Home / Mode & Beauty / Make-up & Pflege

Dermaplaning: Wie sinnvoll ist die Haarentfernung im Gesicht wirklich?

von Anna Haacks Erstellt am 25.09.21, 08:00
Dermaplaning: Wie sinnvoll ist die Haarentfernung im Gesicht wirklich? © Getty Images

Dermaplaning gilt schon seit einiger Zeit als Beauty-Garant für einen strahlenden und frischen Teint. Doch wie sinnvoll ist der Trend wirklich? Wir verraten euch alles, was ihr zu Dermaplaning wissen solltet. Zudem haben wir bei der Dermatologin und Autorin Frau Dr. med. Yael Adler nachgehakt.

Video von Jessica Jung

Gesichtsbehaarung ist bei den meisten von uns ganz unterschiedlich ausgeprägt. In der Regel befinden sich die meisten Haare an Wangen, Kinn oder Oberlippe. Es können sich jedoch auch Haare auf der Stirn oder auf den Schläfen befinden. Manche haben nur einen leichten Flaum oder vereinzelt dickere Haare. Andere leiden unter einer ausgeprägteren Gesichtsbehaarung oder unter einem sogenannten Damenbart.

Unabhängig davon, wie stark die Gesichtsbehaarung ausfällt, empfinden einige Frauen sie als störend und wollen sie loswerden. Eine Möglichkeit, um das Gesicht von den lästigen Härchen zu befreien, ist Dermaplaning. Dabei werden die feinen Gesichtshaare mit einem scharfen Messer, ähnlich einem Skalpell, entfernt.

Viele schwören auf die Methode, um einen strahlenden und frischen Teint zu erhalten. Doch wie sinnvoll ist der Beauty-Trend wirklich? Wir verraten euch alles, was ihr dazu wissen solltet. Zudem erfahrt ihr, was die Dermatologin und Autorin Frau Dr. Yael Adler zu Dermaplaning sagt.

Was sind die Vorteile von Dermaplaning?

Mithilfe von Dermaplaning sollen noch so feine Härchen schnell und unkompliziert entfernt werden können. Außerdem werde man durch den Peeling-Effekt abgestorbene Hautschüppchen los. Dadurch erscheint das Hautbild gleichmäßiger. Viele sagen Dermaplaning zudem eine Anti-Aging-Wirkung nach. In jedem Fall verleiht es dem Teint einen besonderen Glow, heißt es.

Leichter Gesichtsflaum wächst in der Regel nur langsam nach und kann durch Dermaplaning schnell entfernt werden. Auch Make-up lässt sich ohne Gesichtsbehaarung gleichmäßiger und leichter auftragen, da Cremes und Puder besser auf der Haut haften und nicht an den kleinen Härchen kleben bleiben. Dadurch werden auch pflegende Cremes schneller von der Haut aufgenommen und Unreinheiten können vorgebeugt werden, weil sich die Haut gründlicher reinigen lässt.

Lesetipp: Gua Sha: Was steckt hinter dem Beauty-Trend aus Asien?

Das sind die Nachteile von Dermaplaning

Beim Dermaplaning wird ein scharfes Messer verwendet, um die Haare gleichmäßig und präzise zu entfernen. Das geht zwar schnell, ist aber auch nicht ganz ungefährlich. Besonders wenn man keine ruhige Hand besitzt, kann es schnell zu unschönen Verletzungen kommen.

Wenn ihr Sorge vor eigens verursachten Verletzungen habt, könnt ihr Dermaplaning auch professionell bei einem oder einer Kosmetiker*in machen lassen. In einem professionellen Kosmetikstudio wird ein chirurgisches Skalpell mit einer gebogenen Kante verwendet.

Der Peeling-Effekt wird durch die professionelle Behandlung noch verstärkt. Allerdings sind die Kosten in einem Kosmetikstudio auch deutlich höher. Mit ca. 50 bis 100 Euro solltet ihr hier rechnen. Wenn es euch nur um die Entfernung der Gesichtshaare geht, reicht die Do-it-yourself-Methode in jedem Fall aus.

Wer eine empfindliche Haut hat, sollte das nicht machen.

