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Liebe & Psychologie

Schmerzen beim Sex: Ursachen und Tipps, die euch helfen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 25. September 2019

Sex zu haben gilt ja bekanntlich als schönste Nebensache der Welt. Doch das ist leider nicht für jeden so. Denn nicht wenige Menschen haben arge Probleme beim Geschlechtsverkehr. Das kann sogar so weit gehen, dass sie unter extremen Schmerzen beim Sex leiden.

Wenn es um Schmerzen beim Sex geht, bezeichnet man das medizinisch als Dyspareunie. Was genau dahintersteckt und was ihr im Fall der Fälle dagegen tun könnt, erklären wir euch deshalb hier einmal ausführlich.

Was genau ist Dyspareunie?

Dyspareunie (auch Algopareunie) bezeichnet Schmerzen beim Sex. Statt erregend und angenehm zu sein, wird der Sex als unangenehm und sehr schmerzhaft empfunden. Frauen sind häufiger als Männer von Dyspareunie betroffen.

Die Gründe für die Schmerzen beim Sex können sowohl organischer als auch psychischer Natur sein – oftmals hängt beides zusammen. Denn nicht selten verstärken sich beide Faktoren, also körperliche und psychische, mit der Zeit. Daher ist es wichtig, das Problem frühzeitig anzugehen.

Schmerzen beim Sex: Belastungsprobe für die Beziehung

Wenn ein Paar keinen erfüllenden Sex miteinander haben kann und einer von beiden statt Lust nur Schmerz empfindet, liegt es auf der Hand, dass die Partnerschaft darunter leidet. Umso wichtiger ist es, die Ursachen zu klären, um das Problem zeitnah anzugehen. Denn nicht selten wird das Ganze zum Teufelskreis. Beispielsweise, wenn sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hat, den Spaß am Sex verliert und dem Liebesspiel in der Folge immer häufiger aus dem Weg geht.

Redet man nicht offen darüber, wird der Partner die Fehler bei sich selbst suchen und nicht verstehen, warum die Partnerin beim Sex keine Lust enpfindet und sogar Schmerzen hat. Vielleicht sorgt das Ganze auch für Streit oder ein Auseinanderdriften der Beziehung. Deshalb redet offen darüber, was mit euch los ist. So helft ihr euch selbst, aber auch eurem Partner mit der Situation umzugehen.

Dyspareunie: Was genau können Schmerzen beim Sex sein?

Es gibt nicht DEN einen Schmerz beim Sex, sondern viele Varianten. Während zum Beispiel manche Frauen einen krampfartigen Schmerz in der Scheide beim Eindringen des Penis spüren, fühlt sich das Eindringen bei anderen Frauen wie das Einführen eines Reibeisens an. Andere Frauen wiederum empfinden die Schmerzen beim Sex nur in besonderen Stellungen und haben beispielsweise das Gefühl, dass der Penis innen am Muntermund anstößt und dadurch Schmerzen verursacht. Ein Orgasmus bleibt in der Folge meist aus.

Auch die Dauer des Schmerzes ist sehr unterschiedlich. Mal ist er nur kurz und zeitlich begrenzt, mal bleibt der Schmerz auch nach dem Sex. So unterschiedlich wie die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, so stark unterscheiden sich auch die möglichen Ursachen. Deshalb: Bitte nicht still vor euch hinleiden, sondern holt euch Rat und Hilfe.

Der erste Ansprechpartner: Der Frauenarzt bzw. Urologe

Natürlich ist es in erster Linie wichtig, körperliche Ursachen abzuklären. Ging eine schmerzhafte Geburt mit einem Dammriss voraus? Liegt eine hormonell bedingte Scheidentrockenheit vor? Gab es eine hormonelle Umstellung durch eine neue Verhütungsmethode? Haben die Wechseljahre begonnen? Oder leidet man an einer Infektion? All das kann ein Grund sein. Der Frauenarzt kann hier als erster Ansprechpartner körperliche Ursachen aufspüren.

Liegen keine organischen oder hormonellen Ursachen vor, kann der Arzt weitervermitteln und den entsprechenden Ansprechpartner für den psychologischen Bereich nennen. Und keine Sorge: Es geht vielen Menschen ähnlich und es ist nichts Beschämendes, sich mit solchen Problem an einen Psychologen oder Therapeuten zu wenden. Und letztlich geht es hier darum, dass du dich wohlfühlst und dein Liebesleben und deine Sexualität wieder genießen kannst.

Betroffene Männer suchen natürlich ensprechend ihren Urologen auf, um sich Rat und Hilfe zu holen.

