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Wann muss ich zum Arzt, wenn mein Baby schielt?

von Anne Walkowiak ,
Wann muss ich zum Arzt, wenn mein Baby schielt?© Getty Images

In ihren ersten Lebenswochen ist Schielen bei Babys normal. Wann der Silberblick aber nicht mehr niedlich, sondern abzuklären ist, welche Risikofaktoren das Schielen bei Babys begünstigen und vieles mehr, erfahrt ihr hier.

Video von Anneke Winkler
Inhalt
  1. · Ist das normal, wenn Babys schielen?
  2. · Was ist Pseudoschielen?
  3. · Anzeichen für Schielen bei Babys (Strabismus)
  4. · Ursachen für Strabismus
  5. · Was tun, wenn mein Kind schielt ?
  6. · Wie wird Babys Schielen behandelt?

Zwar werden unsere Babys im Gegensatz zu anderen Säugetieren mit offenen Augen geboren, wirklich sehen können Kinder aber noch nicht. Wie so vieles in ihrem Leben müssen sie auch das Sehen erst lernen oder besser gesagt trainieren.

Denn kurz nach der Geburt haben Babys noch nicht die volle Kontrolle über ihre Augen. Das heißt, viele Neugeborene und wenige Wochen alte Babys sehen ihre Umgebung nur schemenhaft und außerdem schielen sie hin und wieder. Wie lange der süße Baby-Silberblick bedenkenlos ist und wann Eltern aktiv werden sollten, wollen wir euch erläutern. Zusätzlich erfahrt ihr, welche Risikofaktoren Babys Schielen begünstigen können und auch, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Ist das normal, wenn Babys schielen?

Gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt kommt es immer wieder vor, dass ein Baby schielt. Man spricht sogar vom 'Babyschielen'. Geschuldet ist das der fehlenden Übung und damit auch der fehlenden Augenmuskulatur. Vor allem, wenn Babys müde oder wenn sie gerade aufgewacht sind, kommt es schnell mal zum Schielen. Auch Kranksein kann das Schielen mal verschlimmern. Passiert das nur gelegentlich, ist vermutlich alles in Ordnung.

Übrigens: Uns Erwachsenen geht es ähnlich. Wenn wir übermüdet sind oder auch mal zu tief ins Glas geguckt haben, neigt der ein oder andere von uns auch zum leichten Schielen.

Mit rund sechs Monaten sollten Babys in der Lage sein, einen Gegenstand oder auch Mama und Papa sicher mit den Augen zu fixieren. Und das auch über eine größere Entfernung. Kommt es ab diesem Alter noch zum Schielen, sollte man nicht zu lange warten und eine*n auf Babys spezialisierte*n Augenärzt*in aufsuchen. Das Problem "verwächst" sich nämlich nicht, sondern wird eher schlimmer.

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Dazu ein kleiner Exkurs in die Funktionsweise der Augen. Das rechte und das linke Auge senden, stehen sie parallel zueinander, je ein leicht versetztes Bild ans Gehirn. Das fügt die beiden Einzelbilder zu einem ganzen Bild zusammen. Wir können einen Gegenstand räumlich wahrnehmen.

Stehen die Augen jedoch nicht parallel, sondern eines (oder beide) weicht ab, kann das Gehirn das Bild dieses Auges nicht verarbeiten und vernachlässigt es deshalb. Das Gehirn tut das immer und immer wieder, was schließlich dazu führt, dass das schielende Auge eine Sehschwäche entwickelt und immer schlechter wird. Denn es wird im Gegensatz zum anderen Auge nicht trainiert.

Schielen bei Kindern, medizinisch auch Strabismus genannt, lässt sich besser behandeln, je eher man einen Spezialisten einschaltet. Ab dem Alter von acht Jahren sind entstandene Sehfehler und -schwächen verursacht durch das Schielen kaum noch rückgängig zu machen.

Was ist Pseudoschielen?

Manchmal meinen Eltern, ihr Kind würde schielen, weil es beim Betrachten so aussieht. Schuld am sogenannten Pseudoschielen kann aber ein 'zu breiter' Nasenrücken des Kindes sein. Wenn das Weiß im Bereich zum Nasenrücken kleiner als das an der Außenseite des Auges zu sein scheint, meint man, das Kind schielt.

