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Beziehungsstatus Mingle: Das Beste aus zwei Welten?

von Fiona Rohde Erstellt am 6. Februar 2020
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Sind wir zusammen oder nicht? Eine wichtige Frage. Doch es gibt Menschen, die sich diese Frage gar nicht erst stellen. Die auch so glücklich sind – als Mingle.

Normalerweise ist es ja recht einfach: Man datet sich und entweder haben beide Interesse oder eben nicht. Und wenn es für beide passt, wird mehr draus. Das Problem jedoch ist: Dieses "mehr draus" kann man so oder so interpretieren.

Und oftmals bleiben zwei Menschen, die sich beide als spannend und anziehend empfinden, sowohl geistig als auch körperlich, in einer Zwischenstufe stecken. In der zwischen einer Beziehung und dem Singledasein. Und irgendwie geht es weder in die eine noch in die andere Richtung vorwärts. Denn aus unverbindlichem Dating wird eben nicht exklusiv und verbindlich. Willkommen im Leben eines Mingles!

Das steckt hinter dem Begriff Mingle

Das Wort "Mingle" ist eine Kreation aus "Single" und "Mixed". Der Trendforscher Peter Wippermann führte diesen Begriff aus der amerikanischen Marktforschung zum ersten Mal 2007 in Deutschland ein. Mingles sind offiziell zwar solo, also Singles, stecken gleichzeitig aber irgendwie auch in einer Art Beziehung. Nichts Halbes und nichts Ganzes also?

Bedingt, sagt die Expertin Lisa Fischbach, Psychologin und Beziehungsexpertin von der Online-Partnervermittlung ElitePartner. "Mingles wählen das Beste aus zwei Welten. Zum einen können sie die Geborgenheit einer Partnerschaft genießen und auf der anderen Seite alle Freiheiten eines Singlelebens."

Wer jetzt an Freundschaft plus oder Friends with benefits denkt, der irrt. Mingles sind mehr als das. Während erstere nämlich nur ab und zu im Bett landen und sonst lediglich gute Freunde sind, ähneln Mingles doch sehr einem verliebten Paar. Nur eben einem mit angezogener Handbremse und ein paar No-Gos.

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Wie genau funktioniert das Leben als Mingle?

Mingles machen also alles, was Paare eben so tun. Nur, dass sie gar kein Paar sind. Sie daten sich, sie gehen aus, sie haben Sex, sie genießen Zärtlichkeiten und Nähe, sie helfen sich, wenn es einem schlecht geht und sind füreinander da – aber eben nicht verbindlich, sondern nur genau in dem Maße, das beiden recht ist.

Eine wirklich feste Beziehung mit gegenseitiger Verantwortung gehen beide nicht ein. Jeder kann also jederzeit die Reißleine ziehen und auf Abstand gehen, sobald ihm danach ist. Ziemlich verwirrend und es klingt nicht wirklich so, als könne das Prinzip Mingle ohne Katastrophen funktionieren.

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Wer ist der klassische Mingle?

Für viele Menschen – vor allem jüngere zwischen 20 und 30 – hat das Mingle-Leben klare Vorteile: "Es ist ein guter Kompromiss, nichts Halbes und nichts Ganzes. Eine flexible Beziehungsform, die in eine Lebensphase des Experimentierens mit hohem Selbstbezug passt", erklärt Single-Coach Fischbach.

Und natürlich denkt man zunächst, das Beziehungsmodell Mingle ist vor allem für viele junge Menschen interessant. Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Weg im Leben sind, die sich noch nicht sicher sind, was sie wollen.

Es wäre jedoch zu einfach zu behaupten, dass Mingles nur die Twentysomethings wären. Auch wer älter ist und vielleicht gerade aus einer gescheiterten Beziehung kommt und die Schnauze voll hat vom Pärchenleben, der wählt das Mingles-Dasein.

