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Leben entrümpeln: Blick frei für das Wesentliche in 7 Schritten

von Fiona Rohde Geändert am 27. Juli 2021
Leben entrümpeln: Blick frei für das Wesentliche in 7 Schritten© Getty Images

Vielen geht es derzeit so: Sie trennen sich von Dingen, die sie nicht brauchen. Und das tut gut. Denn das eigene Leben zu entrümpeln, hat eine überraschende Wirkung. Gerade jetzt, wo uns Corona allesamt ausbremst, ist eine gute Gelegenheit, Dinge zu hinterfragen und zu überdenken. Zum Beispiel den eigenen Konsum und sinnlosen Besitz.

Weniger ist mehr - so lautet die Devise. Und es ist schon länger ein Trend, der von Millionen Menschen gelebt und geliebt wird. Auch ich selbst bin großer Anhänger davon, mich von überflüssigen Dingen zu befreien, weniger zu besitzen und in meiner Wohnung Luft zum Atmen zu haben.

Gerade derzeit, wo uns Corona so hart zurückwirft und sich der Alltag so anders gestaltet als wir es gewohnt sind, nutzen viele Menschen die Krise auch dafür, umzudenken und Gewohntes zu hinterfragen. Macht das alles so Sinn, wie ich es jahrelang gelebt habe? Führe ich ein Leben, das mir und meinen Vorstellungen entspricht? Oder bin ich längst gefangen im Hamsterrad aus Arbeit und Konsum?

Ein Gedanke, der durchaus sinnvoll ist. Denn oftmals haben wir uns an Dinge gewöhnt, die uns normal erscheinen, die aber eher absurd sind. So der ständige Konsum und der ständige Drang, Neues zu kaufen und zu konsumieren. Das ist weder logisch, noch nötig, noch entspricht es dem Gedanken von nachhaltigem Leben. Deshalb beginnen auch viele Menschen damit, ihr Leben zu entrümpeln und sich vom Ballast des Besitztums zu befreien.

Anfangs war genau das ein Phänomen von armen Studenten in den Großstädten. Wer kaum Geld hat, lebt zwangsläufig minimalistisch. Aber jetzt scheint das Ganze zum Trend geworden zu sein. Und zwar nicht aus Geldmangel, sondern weil man sich einfach gerne mit weniger umgeben möchte und merkt, wie wenig man eigentlich zu einem glücklichen Leben braucht. Minimalismus ist ein Trend, der nicht aus der Not, sondern aus dem Überfluss und dem Verdruss darüber geboren wurde.

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Video von Laura Dillschneider

Entrümpel dein Leben und finde das Wesentliche

Wenn es also nicht um fehlendes Geld geht, worum dann? Nun, beim Minimalismus geht es darum, sich vom sinnlosen Konsumieren zu verabschieden. Es geht um Konzentration auf das Wesentliche und es geht auch um Ordnung. Innen wie außen. Denn der schöne Nebeneffekt von weniger Konsum ist, dass die äußere Ordnung, die uns in unserem Alltag umgibt, dafür sorgen kann, dass wir auch innerlich mehr zur Ruhe kommen. Und es wirkt tatsächlich.

Alle reden immer vom kreativen Chaos, aber letztendlich stimmt das nicht für jeden von uns. Vielen von uns geht es eher so, dass sie sich in einer unruhigen, mit Kleinigkeiten vollgestopften Umgebung schlechter konzentrieren können. Da hilft die Ordnung um uns herum, uns mehr auf das Wichtige zu konzentrieren.

Deshalb probier es aus. Du wirst überrascht sein, wie sehr sich der Blick für das Wesentliche öffnet, sobald all der unnütze Kram um dich weg ist, und du dich nur noch mit Dingen umgibst, die dich bereichern. Ajahn Chah, ein buddhistischer Mönch sagte einst:

Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. Wenn du ganz loslässt, bist du frei.

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So lernst du dein Leben zu entrümpeln

Es ist nicht einfach, sich von Dingen zu trennen. Doch Minimalismus kann man lernen. Hier kommen 7 Schritte, mit denen du es schaffst, Ballast loszuwerden und Stück für Stück zufriedener zu werden. Und du trägst einen wichtigen Teil dazu bei, dass wir nachhaltiger leben und etwas gegen sinnlosen Konsum und damit auch den Klimawandel und die Verschwendung von Ressourcen tun.

Das bedeutet nicht, dass du dich von nun an von allem trennen und dem Konsum auf ewig abschwören musst. Vielmehr sind es kleine Schritte, die dazu führen werden, dass du umdenkst. Natürlich darf man auch weiterhin Dinge kaufen, die einem wichtig erscheinen. Dennoch helfen die folgenden 7 Schritte dabei, dass dies nicht mehr so ungehemmt und sinnfrei passiert. Also: Los geht's!

