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Eltern-Guide: Was ihr über die App TikTok wissen solltet!

von Anne Walkowiak Erstellt am 2. April 2020
Eltern-Guide: Was ihr über die App TikTok wissen solltet!© Getty Images

Von der App TikTok habt ihr sicher schon gehört. Aber wisst ihr auch, wie sie funktioniert, was eure Kinder da machen und welche Gefahren vielleicht auch darin stecken? Wir klären auf.

Mit dem ersten Handy halten Kinder heute einen kleinen Computer in der Hand. Dank hohem Datenvolumen und Flatrate haben sie immer und überall Zugang zu Spielen, sozialen Netzwerken und auch Apps. Da verlieren Eltern schnell den Überblick, was genau die Kinder eigentlich an ihrem Handy so machen, und vor allem auch, wie viel Zeit sie damit verbringen.

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Gerade besonders beliebt bei Kindern im Teenageralter ist die App TikTok. Weltweit nutzen nach Auskunft von TikTok bereits 800 Millionen Menschen das Musikvideo-Netzwerk (Stand: Oktober 2019). Alleine in Deutschland sind es rund 5,5 Millionen (Stand: Oktober 2019). Aber was genau fasziniert vor allem Kinder und junge Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren so an dieser App?

Was ist TikTok?

Im Kern der App TikTok geht es um Musik, Tanzen und Comedy, alles verpackt in kurze Clips von rund 15 Sekunden. Die Videos können bis zu 59 Sekunden lang sein. Das Motto der App lautet: "Every second counts", zu deutsch: "Jede Sekunde zählt". Je kürzer und pointierter das Video, desto höher sind seine Erfolgschancen. Ein Clip ist erfolgreich, wenn er viele Likes und Kommentare sammelt.

Das heißt, User und Userinnen nehmen einen kurzen Clip auf, unterlegen diesen mit einem Song, vertaggen ihn mit angesagten oder trendigen Hashtags und posten ihn auf ihrem Profil. Je öfter das Video gesehen wird, je mehr Likes und Follower man sammelt, desto erfolgreicher ist man auf TikTok.

Vor allem so genannte Challenges, in welchen Anwender ihr Tanz- oder Comedytalent unter Beweis stellen, machen einen Großteil der beliebten Videoclips auf TikTok aus.

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Warum ist TikTok so erfolgreich?

Laut dem Digital und Social Media Markting Blog 'FUTUREBIZ' war TikTok im ersten Quartal des Jahres die erfolgreichste App in den App Stores. Datenanalysen ergaben, dass 69 Prozent der Nutzer zwischen 16 und 24 Jahre alt sind und 60 Prozent von ihnen weiblich.

Das Erfolgsrezept der App scheint dabei ihre 'Einfachheit' zu sein. Jeder kann im Handumdrehen ein Profil erstellen und ganz einfach mit dem eigenen Handy kurze Videos drehen und live stellen.

Noch einfacher und schneller ist es, die Videos der anderen Nutzer zu konsumieren. Dafür braucht man nicht einmal ein eigenes Profil. Einfach die App downloaden und Videos in der TikTok App wie am Fließband ansehen. Denn wer ein Video gesehen hat, wischt mit dem Finger nur nach oben und schon erscheint das nächste und das nächste und das nächste.

Spaß und Kreativität stehen bei TikTok im Vordergrund. Es geht um Unterhaltung und darum, sich selbst darzustellen. So lustig, witzig oder kreativ wie möglich. Und das ist, was den Erfolg der App ausmacht.

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Video von Sarah Glaubach

Wie alt müssen TikTok-User sein?

Jeder kann sich die TikTok-App downloaden. Es gibt sie für Andoid und iOS Betriebssysteme. Nur durch den Download der App und ohne sich ein eigenes Profil erstellen zu müssen, ist man bereits in der Lage, Videos anderer User zu sehen. Um eigene Videos zu posten und die Videos anderer User liken zu können, muss man sich ein eigenes Profil erstellen. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der TikTok-App geben vor, dass User mindestens 13 Jahre alt sein müssen.

User unter 18 Jahren brauchen laut Nutzungsbedingungen auch die Zustimmung der Eltern / Erziehungsberechtigten. Kontrolliert wird das jedoch in der Praxis nicht.

