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Disziplin lernen: Der wichtigste Skill auf dem Weg zum Erfolg

von Inga Back Erstellt am 29. Mai 2020
Disziplin lernen: Der wichtigste Skill auf dem Weg zum Erfolg© Getty Images

Disziplin ist einer der wichtigsten Faktoren für Erfolg. Doch nur die wenigsten Menschen kümmern sich bewusst darum. Die gute Nachricht: Man kann Disziplin lernen.

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass es gar nicht unbedingt die klügsten, kompetentesten oder talentiertesten Menschen sind, die sehr erfolgreich werden? Es gibt einen Faktor, der oftmals viel entscheidender ist: Disziplin.

Dies hat bereits der berühmte Marshmallow-Test vom Psychologen Walter Mischel in den 60er und 70er Jahren bewiesen. Bei dem Experiment gaben Forscher vierjährigen Kindern Marshmallows. Sie sagten ihnen jedoch, dass sie noch eine zweite Tüte bekämen, wenn sie die Marshmallows nicht sofort essen, sondern warten. Einigen Kindern gelang der so genannte Belohnungsaufschub, anderen nicht.

13 Jahre später traf man diese Kinder erneut. Diejenigen, denen die Impulskontrolle mit vier Jahren gelang, waren zielstrebiger, sozial kompetenter und sie schnitten in der Schule besser ab. Sie waren sogar seltener drogenabhängig. Intelligenter waren diese Kinder jedoch nicht.

Walter Mischel war es mit diesem Experiment gelungen zu beweisen, dass Selbstkontrolle, Geduld und Frustrationstoleranz für Erfolg wichtiger sind als Intelligenz.

Der Grund dafür ist, dass Erfolg seinen Preis hat. Er kostet Entbehrung, Ausdauer, Freizeit, oft Geld, Geduld, Mut und vieles mehr. Disziplin hilft dabei, diesen Preis zu zahlen.

Mal ehrlich: Ohne Disziplin würde niemand regelmäßig verzichten, hart arbeiten und über seine Grenzen hinausgehen, obwohl er nicht sofort Resultate sieht (also ohne direkte Belohnung). Aber mit Selbstkontrolle, Geduld und Ausdauer, kurzum mit Disziplin, geht's.

Disziplin lernen: 1. Führe dich nicht in Versuchung

Schon im Vaterunser steht "Führe uns nicht in Versuchung". Das Problem mit der Willenskraft scheint also ein uraltes zu sein. Wir wissen inzwischen auch, dass Willenskraft endlich ist und von äußeren Faktoren abhängt. Ein niedriger Blutzuckerspiegel senkt zum Beispiel unsere Willenskraft.

Es kostet uns Energie bewusst zu widerstehen. Und irgendwann ist sie aufgebraucht. Wer wirkich diszipliniert sein will, muss seine Umstände also dahingehend verändern, dass es einem leicht gemacht wird, diszipliniert zu bleiben. Man erliegt schnell dem Irrglauben, dass disziplinierte Menschen Versuchungen besser wiederstehen können. Das stimmt nicht. Disziplinierte Menschen vermeiden Versuchungen nur konsequent.

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Wer den festen Wunsch hat abzunehmen, füllt die Vorrätsschränke nicht mit Süßigkeiten. Wer konzentriert arbeiten möchte, schaltet sein Handy auf stumm (und legt es am besten weit weg). Wer nach der Arbeit zum Sport gehen möchte, fährt vorher nicht nach Hause, sondern direkt ins Fitnesstudio.

Jeder kennt es: Hat der Hintern einmal die Couch berührt, ist es gleich extrem schwerer wieder aufzustehen und sich zum Sport zu quälen. Je weniger Versuchungen man ausgesetzt ist, desto einfacher fällt es diszipliniert zu bleiben.

Disziplin lernen: 2. Begib dich in unbequeme Situationen

Übung macht den Meister – das gilt auch, wenn es um Disziplin geht. Die meisten Menschen sind nur deswegen nicht diszipliniert, weil sie sich nie in Situationen begeben, in denen sie sich in Disziplin üben könnten. Sie bleiben lieber in bequemen, einfachen Situationen. Das, was Disziplin verlangen würde, wird aufgeschoben oder gleich abgesagt.