Zudem sind es natürlich auch viele Menschen, die man zusammenfassend gerne als beziehungsunfähig oder zumindest beziehungsängstlich bezeichnen würde. Menschen, die Angst vor Zurückweisung haben und sich davor schützen wollen, verletzt zu werden. Und deshalb eben keine "richtige" Partnerschaft eingehen wollen.

Auch wer ständig auf noch etwas Besseres hofft, ist oftmals Mingle. Sei es, dass man sein Tinderprofil noch nicht löscht, obwohl man regelmäßig eine Frau oder einen Mann datet. Oder dass man sich auch weiterhin bewusst auf die Suche begibt, obwohl man als Mingle ja auch eine Art "Beziehung" führt. Für all diese Typen von Mensch ist das Zwischenmodell Mingle natürlich verlockend. Es gibt also nicht DEN einen typischen Mingle.

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Gründe für Mingles: Selbstverwirklichung statt großer Liebe

Die Zeiten, in denen man sein Leben lang am selben Ort bleibt, den gleichen Job ausübt und an der einen großen Liebe des Lebens festhält, sind bekanntlich vorbei. Was heute zählt sind Flexibilität, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Eine feste Beziehung? Passt nur bedingt in diesen Lebensentwurf. Auch ein Grund für das Dasein als Mingle. Eine Art Partnerschaft auf Abruf: Sex und Geborgenheit auf Wunsch, aber ohne Verpflichtung und Verantwortung.

Aber welche Auswirkungen hat das auf unser Verständnis von Beziehung und Partnerschaft? Überhaupt keine, wenn man Paarberaterin Lisa Fischbach glaubt. "Es ist eine Erweiterung der existierenden Beziehungsmodelle. Dennoch wird das romantische Liebesideal davon nicht beeinflusst. Das wird nach wie vor das am häufigsten gewählte sein: Alles für immer mit einem. Für viele bleibt das Mingle-Dasein eine Übergangsphase im Leben."

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Die große Gefahr beim Mingle-Dasein

Eine Übergangsphase, schön und gut. Und solange beide Partner die gleichen Erwartungen haben, kann das auch prima funktionieren. Schwierig wird es aber, wenn einer plötzlich mehr will. "Sobald sich einer verliebt und mehr Verbindlichkeit wünscht, kommt es zu einer problematischen emotionalen Schräglage", so die Psychologin. Dann wird das Verhalten des anderen interpretiert, man reagiert eifersüchtig, stellt Forderungen und Besitzansprüche – Dinge, die so gar nicht zum Mingle-Dasein passen.

Spätestens dann ist der Moment gekommen, sich die Frage zu stellen: Will ich das so überhaupt? Kann ich diese unverbindliche Beziehung weiterführen oder erhoffe ich mir mehr, als einfach nur ein Mingle zu sein? Wichtig ist es, offen über seine Gefühle zu sprechen und seine Wünsche und Erwartungen klar zu äußern. Dann gilt es, gemeinsam zu entscheiden, ob aus einer Mingle-Beziehung vielleicht mehr werden kann oder man doch besser getrennte Wege geht ...

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-> 3 Regeln für das Konzept Mingle

  • Offenheit: Es muss für beide Partner klar sein, dass man keine feste Beziehung führt und dies auch nicht plant.
  • Keine Liebe: Verliebt sich einer von beiden, funktioniert das Ganze nicht mehr und muss beendet werden. Es sei denn, der andere kann sich auch mehr vorstellen.
  • Gleiche Vorstellung von Distanz und Nähe: Beide müssen eine ähnliche Vorstellung von Nähe und Distanz und ihrer Art der "Beziehung" haben. Wie oft hat man Kontakt? Wie sehr muss man sich für den Anderen Zeit nehmen und wann darf man auch mal Nein sagen? Ist Kontakt zu anderen möglichen Partnern OK oder nicht?

Video: Nachgefragt: Kann eine offene Beziehung gutgehen?

Video von Redaktion

Diese Sätze können Mingles nicht mehr hören: