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Aufklärung für Kinder: Wie sag ich's meinem Kind?

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 7. Oktober 2019

Viele Eltern wissen nicht, wie sie das Thema Aufklärung mit ihren Kindern angehen sollen. Euch geht es auch so? Dann findet ihr hier ein paar hilfreiche Tipps.

Aufklärung bedeutet längst nicht mehr die verkrampft-unangenehme Gesprächsstunde mit den Eltern. Und auch der verstaubte Sexualkundeunterricht in Biologie ist lange überholt. Aufklärung passiert heute bei immer mehr Jugendlichen durch Freunde, durch das Internet - und immer öfter auch durch Pornografie.

Doch gerade die Flut an Pornografie, der Kinder heute via modernen Medien ausgesetzt sind, vermittelt einen oft gefühlsarmen und kaum realistischen Eindruck von Sexualität. Sex wird als rein körperlicher Akt vermittelt. Dabei ist erschreckend, wie wenig Jugendliche wirklich über Sex wissen, wenn sie ihn zum ersten Mal erleben. Aufklärung in der Familie ist und bleibt daher ungemein wichtig, um seinem Kind ein natürliches, gesundes Verhältnis zum Thema Sexualität zu ermöglichen.

Mit der rechtzeitigen Aufklärung, die auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, können Eltern den Grundstein für einen erfüllten Umgang mit Sexualität legen. Aber wie und wann sollte die Aufklärung unserer Kinder stattfinden? Hier findet ihr wichtige Tipps.

Wann klärt man sein Kind am besten auf?

Einen optimalen Zeitpunkt für die Aufklärung bei Kindern gibt es nicht. Wer allerdings aufmerksam die Entwicklung seines Kindes beobachtet, der merkt, wann gewisse Fragen aufkommen. Schon im Alter von drei bis vier Jahren können bei Kindern die ersten Fragen zur Sexualität auftauchen. Zum Beispiel, wenn ein kleines Geschwisterchen unterwegs ist.

Wenn Mamas Bauch plötzlich groß wird, steht schnell die Frage im Raum: "Wie kommt das Baby in den Bauch der Mama?" In einer guten Eltern-Kind-Beziehung ergeben sich die Gespräche rund um die Sexualaufklärung in diesen Fällen fast von selbst.

Anders sieht es aus, wenn die Kinder spüren, dass ihren Eltern ein Thema unangenehm ist. Am besten macht ihr euch im Vorfeld bewusst, wie ihr selbst zu Sexualität steht und welche Themen euch eher peinlich sind. In einem Gespräch mit dem Partner oder guten Freunden können Unsicherheiten gelöst werden, ehe sie sich auf das Kind übertragen.

Aufklärung bei (kleinen) Kindern

Kleine Kinder entdecken den eigenen Körper unbefangen und noch ohne Schamgefühl. Genauso wie sie die Umwelt im Spiel entdecken, entdecken sie auch ihren Körper und den ihrer Spielkameraden. Eltern sollten kindliche "Doktorspiele" also nicht verbieten. Körperliche Entdeckungstouren gehören im gewissen Maße zur Entwicklung dazu.

Kinder sollten spüren, dass sie mit ihrer Sexualität offen umgehen dürfen. Wenn Erwachsene diese natürliche Entdeckungsreise mit Verboten oder ihren eigenen Unsicherheiten hemmen, schadet das nur der freien sexuellen Entwicklung des Kindes.

Nach Möglichkeit solltet ihr früh beginnen, ehrlich zu eurem Kind zu sein. Die Frage "Woher kommen die Babys?" solltet ihr also mit: "Sie wachsen in Mamas Bauch" beantworten, anstatt eine wirre Geschichte zu erfinden oder gar die Antwort zu verweigern.

Besonders wichtig ist, dass ihr eurem Kind klar macht, dass es der Herr über seinen Körper ist. Wenn es gerade nicht schmusen will, solltet ihr euer eigenes Bedürfnis nach Zärtlichkeit zurückstellen! Macht eurem Kind klar, dass niemand es gegen seinen Willen berühren darf, egal, was derjenige sagt oder tut.

Aufklärung beim Schulkind

Sechs- bis Achtjährige gehen noch recht unbefangen mit ihrem Körper um. Zehn- bis Zwölfjährige finden es hingegen interessant, den eigenen Körper und seine Entwicklung zu beobachten. Wenn Kinder sich selbst streicheln, geht es um eine Erfahrung mit allen Sinnen, die der Seele guttut. Kinder versuchen mit dieser Art der "Selbst-Befriedigung" noch lange nicht, sich zum Höhepunkt zu bringen. Es geht darum, den eigenen Körper kennenzulernen und dadurch Identität aufzubauen.

Parallel dazu entwickelt sich das gesunde Schamgefühl. Eltern sollten ihrem Kind immer eine Möglichkeit zum Rückzug geben. Wichtig ist, im Zuge der Aufklärung auf das Kind einzugehen: sowohl in Phasen, in denen es besonders wissbegierig ist, als auch in Phasen, in denen es absolut nichts vom Thema wissen will. Dem Kind sollte keine Aufklärung aufgezwungen werden, es muss aber wissen, dass es ehrliche Antworten auf seine Fragen bekommt.

Aufklärung beim Teenager

Die Pubertät ist ein langer Prozess, der sich vom 10. bis zum 18. Lebensjahr ziehen kann. Die körperlichen und seelischen Veränderungen, die der Teenager durchläuft, können für ihn, genauso wie für seine Eltern, äußerst anstrengend sein.

Wenn ein Kind in die Pubertät kommt, sollte es soweit aufgeklärt sein, dass es von den eintretenden Veränderungen nicht allzu sehr überrascht wird. Die erste Menstruation, der erste Samenerguss, die emotionalen Höhen- und Tiefflüge... das alles ist schon aufregend genug. Sind die grundlegenden Fragen erst einmal geklärt, geht der Jugendliche entsprechend gelassen mit dem Thema Sexualität um.

Eltern müssen zu diesem Zeitpunkt eine gesunde Balance zwischen Einmischung und Respekt vor der Intimsphäre des Kindes finden. Das Schamgefühl des Pubertierenden sollte auf jeden Fall gewahrt werden.

Straßenumfrage: Wie habt ihr euer Kind aufgeklärt?

Aufklärung für Kinder: 5 Tipps für die Eltern

  • Seht die Aufklärung nicht als ein einmaliges Gespräch, sondern als Angebot der Kommunikation, auf das euer Kind jederzeit zurückkommen kann.
  • Nutzt passende Gelegenheiten! Wenn sich eine konkrete Situation ergibt, etwa eine Geburt, dann lässt sich Aufklärung natürlicher gestalten.
  • Nennt auch intime Begriffe beim Namen. Auch wenn ihr im Alltag eher "Lulu" oder "Pipi" verwendet, sollte euer Kind wissen, was eine Vagina und was ein Penis ist.
  • Lasst euer Kind seinen Körper und seine Sexualität entdecken und Fragen stellen!
  • Macht eurem Kind immer klar: Niemand darf es in Bezug auf seinen Körper zu etwas zwingen, das ihm unangenehm ist!

Buch- und Literaturtipps rund um das Thema Pubertät und sexuelle Aufklärung - mit gezielten Dokumenten für Mädchen und Jungen - findet ihr auf dem Internetportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Weitere Quellen:

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