Es ist auch nachvollziehbar: Unser Gehirn vermeidet alles außerhalb des Gewohnten, weil es Neues nicht so gut einschätzen kann. Es könnte gefährlich werden, also wird es vermieden. Das sich die Zeiten geändert haben und wir weitaus weniger Gefahren ausgesetzt sind als früher, ist dem Gehirn erst einmal egal.

Vermeidung und Aufschieberitis führen jedoch dazu, dass der Berg an Hindernissen irgendwann so groß ist, dass er unüberwindbar scheint. Selbst der disziplinierteste Mensch hätte damit Probleme.

Die Lösung ist also einfach: Lass es nicht so weit kommen und begib dich freiwillig in unbequeme Situationen. Nur so kann man Disziplin lernen.

Manchmal ist es schwierig zu erkennen, dass wir vor einer unbequemen Situation davonlaufen. Ein Indiz: Wenn alle anderen auch keine Lust auf eine Aufgabe haben. Dann ist es wahrscheinlich eine unbequeme Sache. Mach sie einfach. Du wirst erstaunt feststellen, dass es im Endeffekt nicht so herausfordernd ist, wie du dachtest. Vermutlich wirst du sogar gestärkt aus der Situation hervorgehen.

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Disziplin lernen: 3. Arbeite mit deinen Vorlieben, nicht gegen sie

Es gibt diese Menschen, die morgens um 5:30 Uhr aufstehen, Sport machen, gesund frühstücken und im Prinzip schon einen halben Tag erlebt haben, bevor der Rest der Welt überhaupt aufgewacht ist. Wir bewundern diese Menschen für ihre Disziplin. Wenn man sich aber mal mit ihnen unterhält, stellt man schnell fest: Es macht ihnen Spaß. Sie quälen sich morgens nicht, sie genießen es. Sie haben eine Routine gefunden, die sich für sie gut anfühlt und deshalb halten sie daran fest.

Wir setzen in unserer Gesellschaft Disziplin immer mit Willenskraft gleich, dabei stimmt das einfach nicht. Tatsächlich verfolgen wir gewisse Routinen nur dann diszipliniert, wenn sie uns entweder Spaß machen oder wenn wir einen tiefgehenden Grund dafür haben.

Du gehst zum Beispiel jeden Morgen diszipliniert zur Arbeit. Hast du immer Bock darauf? Nein, aber es bezahlt deine Rechnungen. Also bist du trotzdem motiviert zur Arbeit zu gehen. Manche Menschen hassen ihren Job sogar und gehen trotzdem jeden Tag hin. Das ist Disziplin.

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Erinnere dich an deine Jugend. Warst du früher im Tanzverein und hast dadurch mehrmals die Woche Sport gemacht? Wenn ja, dann hast du das getan, weil dir das Tanzen Spaß macht. 30 Minuten auf dem Laufband reizen dich dagegen nicht. Also gehst du nicht ins Fitnessstudio und glaubst, Schuld daran wäre mangelnde Disziplin. Dann machst du dich selber fertig dafür, dass du nicht mehr Willenskraft hast. Dieser Kreislauf muss aufhören.

Du bist diszipliniert, früher bist du ja auch sehr diszipliniert zum Tanztraining gegangen. Beide Situationen haben mit dir zu tun, beides ist Sport. Der einzige Unterschied ist, dass dir das Tanzen Spaß macht und ein Besuch im Fitnessstudio nicht.

Nutze deine Vorlieben zu deinem Vorteil. Es bringt nichts, zwanghaft zu versuchen, die Routinen anderer Leute zu übernehmen. Stattdessen musst du eine Routine finden, die sich für dich gut anfühlt. Dann folgt die Disziplin und das Durchhaltevermögen von alleine.

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Disziplin lernen: 4. Finde einen Grund

Wir haben es vorhin bereits angerissen: Wir bleiben diszipliniert, wenn uns etwas Spaß macht oder wenn etwas besonders wichtig ist. Dein Job hat eine hohe Wichtigkeit in deinem Leben, also gehst du jeden Tag hin, ob du willst oder nicht. Dieselbe Disziplin kannst du bei anderen Dingen erreichen, auch wenn sie dir keinen Spaß machen. Du musst nur einen guten Grund finden, um diese Dinge zu tun.

