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Späte Mutterschaft: Darum verschieben Frauen ihren Kinderwunsch

von Anne Walkowiak Erstellt am 21. Oktober 2020
Späte Mutterschaft: Darum verschieben Frauen ihren Kinderwunsch© Getty Images

In Deutschland bekommen Frauen immer später ihr erstes Kind. Dabei ist der häufigste Grund dafür nicht die Karriere. Eine Umfrage hat nun ermittelt, weshalb Frauen ihren Kinderwunsch wirklich verschieben.

Das Durchschnittsalter für Erstgebärende lag 2019 nach Angaben des statitischen Bundesamtes bei 30,8 Jahren. Eigentlich ein gutes Alter, um Kinder zu bekommen. Tatsächlich lag das Durchschnittsalter für Frauen bei ihrem ersten Kind vor zehn Jahren aber noch bei 28,8 Jahren. Und die Anzahl der Frauen, die bei der Geburt 40 Jahre und älter waren, hat sich im Vergleich zu 1990 vervierfacht.

All diese Zahlen zeigen, dass Frauen heute immer älter werden, bevor sie sich für ein Kind entscheiden. Aber was steckt dahinter? Was sind die Beweggründe für Frauen, den Wunsch nach einem Baby zu vertagen?

Dem ist die Online-Arztpraxis Zava in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Splendid Research auf den Grund gegangen. In einer Umfrage von 1004 in Deutschland lebenden Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren ermittelten sie, warum Frauen auf Kinder verzichten oder ihren Kinderwunsch verschieben.

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Finanzielle Absicherung vor Familiengründung

Was Frauen am meisten beschäftigt, bevor sie ein (weiteres) Kind bekommen, sind die damit verbundenen Kosten. Tatsächlich gaben 31 Prozent der Befragten an, dass die hohen Kosten, die ein Kind verursacht, ein Grund gegen die Familiengründung ist. Vor allem für Akademikerinnen mit Bachelor-Abschluss steht die finanzielle Absicherung im Vordergrund. Unter ihnen gaben 39 Prozent an, dass sie ihren Kinderwunsch aufgrund der Kosten verschieben.

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Bei der Studie zeigte sich zudem ein regionaler Unterschied. Während Frauen aus Hamburg (41%), dem Saarland (40%) und Hessen (38%) die Kosten fürchten, die ein Kind verursacht, spielt das für Frauen in Bremen (12,5%), Schleswig Holstein (21,1%) und Sachsen (21,4%) eine untergeordnete Rolle.

Selbstverwirklichung vor Kinderwunsch

Über ein Viertel der befragten Frauen (28%) gab zudem an, sich erst selbst verwirklichen zu wollen, bevor sie die Verantwortung für ein Kind übernehmen.

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Dabei geht es weniger um die eigene berufliche Karriere, sondern vielmehr um die generelle Lebensqualität und die Erfüllung von Wünschen und Träumen. Da kann die eigene Karriere eine Rolle spielen, muss sie aber nicht. Vor allem Frauen zwischen 19 und 29 Jahren (40 %) gaben an, dass ihnen ihre Unabhängigkeit wichtiger ist, als der Wunsch nach einem Kind. Aber auch ältere Frauen zwischen 30 und 39 Jahren stellen die eigenen Wünsche vor die Familiengründung. Auch hier gab immerhin fast jede Fünfte an, dass ihnen die eigenen Träume wichtiger sind.

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Erst Karriere dann Kinder

Der Wunsch nach einer guten Karriere schlägt vor allem bei den 19 bis 29-Jährigen den Kinderwunsch und besonders bei Frauen mit höherer Bildung. Hier gaben 42 Prozent der Befragten an, dass ihnen Erfolg im Beruf wichtiger ist als die Familiengründung. Das gilt vor allem für Frauen im Saarland (41%), Rheinland-Pfalz (37%) und Brandenburg (31%).

Die Studie hat aber auch gezeigt, dass der Wunsch nach Karriere ab dem Alter von 30 Jahren stark abnimmt.

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Gar kein Kinderwunsch

Noch immer herrscht in unserer Gesellschaft der Glaube, dass es selbstverständlich sei, dass jede Frau ein Kind bekommen möchte. Die Umfrage von Zava zeigt allerdings, dass 28 Prozent der befragten Frauen gar keinen Kinderwunsch haben.

Und auch hier gibt es wieder regionale Unterschiede. Die Hälfte der Umfrage-Teilnehmerinnen aus Brandenburg gab an, keine Kinder zu wollen. In Sachsen-Anhalt waren es 45 Prozent und auch in Thüringen wollen 40 Prozent der Befragten keine Kinder.

Dabei haben Frauen mit einem Doktortitel am wenigsten Lust auf Kinder. 56% gaben an, keine Familie gründen zu wollen. Unter den befragten Teilnehmerinnen mit Berufsausbildung gaben ebenfalls 39 % an, keine Kinder zu wollen. Und auch 31 % der Frauen mit mittlerer Reife wollen keine Kinder und sind zufrieden mit ihrem Leben.

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Andere Gründe für die späte Mutterschaft

Neben den bereits genannten Gründen gaben die Studienteilnehmerinnen auch an, aus Angst vor einer schlechten Zukunft (ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisen) keine oder erst später Kinder bekommen zu wollen (20%).

Vom richtigen Partner machen 19 % die Familiengründung abhängig. Das gilt laut Umfrage besonders für Frauen mit höheren akademischen Abschlüssen.

Die Angst vor der Verantwortung, die ein Kind mit sich bringt, beschäftigt 15 Prozent der Befragten. Und Frauen ab 40 gaben in der Umfrage oft an, dass sie sich bereits zu alt für ein Kind fühlen.

Weitere Gründe für das Vertagen des Kinderwunsches und die ausführlichen Studienergebnisse findet ihr hier, auf der Seite der Online-Arztpraxis Zava.