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Nachtschreck: Woher er kommt und wie man seinem Kind helfen kann

von Anne Walkowiak Erstellt am 11. April 2020
Nachtschreck: Woher er kommt und wie man seinem Kind helfen kann© Getty Images

Schrecken Kinder plötzlich schreiend aus dem Schlaf hoch, sprechen Ärzte vom Nachtschreck. Welche Ursachen er hat, in welchem Alter er besonders häufig auftritt und was Eltern tun können, verraten wir hier.

Gerade ist das Kind friedlich eingeschlafen, da schreckt es schreiend, mit aufgerissenen Augen und manchmal um sich schlagend aus dem Schlaf hoch. Alle Versuche, es zu beruhigen, scheinen wenig bis nichts zu bringen, denn ansprechbar ist der Nachwuchs trotz offener Augen in dieser Situation nicht. Oft sind Eltern ratlos, was sie tun und wie sie ihrem Kind am schnellsten helfen können.

Am besten ist, das Kind nicht zu wecken, so rät es Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Deutschland, auf Kinderärzte im Netz. Denn es ist weder richtig wach, noch schläft es richtig.

Weckt man das Kind während eines solchen Hochschreckens, ist es nur verwirrt und findet schwer wieder zurück in den Schlaf. Aber was können Eltern stattdessen tun und wieso schreckt das Kind überhaupt aus dem Schlaf hoch?

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Video von Sarah Glaubach

Was ist der Nachtschreck?

Der Nachtschreck, auch Nachtterror, Schlafschreck oder medizinisch Pavor nocturnus genannt, betrifft circa drei bis sechs Prozent der Kinder. Er tritt am häufigsten in der ersten Hälfte der Nacht, rund ein bis vier Stunden nach dem Einschlafen, in den Non-REM-Schlafphasen, auf.

Typisch für den Nachtschreck ist das plötzliche Hochschrecken des Kindes. Oft schreit es, hat die Augen weit aufgerissen und schlägt um sich, als würde es etwas abwehren. Dabei wirkt es abwesend, erkennt die Eltern nicht und ist nicht ansprechbar.

In der Regel dauert ein Nachtschreck zwischen fünf und 15 Minuten an. Er kann auch mal 45 Minuten andauern. Am nächsten Tag erinnern sich die meisten Kinder nicht daran, in der Nacht 'wach' gewesen zu sein. Sie haben auch keine Erinnerung daran, dass sie geschrien oder etwas Schlechtes geträumt haben.

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In welchem Alter tritt der Nachtschreck auf?

Am häufigsten tritt der Nachtschreck bei Kindern zwischen drei bis sechs Jahren auf. Aber auch jüngere Kinder im Kindergartenalter können betroffen sein. Sehr selten sind Babys unter einem Jahr davon betroffen. In vielen Fällen verschwindet der Nachtschreck genauso schnell, wie er aufgetreten ist.

In der Pubertät oder im Erwachsenenalter ist das Auftreten des Nachtterrors sehr selten.

Was ist die Ursache des Nachtschrecks?

Das Zentrale Nervensystem (ZNS) von Kindern ist noch nicht voll entwickelt. Wird das ZNS während des Schlafs übermäßig stimuliert, kann es einen Nachtschreck auslösen. Oft gelingt den Kindern, die am Nachtschreck leiden, oder vielmehr ihrem Zentralen Nervensystem, der Übergang von der Tief- in die Traumschlafphase nicht. Das bedeutet, der Körper des Kindes ist wach, der Geist oder sein Bewusstsein aber nicht.

Häufig lässt sich eine familiäre Vorbelastung finden. Das heißt, waren schon Mutter oder Vater vom Nachtschreck betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch ihr Kind des Nachts hochschrecken wird.

Auch Krankheit oder Übermüdung können das Auftreten von Pavor nocturnus begünstigen. Genauso wie das Schlafen in einer fremden Umgebung oder neue Medikamente.

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Wie oft tritt der Nachtschreck auf?

Der Nachtschreck tritt in sehr seltenen Fällen regelmäßig mehrmals die Woche auf. Es gibt Fälle, da kann er in mehreren Nächten in Folge auftreten, diese sind aber eher selten. Häufiger tritt der Nachtschreck in unregelmäßigen Abständen auf, manchmal über Wochen, manchmal über mehrere Monate oder Jahre.

Jungs sind im Übrigen häufiger vom Nachtterror betroffen als Mädchen.

Ist der Nachtschreck gefährlich?

Das Hochschrecken selbst ist nicht gefährlich für Kinder. Ein Kind, das häufiger vom Nachtschreck geplagt ist, leidet auch nicht an einer psychischen Störung.

Eltern, deren Kinder öfter am Nachtterror leiden, sollten aber darauf achten, dass sie währenddessen bei ihrem Kind sind. Denn Kinder können sich verletzen, wenn sie um sich schlagen.

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Wie können Eltern bei Nachtschreck helfen?

Eltern sind oft sehr erschrocken, wenn das Kind zum ersten Mal in der Nacht aufschreit und wild um sich schlägt. Sie wollen ihrem Kind gerne aus der Situation helfen. Was man dennoch tunlichst vermeiden sollte, ist das Kind zu wecken. Denn anders als es scheint, ist es nicht wach.

Eltern sollten ruhig bleiben und leise mit ihrem Kind reden. Wenn das Kind es zulässt, kann man auch versuchen, es in den Arm zu nehmen. Wenn das Kind sich dagegen wehrt, sollte man lediglich darauf achten, dass es sich nicht selbst verletzen oder aus dem Bett fallen kann.

Das Wichtigste ist, dem Kind, auch wenn es nicht ansprechbar zu sein scheint, zu vermitteln, dass man da ist und es selbst in Sicherheit ist. Das schafft man am besten, wenn man leise und ruhig mit ihm spricht und ihm gut zuredet.

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Nachtschreck beim Kind: Wann sollte ich zum Arzt?

Eltern wird empfohlen, den Kinderarzt aufzusuchen, nachdem der Nachtschreck das erste Mal in Erscheinung getreten ist. Aus dem einfachen Grund Erkrankungen, wie beispielsweise eine Epilepsie, auszuschließen.

Dafür ist es wichtig, dass Eltern das erste Auftreten gut beschreiben können. Wann trat der Nachtschreck auf, wie lange dauerte er an, wie ist er abgelaufen?

Auch wenn das nächtliche Hochschrecken oft und regelmäßig auftritt, sollte man seinen Kinderarzt konsultieren. Ebenfalls, wenn das Kind darunter leidet, also am Tag unausgeglichen, müde und reizbar wirkt.

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Kann man dem Nachtschreck vorbeugen?

Der Nachtschreck wird begünstigt durch eine Überstimulierung des Zentralen Nervensystems. Daher kann es betroffenenen Kindern helfen, wenn ihr Tag so ruhig und stressfrei wie möglich verläuft. Ein strukturierter Tagesablauf mit möglichst wenig Aufregung oder Stress ist ideal, um dem Kind zu helfen.

Außerdem können feste Einschlafrituale die Häufigkeit oder das Auftreten des Nachtschrecks minimieren bzw. verhindern. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass ihr Kind ausreichend schläft. Denn eine Übermüdung kann auch einen Nachtschreck begünstigen.

Vermeiden sollte man zudem Bildschirmzeiten vor dem TV, Handy oder Tablet kurz vor dem Schalfengehen. Stattdessen kann eine Gute-Nacht-Geschichte oder ein Schlaflied für ein ruhiges undd entspanntes Ein- und vor allem Durchschlafen sorgen.