Schmerzen beim Sex: Die möglichen Ursachen

1. Körperliche Ursachen:

Eine Untersuchung beim Frauenarzt bzw. beim Urologen soll körperliche Gründe aufdecken. Die Ursachen sind vielfältig:

# akute oder chronische Harnwegsinfekte
durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöste Infektionen wie zum Beispiel:


Scheidenentzündung (Kolpitis)
Scheidenpilz
Entzündung der sogenannten Bartholindrüsen der großen Schamlippen (Bartholinitis)
Eileiter- und Eierstockentzündung (Adnexitis)
Genitalwarzen
Geschlechtskrankheiten, wie z.B. Trichomoniasis, Gonorrhö, Syphilis
Tuberkulose

# nicht-infektiöse Ursachen, die bei Frauen Schmerzen beim Sex auslösen können:

Scheidentrockenheit, z.B. aufgrund hormoneller Veränderungen
Narben, wie nach einem Dammschnitt oder Dammriss bei der Geburt
Endometriose
Myom
Vaginismus (Scheidenkrämpfe)
Muskelverspannungen bzw. allgemein zu hohe Muskelspannung im Beckenboden
sexuelle Funktionsstörungen
Reaktion auf chemische Verhütungsmittel
Unverträglichkeit von Intimpflegeprodukten
Schwäche der Scheidenwand (z.B. bei älteren Frauen)
angeborene Fehlbildungen der inneren Geschlechtsorgane
Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus oder Lichen planus

-> Ausführliche Informationen dazu findet ihr auch hier auf onmeda.de

Die Therapiemöglichkeiten sind je nach Ursache vielfältig. Je nach Krankheitsbild sollte der Partner ebenfalls untersucht werden, um beispielsweise bei einer Pilzinfektion eine Neuansteckung zu vermeiden.

2. Psychische Ursachen:

Kann der Frauenarzt bzw. Urologe körperliche Ursachen ausschließen, kann man einen Psychologen oder Psychotherapeuten zu Rat ziehen. In einem ersten "Probegespräch" wird abgeklärt, ob man an der richtigen Adresse ist und ob und was für eine Art der Therapie in Frage kommt. Es gibt mittlerweile auch viele Sexualmediziner, die weiterhelfen können.

-> Infos gibt es auch hier: Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie (DGSMTW e.V.)

Häufige Gründe: Wechseljahre, Scheidentrockenheit und Vaginismus

Viele Frauen leiden in den Wechseljahren unter Problemen beim Sex. Ganz oft Thema: Scheidentrockenheit. Ist die Vagina zu trocken oder empfindlicher, fühlt sich das Eindringen des Penis schnell schmerzhaft an. Hier helfen Gleitmittel recht zuverlässig.

-> Mehr dazu: Scheidentrockenheit: Trockene Scheide: Was wirklich gegen das Problem hilft

Auch eine bewusste oder unbewusste Ablehnung des Aktes an sich kann Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen. Eine solche Ablehnung kann darüber hinaus zu einer Verkrampfung der Scheidenmuskulatur führen, die als Vaginismus bezeichnet wird.

-> Mehr zum Vaginismus: Wenn Sex zum Krampf wird: Was genau ist Vaginismus und was hilft dagegen?

Bitte nicht still vor sich hinleiden

Viele Menschen neigen dazu, ihre Probleme nicht zu thematisieren, weil sie ihren Partner lieben und nicht enttäuschen wollen. Der gemeinsame Sex ist wichtig für das Nähegefühl und das möchte man eben nicht missen. Und so erträgt man dann schnell mal die Schmerzen. Einfach, damit es dann wenigstens der Partner schön hat. Bringt langfristig natürlich herzlich wenig, denn so ganz blind ist der eben auch nicht.

Das Dumme: Kommt dieser Sex-Pflichtakt dann häufiger vor, beginnt das Gehirn, Sex mit den unangenehmen bis schmerzhaften Empfindungen in Verbindung zu bringen. Dadurch kann sich eine grundlegende Abneigung bis hin zum Ekel gegenüber der Sexualität entwickeln.

Das solltet ihr bei Schmerzen beim Sextun tun

Deshalb: Seid offen und kommuniziert miteinander. Denn mal ganz ehrlich: Wer Sex miteinander hat und sich nackt und intim vor dem anderen zeigt, der kann auch Klartext reden, oder? Nehmt die Schmerzen beim Sex als Warnsignal des Körpers wahr. Und geht den Gründen nach.

Falsche Scham und mangelnde Kommunikation verschlimmern das Ganze nur. Also: Reden und etwas für euer Liebesleben tun! Lasst euch helfen – von eurem Partner oder holt euch professioinelle Hilfe. Auch der Rat einer Freundin kann extrem hilfreich sein.

Nachgefragt: Warum das Vorspiel so wichtig ist...

Auch auf gofeminin.de:

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von Fiona Rohde
 

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