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Social Freezing: So lässt sich der Kinderwunsch auf Eis legen

von Jane Schmitt Veröffentlicht am 8. April 2017

Frauen haben inzwischen die Wahl und können die Familienplanung mit Eizellen-Konservierung auf später verschieben. Social Freezing nennt sich das Ganze.

Seit einigen Jahren haben Frauen die Möglichkeit unbefruchtete Eizellen einfrieren zu lassen, um den Zeitpunkt für eine Schwangerschaft auf später zu verschieben.

Was ist Social Freezing?

Frauen, die zwar Kinder haben möchten, aber aktuell noch nicht bereit dafür sind, haben die Möglichkeit unbefruchtete Eizellen einfrieren zu lassen - das bezeichnet man als Social Freezing. Die Eizellen werden vorsorglich und ohne medizinischen Grund auf Eis gelegt.

Warum gibt es Social Freezing?

Die Konservierung der Eizellen war ursprünglich für jungen Frauen gedacht, die ihrem Kinderwunsch aus medizinischen Gründen (z.B. Krebserkrankung) nicht nachkommen können, es ermöglicht ihnen auch später noch Kinder zu bekommen, wenn die Krankheit überwunden ist. Für diese Gruppe der Anwenderinnen wird das Verfahren meist Medical Freezing genannt.

Inzwischen bietet das Verfahren auch allen anderen Frauen die Möglichkeit ihren Kinderwunsch später zu erfüllen – ganz egal, welche Gründe sie dafür haben.

Wie funktioniert Social Freezing?

Zunächst sollten sich Frauen bei ihrem behandelnden Frauenarzt informieren. Ist die Entscheidung für die Methode getroffen, gibt es in speziellen Kinderwunschzentren Beratungsangebote zum Thema Social Freezing. Danach werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen, dazu zählen Bluttests und Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken sowie eine Überprüfung des Hormonhaushalts.

Zur Vorbereitung der Eizellenentnahme unterziehen sich die Patientinnen einer speziellen Hormonkur, um die Eizellenproduktion anzuregen. Nach weiteren Kontrollen der heranreifenden Eizellen wird dann ein Termin zur Entnahme festgelegt.

​Der recht kurze Eingriff findet unter Narkose statt und nach Auslösen des Eisprungs. Die Eizellen werden aus den Eierstöcken entnommen, im Labor erneut untersucht und dann mit einer Art Frostschutzmittel bei circa -180 Grad Celsius eingefroren und in einem Kryozentrum gelagert.

Frauen, die sich für die Methode entscheiden, sollten sich klar machen, dass der Eingriff und auch die damit verbundene Hormonbehandlung immer mit einem Gesundheitsrisiko verbunden sind.

Wann ist der ideale Zeitpunkt für Social Freezing?

Beim Kinderwunsch spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Denn die sogenannte biologische Uhr tickt nun mal tatsächlich. Doch ab wann sollten sich Frauen über die vorsorgliche Konservierung von Eizellen wirklich Gedanken machen?

​Ab einem Alter von 30 Jahren sinkt bei Frauen die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden immer schneller. Daher entscheiden sich immer mehr Frauen dafür, ihre Eizellen für eine spätere Schwangerschaft einfrieren zu lassen. Gerade was die Qualität der Eizellen angeht, ist erneut das Alter entscheidend. "Die Qualität der Eizellen wird auffällig schlechter ab Mitte 30", sagt die Embryologin Helena Angermaier zur ARD.

Idealerweise sollten Frauen zwischen dem 25. und dem 35. Lebensjahr Eizellen konservieren lassen.

Was kostet Social Freezing?

Eine Behandlung zur Eizellenentnahme kostet in Deutschland zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Gebühren für die Lagerung der Eizellen in einem Kryozentrum. Zudem fallen Kosten für das spätere Einsetzen der Eizellen an. Das Social Freezing muss übrigens selbst finanziert werden.

Ist Social Freezing eine Absicherung für einen späteren Kinderwunsch?

Nein. Eine Erfolgsgarantie für eine Schwangerschaft gibt es auch auf diesem Wege nicht. Einige Anbieter für Reproduktionsmedizin suggerieren Frauen mit Kinderwunsch, dass es mit Social Freezing möglich sei, eine Art Fruchtbarkeits-Reserve anzulegen. Interessierte werden bei solchen Angeboten mit Sicherheiten gelockt, die einfach nicht versprochen werden können.

Ist Social Freezing erlaubt?

Während die Eizellenspende und auch die Konservierung bereits befruchteter Eizellen in Deutschland verboten ist, ist das Einfrieren der eigenen Eizellen und Social Freezing legal. Im Ausland hingegen, ist es möglich, sich auch mit fremden Eizellen befruchten zu lassen.

In vielen Ländern, auch in Deutschland, wird weiterhin über die ethische Vertretbarkeit des Social Freezing diskutiert, besonders in Bezug auf das Alter und bis zu welchem Zeitpunkt die künstliche Befruchtung gesetzlich erlaubt sein dürfe. Hierzulande gibt es bisher keine gesetzliche Altersobergrenze. Reproduktionsmediziner haben sich aber darauf verständigt keine Frauen über 50 zu behandeln. Israel hat beispielsweise das 55.Lebensjahr als Obergrenze festgelegt.

Besonders bedenklich ist, dass die verwendeten Lösungen, mit denen die Eizellen vor dem Einfrieren behandelt werden auch negative Auswirkungen auf die Zellstruktur haben können. Der deutsche Mediziner und SPD-Politiker Prof. Dr. Karl Lauterbach weist im Gespräch mit dem ARD darauf hin, dass es derzeit noch keine Langzeitstudien zur Entwicklung der Kinder, die über die Social-Freezing-Methode gezeugt wurden, gibt.

Als im Jahr 2014 bekannt wurde, dass die US-amerikanischen Konzerne Facebook und Apple für ihre Mitarbeiterinnen die Kosten für das Social Freezing übernehmen würden, damit diese nicht so früh aufgrund einer Schwangerschaft im Job ausfallen, entstand eine internationale Debatte über die Methode der Eizellen-Konservierung.

Mehr dazu erfahrt ihr hier: Erst Karriere, dann Kind: Bezahlen Facebook & Apple ihren Mitarbeiterinnen das 'Social Freezing'?

von Jane Schmitt