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Kinderwunsch: Das passiert beim Fruchtbarkeitstest für den Mann

von Anne Walkowiak Erstellt am 11. Februar 2021
Kinderwunsch: Das passiert beim Fruchtbarkeitstest für den Mann© Getty Images

Ein unerfüllter Kinderwunsch liegt statistisch gesehen zu gleichen Teilen an Mann und Frau. Eingehende Untersuchungen beider Partner klären die Ursache für die Kinderlosigkeit. Hier erfahrt ihr, wie der Fruchtbarkeitstest für den Mann abläuft, wie hoch die Kosten sind und was die Ergebnisse aussagen.

Schuld, im Sinne von Absicht, hat weder der Mann noch die Frau an einem unerfüllten Kinderwunsch. Lediglich die Ursache kann bei einem oder beiden Partnern liegen. Manchmal ist sie auch nach zahlreichen Tests und Untersuchungen nicht eindeutig zu bestimmen.

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Um zu klären, ob der unerfüllte Kinderwunsch auf eine Zeugungsunfähigkeit des Mannes zurückgeht, müssen unter anderem die Spermien genauer untersucht werden. Wie das so genannte Spermiogramm aussieht und welche Untersuchungen noch dazu gehören, erklären wir euch.

Fruchtbarkeitstest beim Mann: Wann sind Männer eigentlich am fruchtbarsten?

Während bei Frauen die Fruchtbarkeit ab dem 35. Lebensjahr stark abnimmt, sind Männer ein wenig länger in ihren "besten Jahren". Tatsächlich nimmt die Anzahl der Spermien und ihre Qualität durchschnittlich ab dem 40. Lebensjahr ab.

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Je älter der Mann bei der Zeugung eines Kindes ist, desto höher ist das Risiko für Chromosomenstörungen der Samenzellen, was bedeutet, dass die Samen genetische Defekte aufweisen können. Das kann zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Auch das Risiko einer frühen Fehlgeburt steigt mit zunehmendem Alter des Mannes (vor allem dann, wenn auch die Frau älter als 35 Jahre ist).

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Unerfüllter Kinderwunsch: Erste Schritte

Bleibt die gewünschte Schwangerschaft der Frau trotz regelmäßigem und ungeschützem Sex aus, muss der Ursache der Unfruchtbarkeit auf den Grund gegangen werden. Frauen finden bei ihrem Gynäkologen eine erste Anlaufstelle für Untersuchungen. Männer sollten einen Urologen oder Andrologen aufsuchen, oder das Paar wendet sich an eine Kinderwunschklinik.

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Vor der Untersuchung der Spermien mittels Spermiogramm wird ein allgemeiner Gesundheitscheck beim Mann gemacht. Dazu gehört ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt, der sich nach Vorerkrankungen und Operationen erkundigt. Familiäre Fruchtbarkeitsprobleme werden abgefragt, genau wie die Lebensgewohnheiten und -umstände (Stress bei der Arbeit oder privat sollte nicht verschwiegen werden. Der kann auch beim Mann Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben).

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Fruchtbarkeitstest beim Mann: Was ist ein Spermiogramm?

Das Spermiogramm ist eine genaue Untersuchung des Ejakulats des Mannes. Untersucht wird dabei, wie hoch die Anzahl der Spermien in der abgegebenen Probe ist, wie aktiv, also beweglich, sie sind und ob möglicherweise Fehlbildungen vorliegen.

Im Labor wird außerdem der pH-Wert des Ejakulats bestimmt, sowie Farbe, Geruch, Konsistenz und Zuckergehalt. Auch die enthaltenen Bakterien werden untersucht, sowie vorhandene Antikörper.

Verglichen werden die Werte der Probe mit Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Fruchtbarkeit von Männern (mehr dazu im Punkt: Was passiert bei der Untersuchung?).

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Fruchtbarkeitstest beim Mann: Wieviel kostet ein Spermiogramm?

Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch werden die Kosten eines Spermiogramms in der Regel von der Krankenkasse getragen. Am besten informiert ihr euch vor der Untersuchung bei eurer Krankenkasse über die Voraussetzungen für die Kostenübernahme.

Wer selbst für die Kosten aufkommt, muss mit einem Betrag zwischen 60 bis 90 Euro rechnen.

Wo wird das Spermiogramm gemacht?

Die Untersuchung des Spermas findet in einem Labor statt. Das ist entweder angegliedert an die Praxis des behandelnden Urologen bzw. Andrologen oder in der behandelnden Kinderwunschklinik. Am besten ist es deshalb, wenn auch die Spermaprobe in der Arztpraxis oder der Klinik gewonnen wird. Denn die beste Qualität hat das Sperma bei Körpertemperatur und das für bis zu 60 Minuten nach seiner Gewinnung.

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Von einem 'Spermatest für zu Hause' ist abzuraten. Zwar mag es viel angenehmer klingen, die Spermaprobe zu Hause zu gewinnen und selbst zu untersuchen als in einer Praxis. Doch die Ergebnisse des Spermatests für zu Hause sind wenig aussagekräftig und ersetzen keinen professionellen Laborbefund.