Das Problem: Die App fragt bei der Anmeldung lediglich nach dem Geburtsdatum. Wer also hier ein bisschen trickst, schummelt sich einfach ein paar Monate oder gar Jahre älter und schon ist die Anmeldung gelungen. Das heißt, dass auch Kindern unter 13 Jahren die App uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Ist TikTok gefährlich?

Immer dann, wenn zu viele persönliche Daten im Internet preisgegeben werden, besteht eine gewisse Gefahr. Kinder sollten also immer dafür sensibilisiert werden, möglichst anonym zu bleiben. Schwierig bei einer App, bei der es darum geht, mit persönlichen Videos Likes und Follower zu generieren.

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Deshalb ist es bei TikTok und anderen sozialen Netzwerken besonders wichtig, diese gemeinsam mit seinem Kind zu erkunden. Ein Grundsatz, den alle Eltern ihren Kindern für den Gebrauch und die Teilnahme im Netz mitgeben sollten: Erzähle im Netz nichts öffentlich, was du nicht auch einer völlig fremden Person auf der Straße erzählen würdest.

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Außerdem sind Kontoeinstellungen enorm wichtig, die Privatsphäre eines Nutzers zu wahren. Auch das sollte man am besten gemeinsam mit seinem Kind erkunden und einstellen. Es kann schwierig für ein Kind sein, die Formulierungen der einzelnen Einstellungen zu verstehen. Lasst euch also Zeit und überstürzt nichts.

Bei TikTok sollte man allerdings nicht nur auf die Daten achten, sondern auch auf das Nutzungsverhalten. Denn die App hat großes Suchtpotential. Sehr schnell vergisst man Raum und vor allem Zeit, wenn man sich durch die unzähligen Videos swiped. Laut eigenen Angaben öffnen deutsche User die App im Schnitt zehn Mal am Tag und verbringen durchschnittlich 50 Minuten mit TikTok. Hinzu kommen andere Apps, Spiele oder soziale Netzwerke, die das Kind weiter am Handy halten.

TikTok bietet 'Begleiteten Modus' für Eltern an

Seit Februar 2020 bietet TikTok auch in Europa deshalb einen 'begleitenden Modus' für Eltern an, bei dem sich unter anderem die Nutzungszeit einstellen lässt. So kann man entscheiden, ob das Kind 40, 60, 90 oder 120 Minuten am Tag mit der App verbringen kann. Ist die Zeit abgelaufen, braucht man ein Passwort, um sie weiter zu nutzen.

Auch die Kontaktmöglichkeiten lassen sich einstellen. Man kann entscheiden, wer das Kind über Privatnachrichten kontaktieren kann oder gar ganz ausschließen, dass das Kind PM's erhält.

Zudem gibt es die Möglichkeit, einen eingeschränkten Modus zu aktivieren. Das heißt, gemeinsam mit dem Kind filtern Eltern, welche Videos beispielsweise im 'For You'-Feed des Kindes landen. Dabei geht es nicht um konkrekte Inhalte einzelner Videos, sondern vielmehr um die allgemeine Kategorie der Videos. So lassen sich beispielsweise Videos ausschließen, die für Erwachsene bestimmt sind.

Soll ich meinem Kind TikTok verbieten?

Es klingt wie eine gute und einfache Idee, dem Kind TikTok bis zu einem gewissen Alter einfach zu verbieten. Das kann natürlich funktionieren. Allerdings ist es eine bessere Methode, gemeinsam mit dem Kind eine App wie TikTok zu erkunden und ihm den verantwortungsvollen Gebrauch damit beizubringen.

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Denn es wird der Tag kommen, an dem das Kind eigenverantwortlich im Internet unterwegs ist. Wenn es gelernt hat, sich im Netz sicher zu bewegen, wird es Gefahrensituationen erkennen und umgehen können.

Medienkompetenz heißt hier das Stichwort. Die erreicht man nicht durch Verbote und Überwachung des Kindes. Sondern durch das gemeinsame Erkunden. Dann können Eltern auch beruhigter sein, was das Kind im Internet konsumiert und wie viel Zeit es dafür aufwendet.