Wenn du nicht mehr zur Arbeit gehst, verlierst du deinen Job und bekommst folglich auch kein Gehalt mehr. Es hätte direkte Auswirkungen auf dein ganzes Leben. Das motiviert die meisten Menschen so sehr, dass sie jeden Tag früh aufstehen und zur Arbeit gehen – selbst dann noch, wenn sie ihre Arbeit hassen.

Ganz so dramatisch muss es nicht sein. Vielleicht willst du es einfach schaffen, mehrmals die Woche joggen zu gehen. Du hasst es nicht, aber es kostet dich dennoch Überwindung. Damit du auf Dauer trotzdem regelmäßig joggst, musst du etwas finden, was dich motiviert. Das muss bedeutend sein. Fünf Kilo weniger auf der Waage reichen nicht aus, um aus dir einen Jogger zu machen.

Geh tief in dich und forsche nach, was der Grund sein könnte, aus dem du joggen willst. Finde etwas, das einen Unterschied in deinem Leben machen wird.

Das ist auch der Grund, weshalb langjährige Raucher, plötzlich das Rauchen aufgeben können, wenn ihr Arzt ihnen sagt, dass sie es müssen. Sie haben vorher vielleicht schon zehn mal versucht aufzuhören. Sie wissen auch schon immer, dass es ungesund ist. Aber ein Besuch beim Arzt und auf einmal ist es kein Problem mehr, nie wieder eine Zigarette anzufassen.

Wer mehr Disziplin in einen Bereich seines Lebens bringen will, muss einen verdammt guten Grund dafür finden und dann geht es plötzlich.

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Disziplin lernen: 5. Erinnere dich daran, warum du diszipliniert bist

Selbst wenn es dir grundsätzlich Spaß macht und du auch einen guten Grund dafür hast, wird es Tage geben, an denen du keine Lust hast. Dann ist es auch egal, worum es geht. Es ist aber wichtig, dass man seine gewohnte Handlung trotzdem durchzieht. Das wird vielleicht nicht der produktivste Arbeitstag oder das effektivste Workout, aber es ist die Summe solcher Handlungen, die einen echten Unterschied macht. Ein mega Workout macht uns nicht fitter, aber viele Workouts (selbst nicht so effektive) schon.

An solchen Tagen musst du dir deine Motivation in Erinnerung rufen. Wofür machst du das Ganze? Sei ehrlich mit dir selbst.

Wenn du genau weißt, dass du zwar keine Lust hast, aber dass du dich besser fühlen wirst, nachdem du trainiert hast, fällt es leichter diszipliniert zu bleiben.

Wer Disziplin lernen möchte, muss auch lernen sich selbst zu motivieren. Im Alltag fallen wir in unseren gewohnten Trott und sehen nur noch die To-Dos, aber nicht mehr den dahinterstehenden Sinn. Ruf dir diesen Sinn in Erinnerung, wenn du das Gefühl hast, dass du es nicht schaffst diszipliniert zu bleiben. Mal dir aus, wie du dein Ziel erreicht hast. Mal dir aus, wie sich dein Leben dann verändert.

Ebenfalls sehr effektiv: Ruf dir in Erinnerung, dass du dich bereits verändert hast. Es kann immens helfen, wenn du dich selbst in einem anderen Licht betrachtest. Du bist jetzt einfach jemand, der gerne trainiert oder der gerne früh aufsteht (natürlich nur, wenn das auch stimmt).

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Im Übrigen: Wenn du mal einen kleinen Rückschlag hattest und das Training hast ausfallen lassen oder dir einen zusätzlichen Cheat Day gegönnt hast, betrachte dies als wundervolle Möglichkeit, um zu lernen. Finde heraus, wieso du nicht diszipliniert bleiben konntest.

Vielleicht kannst du noch ein wenig an deiner Routine oder deiner Motivation schrauben. Vielleicht sind auch deine anderen Gewohnheiten das Problem und du bekommst zum Beispiel zu wenig Schlaf.

Ein Rückschlag sagt noch nichts über dich aus. Du bist weder faul, noch fehlt es dir an Willensstärke oder an Disziplin. Niederlagen gehören einfach zum Erfolg, wie das Amen zur Kirche. Mach dir das bewusst, lerne aus dem Rückschlag für die Zukunft und mach weiter auf deinem Weg zu mehr Disziplin.