Sicherheitshalber kann man das bei einer U-Untersuchung abklären lassen. Oft stehen die Augen des Kindes aber normal und es liegt kein Strabismus vor.

Lesetipp: Keine Pflicht für U-Untersuchungen: Wie sehr das unsere Kinder gefährdet

Anzeichen für Schielen bei Babys (Strabismus)

Haben Eltern den Eindruck, ihr Kind könnte nicht richtig sehen, bzw. es rutscht ein Auge des Öfteren weg, sollte das immer von einer/m Expert*in untersucht werden. Aber auch wenn eines der folgenden Symptome auftritt, kann das darauf hindeuten, dass dein Baby schielt, selbst, wenn es für dich nicht so aussieht:

  • Reagiert es in besonderem Maße oder überhaupt nicht auf direkte Lichteinstrahlung?
  • Hat es Schwierigkeiten, dich oder Gegenstände mit den Augen zu fixieren?
  • Kneift dein Kind häufig die Augen zusammen oder hält es sich die Augen oder nur ein Auge zu?
  • Hat es Probleme damit, Gegenstände zu greifen? Babys sollten das gezielt mit rund vier, fünf Monaten können.

Bei dem kleinsten Verdacht, dass dein Baby Probleme mit dem richtigen Sehen hat, sollte das untersucht werden. Du kannst erst einmal einen Termin bei deinem Kinderarzt bzw. der Kinderärztin machen. Er oder sie wird euch gegebenenfalls an eine*n Spezialist*in überweisen.

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Ursachen für Strabismus

Es gibt gewisse Faktoren, die Strabismus bei Babys begünstigen können. Dazu zählt beispielsweise die familiäre Vorbelastung. Das heißt, gab es in euren Familien bereits Fälle von Schielen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch dein Kind schielt, höher. Auch eine Sehstörung beim Kind kann Ursache für das Schielen sein. Hat ein Elternteil oder sogar beide eine stärkere Sehschwäche, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch das Kind eine hat.

Auch bei zu früh geborenen Kindern kann es häufiger zum Schielen kommen. Genauso wie bei Kindern mit einer nachgewiesenen Entwicklungsstörung.

Erkrankungen wie beispielsweise ein angeborener grauer Star oder ein Tumor können ebenfalls dazu führen, dass Babys schielen. Eine Untersuchung beim Augenarzt bzw. der Augenärztin klärt all das ab.

Was tun, wenn mein Kind schielt ?

Beim geringsten Verdacht, dass dein Baby nicht richtig sehen kann oder schielt, kannst du einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren. Zum einen, weil durch genaue Untersuchungen eine ernsthafte Erkrankung entdeckt werden oder ausgeschlossen werden kann. Zum anderen, weil eine frühzeitige Behandlung immer mehr Erfolgschancen verspricht, als eine später begonnene.

Tatsächlich lässt sich Schielen bei Babys schon sehr früh erkennen. Denn es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, die Augenfunktion zu testen und den Schielwinkel zu ermitteln, ohne dass der Patient oder die Patientin dafür etwas sagen können muss.

Wie wird Babys Schielen behandelt?

Schielen führt dazu, dass das schwächere Auge immer weiter abbaut. Deshalb ist die beste Behandlung, es zu trainieren. Mithilfe eines Pflasters geht das ganz einfach schon bei kleinen Kindern. Bei der sogenannten Okklusionstherapie werden die Augen des kleinen Patienten abwechselnd mit einem Pflaster abgeklebt, für ein paar Stunden am Tag oder auch tageweise. Das zwingt das Gehirn dazu, auch das schwache Auge zu nutzen.

Die Sehfähigkeit des Auges verbessert sich dadurch. Auch das Schielen kann sich deutlich verbessern und sogar ganz verschwinden. Liegt die ursprüngliche Ursache für das Schielen in einer ein- oder beidseitigen Sehschwäche, kann es sein, dass dein Kind zusätzlich und auch über die Zeit der Therapie hinaus, eine Brille benötigt.

In den seltensten Fällen und bei einer sehr großen Fehlstellung des Auges (großer Schielwinkel) kann auch eine Operation helfen.

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Wichtiger Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt bzw. der Ärztin. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr eure*n Arzt*in oder die Hebamme kontaktieren.

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