1. Das Entbehrliche finden

Schau dich mal in Ruhe in deiner Wohnung um. Alles schon tausend mal gesehen und so vertraut, dass man kaum mehr hinschaut. Frag dich: Brauche ich das alles? Brauche ich 15 Teetassen, so viele Klamotten, die aussortierten Kisten im Keller?

Und wer jetzt denkt: "Ach, irgendwann kann man das bestimmt noch gebrauchen. Ist doch noch intakt", der ist schon in die Falle getappt. Denn genau das ist die Denkweise, die dazu führt, dass unsere Wohnungen und Keller überquellen vor Dingen, die wir weder brauchen noch mögen.

Stell dir einfach folgende Fragen: Wann habe ich diesen Gegenstand das letzte Mal benutzt? Würde er mir fehlen, wenn ich mich davon trenne? Und am wichtigsten (da beziehen wir uns mal eben kurz auf die Japanerin Marie Kondo): Macht mich dieser Gegenstand glücklich? Mit diesem Blick solltest du die Dinge, die dich umgeben, von jetzt an betrachten und beurteilen.

Unpassende Geschenke, die man nur aus Höflichkeit behält, Pröbchen, Kataloge, Kellerbestände und Dachbodenleichen: Es gibt verdammt viele Dinge, die wir behalten und in unseren vier Wänden horten, ohne dass wir sie nutzen geschweige denn schätzen.

Die Regel: "Alles, was man länger als zwei Jahre nicht benutzt hat, kann weg" fällt nicht jedem von uns leicht. Aber man sollte hier wirklich an sich arbeiten. Spätestens bei einem Umzug wird einem bewusst, wie viel unnützen Krempel man mit sich rumschleppt. Und da muss man sich wirklich fragen: wozu?

2. Trenn dich - sortiere aus!

Wenn du schon oft daran gescheitert bist, dich von Dingen zu trennen, dann werde radikal. Nehmen wir zum Beispiel deinen Kleiderschrank. Hast du schon oft alles durchgesehen, um dann letztlich ein kümmerliches T-Shirt auszusortieren und alles andere doch zu behalten?

Dann mach folgendes: Hol alle Kleidungsstücke, die du besitzt aus den Schränken. Und zwar ALLE. Auch die, die im Keller eingemottet sind, die, die im Flur an der Garderobe hängen und die, die gerade in der Wäsche sind.

Leg alles auf einen Haufen und schau es dir an: Hättest du gedacht, dass du SO viel besitzt? Nur wer diesen riesigen Berg an Klamotten einmal gesehen hat, wird begreifen, dass er sich von vielen Dingen locker und entspannt trennen kann. Und ja, es ist auch leicht beschämend zu sehen, wie unfassbar viel Kleidung man angehäuft hat. Kleidung, die man niemals tragen kann.

3. Ein Teil gegen ein Teil

Minimalisten befolgen oft das Motto "Ein Teil rein, ein Teil raus". Will heißen: Für jedes neu gekaufte Ding, das du besitzt, versuchst du, dich von einem Besitztum zu trennen. Vielleicht ist der Wintermantel nicht mehr der, den du gerne trägst? Dann verkaufe den alten und kauf dir einen neuen.

Das ist leichter gesagt als getan, aber fang erst gar nicht an, den alten Mantel, den du gar nicht mehr magst, irgendwo aufzuheben, wo er zum reinen Mottenfänger wird. Erinnere dich an die schöne Zeit mit dem Mantel und verabschiede dich von dem guten Stück und gib es in die Altkleidertonne, verschenke oder spende ihn oder bring ihn zum Flohmarkt.

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4. Freude schenken

Vieles von dem, was man selbst nicht besonders mag aber irgendwie weiterhin besitzt, würde eine Freundin oder Bekannte vielleicht unfassbar happy machen. Deshalb teile alle aussortierten Dinge in folgende Kategorien ein:

> Second Hand Laden, Kleiderbörse, ebay, Kleinanzeigen, gebührenfrei auf vinted.de, Flohmarkt & Co. (so machst du noch etwas Geld aus den Dingen)

> Verschenken an Freunde, Bekannte (hier erhältst du ein gutes Gefühl als Dank - aber nur wenn du den Beschenkten die Wahl lässt, ob sie es auch wollen.)

> Weggeben bzw. spenden an Bedürftige

Lesetipp: Nicht reden, sondern machen! 7 gute Vorsätze, die TATSÄCHLICH umsetzbar sind

5. Direkt weg damit - nicht erst warten

Wenn ihr Dinge sortiert, dann trennt euch direkt. Geht direkt zum Altkleiderladen oder ladet Freunde zum Klamottenverschenken ein. Wer alles erstmal so stehen lässt, wird es nicht wirklich zu Ende bringen. Deshalb am besten kleine Mengen aussortieren, die man auch direkt weggeben kann.