Wichtig: Der Besuch bei einem Urologen oder in einer Kinderwunschklinik bietet ein professionelles und diskretes Umfeld. Das medizinische Personal ist erfahren im Umgang mit seinen Patienten. Solltet ihr das Gefühl haben, dass es nicht so ist, solltet ihr oder euer Partner euch dort unwohl fühlen, spricht nichts dagegen, dass ihr nach einer passenderen Praxis oder Klinik sucht. Mann und Frau sollten durchgehend ein gutes Gefühl bei den Untersuchungen und möglichen Behandlungen haben.

Fruchtbarkeitstest beim Mann: Was passiert bei der Untersuchung?

Um die Spermien des Mannes genauer zu untersuchen braucht es also eine Probe. Am besten wird die direkt in der Praxis oder Klinik mittels Masturbation gewonnen, um die Qualität des Ejakulats zu garantieren. Es ist auch möglich, eine Probe zu Hause zu gewinnen, entweder über Masturbation oder das Auffangen in einem speziellen Kondom.

(Achtung: Herkömmliche Kondome oder Gleitmittel beeinträchtigen die Probe negativ und sollten deshalb gemieden werden.) Hier muss aber penibel darauf geachtet werden, dass die Probe nicht verunreinigt wird und außerdem bei Körpertemperatur binnen 60 Minuten ins Labor kommt.

Vor der Gewinnung des Ejakulats sollte der Mann nach Möglichkeit vier bis fünf Tage zuvor weder Geschlechtsverkehr gehabt haben, noch masturbiert haben. Länger als sieben Tage sollte der letzte Samenerguss aber auch nicht zurück liegen. Die Anzahl der Spermien wäre dann erhöht, ihre Beweglichkeit aber eingeschränkt.

Im Labor wird im ersten Schritt geschaut, wieviel Ejakulat vorhanden ist und welche Konsistenz es hat. Ein als zeugungsfähig geltender Mann sollte beispielsweise im Durchschnitt 1,5 Milliliter Ejakulat produzieren und das sollte sich binnen weniger Minuten bei Raumtemperatur verflüssigen.

Unter dem Mikroskop wird anschließend geschaut, wie viele Spermien enthalten sind, wie aktiv sie sind und welche Form sie haben. Zum Teil werden auch weitere Parameter untersucht.

Wie lange ihr auf die Ergebnisse der Untersuchung warten müsst, variiert von Labor zu Labor. Es kann zwischen einem und sieben Tagen dauern.

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Fruchtbarkeitstest beim Mann: Bedeutung der Laborergebnisse

Anhand von Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der Mann als voll zeugungsfähig, teilweise zeugungsfähig oder nicht zeugungsfähig eingestuft.
Die Richtwerte der WHO, nach denen ein Mann als voll zeugungsfähig gilt, sind:

  • 58% der Spermien müssen lebend sein
  • Das Ejakulat muss mindestens 39 Millionen Spermien beinhalten
  • Das Ejakulat sollte mindestens ein Volumen von 1,5 Milliliter betragen
  • Der pH-Wert sollte zwischen 7 und 8 liegen (neutraler Bereich)
  • Mindestens 4 % der Spermien müssen eine normale Form haben
  • Die Anzahl der weißen Blutkörperchen sollte 1 Millionen pro Milliliter nicht übersteigen

Sollten die Ergebnisse des Spermiogramms von den Richtwerten abweichen, wird in der Regel eine zweite Untersuchung acht bis zwölf Wochen nach der ersten gemacht. Zeigt auch die zweite Probe Abweichungen, sind nähere Untersuchungen erforderlich. Das kann beispielsweise eine Hormonuntersuchung oder ein Ultraschall sein.

Fruchtbarkeitstest beim Mann: Lässt sich die Spermienqualität beeinflussen?

Um den Kinderwunsch wahr werden zu lassen, können Männer proaktiv etwas für die Qualität ihrer Spermien tun. Dazu gehört an erster Stelle der gesunde Lebensstil. Aufs Rauchen sollte im besten Fall komplett verzichtet werden. Unter- bzw. Übergewicht sollten gemieden werden. Alkohol sollte nur hin und wieder oder gar nicht getrunken werden.

Zu eng und/ oder zu warm mögen es Spermien auch nicht. Männer sollten deshalb darauf achten, dass die Unterwäsche nicht zu eng sitzt. Auch vor einer Überhitzung (bspw. durch die Sitzheizung im Auto) sollten Männer ihre Hoden schützen.

Sind andere Gründe Ursache des unerfüllten Kinderwunschs, muss dies genauer untersucht und medizinisch angegangen werden. So kann eine Hormontherapie beispielsweise die Anzahl bzw. Qualität der Spermien verbessern. Sind andere Dinge wie eine genetische Vorbelastung die Ursache, kann auch ein medizinischer Eingriff helfen.

Auch mithilfe der künstlichen Befruchtung ist es möglich, seinen Kinderwunsch zu realisieren.

Quellen:
WHO
Netdotor.de
familienplanung.de

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Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.