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Liebe & Psychologie

Das beste aus zwei Welten? Beziehungsstatus "Mingle" & was dahinter steckt

Kathrin Stangl
von Kathrin Stangl Veröffentlicht am 30. März 2015
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Es ist die wohl entscheidendste Frage im Leben zweier Menschen: Sind wir zusammen oder nicht? Doch es gibt Menschen, die stellen sich diese Frage gar nicht erst. Denn sie leben auch so glücklich - als Mingle. Psychologin und Beziehungsexpertin Lisa Fischbach erklärt diese neue Form der "Nicht-Beziehung".

Anna und Moritz kennen sich seit etwa einem halben Jahr. Sie gehen ins Kino, kochen gemeinsam, halten in der Öffentlichkeit Händchen und haben Sex. Klingt wie eine ganz normale Beziehung? Von wegen! Denn wenn Anna mal keine Lust oder Zeit hat sich mit Moritz zu treffen, meldet sie sich einfach nicht. Manchmal tagelang - und für Moritz ist das völlig ok. Denn die beiden sind nicht zusammen. Sie sind Mingles. Das heißt, sie machen viel zusammen - wie ein normales Paar - können sich aber auch mit anderen treffen. Die Beziehung zwischen den beiden ist total unverbindlich.

Mingle - Nichts Halbes und nichts Ganzes?

Das Wort "Mingle" ist eine Kreation aus "Single" und "Mixed". Der Trendforscher Peter Wippermann führte diesen Begriff aus der amerikanischen Marktforschung zum ersten Mal 2007 in Deutschland ein. Mingles sind offiziell zwar solo, stecken gleichzeitig aber irgendwie auch in einer Art Beziehung. "Mingles wählen das Beste aus zwei Welten. Zum einen können sie die Geborgenheit einer Partnerschaft genießen und auf der anderen Seite alle Freiheiten eines Singlelebens", erklärt Lisa Fischbach, Psychologin und Beziehungsexpertin von der Online-Partnervermittlung ElitePartner.

Mingles machen also alles, was Paare eben so tun. Nur, dass sie gar kein Paar sind. Ziemlich verrwirrend, oder? Doch für viele Menschen - vor allem jüngere zwischen 20 und 30 - hat das Mingle-Leben klare Vorteile: "Es ist ein guter Kompromiss, nichts Halbes und nichts Ganzes. Eine flexible Beziehungsform, die in eine Lebensphase des Experimentierens mit hohem Selbstbezug passt", erklärt Single-Coach Fischbach.

Selbstverwirklichung statt großer Liebe

Die Zeiten, in denen man sein Leben lang am selben Ort bleibt, den gleichen Job ausübt und an der einen großen Liebe des Lebens festhält, sind längst vorbei. Was heute zählt sind Flexibilität, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Eine feste Beziehung? Passt nur bedingt in diesen Lebensentwurf. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen für ein Dasein als Mingle. Eine Art Partnerschaft auf Abruf: Sex und Geborgenheit auf Wunsch, aber ohne Verpflichtung und Verantwortung.

Aber welche Auswirkungen hat das auf unser Verständnis von Beziehung und Partnerschaft? Überhaupt keine, wenn man Paarberaterin Lisa Fischbach glaubt. "Es ist eine Erweiterung der existierenden Beziehungsmodelle. Dennoch wird das romantische Liebesideal davon nicht beeinflusst. Das wird nach wie vor das am häufigsten gewählte sein: Alles für immer mit einem. Für viele bleibt das Mingle-Dasein eine Übergangsphase im Leben."

Und plötzlich meldet sich das Herz zu Wort

Eine Übergangsphase, schön und gut. Und solange beide Partner die gleichen Erwartungen haben, kann das auch prima funktionieren. Schwierig wird es aber, wenn einer plötzlich mehr will. "Sobald sich einer verliebt und mehr Verbindlichkeit wünscht, kommt es zu einer problematischen emotionalen Schräglage", so die Psychologin. Dann wird das Verhalten des anderen interpretiert, man reagiert eifersüchtig, stellt Forderungen und Besitzansprüche - Dinge, die so gar nicht zum Mingle-Dasein passen.

Spätestens dann ist der Moment gekommen, sich die Frage zu stellen: Will ich das so überhaupt? Kann ich diese unverbindliche Beziehung weiterführen oder erhoffe ich mir mehr? Wichtig ist es, offen über seine Gefühle zu sprechen und seine Wünsche und Erwartungen klar zu äußern. Dann gilt es, gemeinsam zu entscheiden, ob aus einer Mingle-Beziehung vielleicht mehr werden kann oder man doch besser getrennte Wege geht ...

Diese Sätze können Mingles nicht mehr hören:

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