Und: Man darf auch Dinge ausnahmsweise mal wegwerfen. Das ist zwar nicht wirklich korrekt, in unserer Überflussgesellschaft jedoch manchmal nötig. Wenn du ab jetzt darauf achtest, erst gar nicht wieder so viel unnützen Kram zu horten, dann ist das hier vielleicht auch das letzte Mal, dass du etwas wegwerfen muss.

6. Jeden Tag zum Sonntag machen

Oft lassen wir das teure Geschirr, die edlen Weingläser und die schöne Bettwäsche im Schrank und nutzen die "normalen" Dinge im Alltag. Das "Sonntagsgeschirr" wird nur zu besonderen Anlässen herausgeholt. Und das zeugt doch letztlich nur davon, dass wir uns selbst nicht wert sind, immer von dem besonderen Teller zu essen.

Warum nur heben wir die schönen Dinge für besondere Tage auf, anstatt uns täglich an ihnen zu erfreuen? Wir sollten jetzt leben und nicht irgendwann. Und wenn ein Teller zerbricht, so ist das nicht der Untergang der Welt. Also gönn dir einfach immer das Gute und trenn dich von den Dingen, die du eigentlich weniger schätzt.

7. Der Rabattfalle entgehen

Nur weil etwas ein Schnäppchen ist, heißt das noch lange nicht, dass wir es brauchen. Das gute Gefühl, Geld gespart zu haben, weicht schnell der Erkenntnis, dass man das Superschnäppchen letztlich weder braucht noch trägt.

Deshalb nicht im Affekt einkaufen, was man gar nicht braucht, nur weil es heruntergesetzt ist. Das verstopft dir nur deine Schränke, ohne dass es dir etwas bringt. Ganz im Gegenteil: Wenn z.B. der halbe Kleiderschrank aus ungeliebten Teilen besteht, belastet das einen eher.

Und: Es ist weit nachhaltiger und auch günstiger, wenn man bei seiner Kleidung und Einrichtung nicht ständig jedem Trend hinterherrennt. Das haben sich Firmen ausgedacht, die wollen, dass wir Geld ausgeben. Und so wechseln die Trends schneller als man gucken kann. Finde lieber deinen eigenen Stil, statt irgendeiner Mode hinterherzulaufen.

Der Effekt ist größer als du denkst

Wenn du alle 7 Punkte beherzigt hast und deine Wohnung endlich leer und übersichtlich ist, wirst du erstaunt sein, wie wohl du dich fühlen wirst. Es ist nicht nur einfacher, Ordnung in den eigenen vier Wänden zu halten, sondern man hat auch den Kopf frei für wichtigere Dinge.

Eine vollgestopfte Wohnung, in der überall Sachen herumliegen, sorgt auch dafür, dass wir Dinge verlegen, nicht finden, ständig aufräumen und ordnen müssen und das alles wofür? Das Leben ist ein bisschen zu wertvoll, um ständig zu putzen und Ordnung zu halten. Nutz deine Zeit lieber für wichtigere Dinge, die dir auch Freude bereiten.

Und das Wichtigste: Ab jetzt solltest du dein Konsumverhalten hinterfragen. Ja, es gibt den Kaufrausch und das schöne Gefühl, ein Schnäppchen ergattert zu haben oder nach dem neusten Trend gekleidet zu sein. Aber es ist ein kurzes Glücksgefühl, das auch ein Produkt unserer Konsumgesellschaft ist. Es gibt Dinge, die weit mehr befriedigen, als schnöder Mammon, Shopping und Berge an Besitztum. Brauchen wir nicht mehr im Leben, als neue Trendteile oder Produkt X oder Y?

Versuch ab jetzt achtsamer zu konsumieren, sonst sind deine vier Wände schneller wieder vollgestopf als du schauen kannst. Gerade jetzt können wir nachhaltig umdenken und klarer sehen, was wirklich wichtig ist. Konsum als Lebensinhalt ist es jedenfalls nicht.

Buchtipps zum Thema:

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Mehr als Entrümpeln - den Blick öffnen

Und was du hier im Kleinen angefangen hast, führen Minimalisten auch in anderen Bereichen fort. Sie trennen sich von Hobbys, die ihnen keinen Spaß machen, von Freunden, die ihnen nicht gut tun, gehen nur zu Verabredungen, die sie bereichern​. So führt man ein selbstbestimmtes Leben, in dem man immer zu dem stehen kann, was man tut.

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Erstellt am 5. Januar 2020
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