge, die unseren Eltern eher wenig Sorgen bereitet haben und die wir vielleicht auch aus unseren Elternsorgen streichen sollten!

1. Keine Laktose, kein Gluten & um Himmels Willen ja kein Zucker!

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist selbstverständlich wichtig für Kinder und Erwachsene. Aber der heutige Trend immer gesünder und noch gesünder essen zu müssen, erdrückt Eltern förmlich. Da wird Eltern nahegelegt, ihren Kindern ja kein Toastbrot in die Schule für die Frühstückspause mitzugeben, Süßigkeiten oder gar ein Kuchen zum Geburtstag in der Schule sind unerwünscht und gezuckerte Getränke sowieso eine Todsünde.

Manchmal möchte man als Mutter einfach nur rufen: Leute, entspannt euch! Mal ein Stück Kuchen, ein Stück Schokolade oder ein Lolli enthalten Zucker, jawohl, aber das wird niemandem schaden. Auch Gluten wird von gesunden Menschen ganz normal verdaut und wenn jemand nicht allergisch auf Laktose reagiert, dann schadet es nicht, wenn man mal ein Glas Milch trinkt.

Wie bei allem im Leben kommt es auch bei Lebensmitteln mit Gluten, Zucker und Laktose auf die Menge und Häufigkeit an.

2. Draußen spielen und Freiheit

Am Wochenende klingelte es gleich nach dem Frühstück an der Tür, man wurde zum Spielen abgeholt, kam zum Mittagessen nach Hause, nur um danach wieder durch die Gegend zu rennen und zum Abendbrot wieder zu Hause zu sein. Die Eltern wussten ganz grob, wo man sich so rumtrieb und das war ausreichend. Was man in dieser Zeit gemacht hat, haben vermutlich die wenigsten Eltern gewusst.

Heute hat jedes Kind ein Handy. Auch wenn Eltern sich gern einreden, das Handy sei nur für den Notfall, es gibt ihnen trotzdem die Möglichkeit ihr Kind immer und überall zu überwachen. Und das ist doch eigentlich ein bisschen schade. Denn Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen - auch wenn sie mal schlecht sind. Das kann sie nur stärker machen - vorausgesetzt natürlich, niemand ist ernsthaft in Gefahr.

Sich selbst ausprobieren, auch mal was 'Gefährliches machen' (wie ganz hoch auf einen Baum klettern oder Kirschen aus einem Garten klauen), auf eigenen Beinen stehen, das geht nur, wenn die Eltern nicht nur einen Knopfdruck entfernt sind oder gar auf der nächsten Parkbank sitzen.

3. Hausaufgaben

Ab der fünften Klasse gab es bei uns in der Schule keine Nachmittagsbetreuung mehr. Bedeutete, dass niemand einem auf die Finger geschaut hat, ob und wie man die Hausaufgaben gemacht hat. Die Verantwortung lag ganz alleine bei uns und eigentlich - mit der ein oder anderen Ausnahme - hat das auch funktioniert. Und wenn es eben mal nicht funktioniert hat, dann trug man selbst die Schuld daran und musste sehen, wie man das wieder ausbügeln konnte.

Statt Kinder und ihre (Haus-)Aufgaben stets und ständig zu kontrollieren (wie es leider heute von vielen Eltern gemacht wird), sollten wir ihnen Eigenveranwortung und Selbstorganisation beibringen. Dinge für sie zu erledigen oder sie immer wieder an Dinge zu erinnern, die sie eigenständig machen sollten, hilft ihnen nicht auf eigenen Beinen zu stehen.

4. Langeweile

Einfach mal nichts zu tun haben und in den Tag hineinleben, das waren unsere Sommerferien. Vor oder nach dem gemeinsamen Urlaub mit den Eltern waren wir Kinder ziemlich uns selbst überlassen. Und ehrlich gesagt scherten unsere Eltern sich auch wenig darum, uns zu beschäftigen. Wenn wir also Löcher-in-die Decke-starrend im Wohnzimmer lagen und nicht wussten, wohin mit uns, war die einzige Aussage von Mama und Papa oft: "Denk dir was aus."

Und das haben wir dann gemacht. Wir waren also den ganzen Tag nur mit Freunden im Schwimmbad, sind durch den angrenzenden Wald getobt oder einfach stundenlang durch die Stadt flaniert. Heute neigen wir Eltern dazu, die Zeit unserer Kinder zu füllen. Statt sie also gelangweilt im Kinderzimmer liegen zu lassen, schleppen wir sie ins Museum, in Ausstellungen oder unternehmen andere 'fördernde und bildende' Trips. Dabei kann es doch eigentlich nicht schaden, wenn die lieben Kleinen ganz alleine den Tag füllen oder sich auch nur mal langweilen.

5. Fernsehen

An schönen Sommertagen haben unsere Eltern uns vor die Tür geschmissen, damit wir uns draußen bewegen. Aber wenn das Wetter mal nicht mitgespielt hat, dann durften wir auch mal einen ganzen Tag vor dem Fernseher hängen, am besten noch im Schlafanzug. Und wenn man erst alt genug war, einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer zu haben, dann saß man auch an schönen Tagen mal länger davor.

Kaum einer hat davon gesprochen, dass zu viel Fernsehen dumm macht. Und heute, mit all den Streaming- und Mediathek-Möglichkeiten, stimmt das ja noch viel weniger. Man könnte fast behaupten, Fernsehen kann unsere Kinder heute ein bisschen schlauer machen.

6. Alleine zu Hause

Die meisten von uns waren vermutlich mit sechs, sieben Jahren zum ersten Mal alleine zu Hause, als Mama und Papa mal eben was einkaufen mussten. Und das war irgendwie völlig normal. Ein bisschen später war man dann auch alleine, wenn die Eltern mal ins Kino oder ausgegangen sind. Das hat einen nicht nur stolz gemacht, weil man schon alleine bleiben durfte, sondern auch viele heimliche Fernsehabende ermöglicht. Manchmal hat das sogar die zerstrittenste Beziehung zum älteren oder jüngeren Geschwisterkind gekittet - denn gemeinsam heimlich fernsehen schweißt zusammen.

Heute sind wir Eltern ein bisschen vorsichtiger, was das Alleinsein der Kinder angeht. Denn gefühlt ist es heute ja auch viel gefährlicher. Aber wer offen mit seinen Kindern spricht, wer nachfragt, ob sie sich das schon zutrauen, der wird überrascht sein, wie viele von ihnen sich gerne mal alleine austoben wollen. Also, Regeln festlegen, was das Telefon und die Klingel angeht, wo es im Notfall Hilfe gibt und dann mal eine halbe Stunde um den Block gehen und das Kind oder die Kinder sich selbst überlassen.

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