Aus medizinischer Sicht ist Dermaplaning jedoch eher fragwürdig, wie uns die Dermatologin und Sachbuchautorin Frau Dr. med. Yael Adler verraten hat:

"Das Problem beim Rasieren der Gesichtshaut ist natürlich, dass man seine obere Hornschicht damit auch schwächt, seine Barriere schwächt. Die Barriere besteht aus Hornzellen, die sind eingebettet in eine Fett-Eiweiß-Schicht, die die Hornzellen, die man mit einer Ziegelsteinmauer vergleichen kann, umschließt wie ein Mörtel. [...] Und durch das Rasieren wird diese schützende Barriere-Schicht ausgedünnt. Das bedeutet, die Haut wird trockener und empfänglicher für Austrocknung, weil Feuchtigkeit nicht so gut eingeschlossen wird und eher verdunstet. Und auch für das Eintreten von Erregern und Allergenen und Reizstoffen. Wer also eine empfindliche Haut hat, sollte das nicht machen."

Wann ihr besser auf Dermaplaning verzichten solltet

Personen, die unter einer empfindlichen Haut leiden, sollten besser auf Dermaplaning verzichten. Das Gleiche gilt für diejenigen unter euch, die von Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte, Rosacea oder ähnlichen Hauterkrankungen betroffen sind.

Lesetipp: Fruchtsäurepeeling: Die wichtigsten Tipps und besten Produkte für zu Hause

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen kann es zu mittelstarken bis starken Hautreizungen kommen. Außerdem können sich die Symptome der Erkrankung verschlimmern. Ekzeme zum Beispiel vergrößern sich oder die Entzündungen werden stärker. Zudem kann es bei Unebenheiten auf der Haut viel schneller zu Verletzungen durch die scharfe Klinge kommen.

Auch Frau Dr. Adler betont, dass Personen mit Akne die Gesichtsrasur nicht durchführen sollten: "Bei Akne hat man ja Pickel und Entzündungen und wenn man dann Dermaplaning macht, dann rasiert man die Pickel auf und die Entzündungen können schlimmer werden. Und es kann Narben geben oder zumindest langfristige Flecken. Also postinflammatorische Hyperpigmentierung sind braune Flecken, die nach einer Entzündung oft lange bleiben, weil das Oberhautmelanin in die Lederhaut abtropft und dort echt lange liegen bleibt."

Frauen mit einer sehr starken Gesichtsbehaarung oder dunklen und dicken Haaren sollten ebenfalls die Finger von Dermaplaning lassen. Denn in diesen Fällen kann es schnell zu Haarwurzelentzündungen kommen. Auch kleine Pickelchen sind keine Seltenheit.

Mehr zum wichtigen Thema Haut, erfahrt ihr in dem wissenswerten Sachbuch "Haut nah: Alles über unser größtes Organ. Neu mit Praxisteil" (hier bei Amazon)* von Frau Dr. Yael Adler. Die Dermatologin und Autorin beleuchtet in ihrem Buch alle wichtigen Aspekte unseres größten Organs auf eine anschauliche und unterhaltsame Weise.

So funktioniert Dermaplaning – Step by Step

Ihr habt euch entschieden, dass Dermaplaning zu euch passt und ihr es ausprobieren wollt? Wir erklären euch Schritt für Schritt, wie ihr Dermaplaning selbst zu Hause anwendet. Die Methode ist eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, um störende Haare im Gesicht loszuwerden.

Um eine Gesichtsrasur durchzuführen, benötigt ihr lediglich einen sogenannten Dermaplane-Rasierer. Häufig sind Gesichtsrasierer gleichzeitig Augenbrauenrasierer.

> Dermaplane-Rasier-Set von Wilkinson gibt es hier bei Amazon.*

Dementsprechend günstig ist die Methode, wenn ihr selbst Hand anlegt. Praktisch ist zusätzlich ein kleiner Spiegel mit Vergrößerungsfunktion (gibt's hier bei Amazon)*.

Frau Dr. Adler betont jedoch, dass die Klinge eures Dermaplane-Rasierers scharf sein sollte, da es sonst zu Haarbalgentzündungen kommen kann.

Dermaplaning-Anleitung:
Zunächst sollte das Gesicht mit einer schonenden Waschlotion gereinigt werden. Ihr könnt auch zu einem für eure Haut geeigneten Gesichtswasser greifen. Auch die Klinge solltet ihr vor dem Treatment desinfizieren, um zu verhindern, dass Bakterien in mögliche Wunden gelangen. Vor allem, wenn die Klinge nicht steril geliefert wurde.

Tipp: Am besten ihr zieht währenddessen ein Haarband an oder bindet euch ein Handtuch um den Kopf, damit euch eure Kopfhaare nicht stören.

Anschließend stellt oder setzt ihr euch vor einen Spiegel und zieht die Hautpartie, auf der die Haare entfernt werden sollen mit zwei Fingern glatt und straff. Mit der anderen Hand setzt ihr das Messer vorsichtig an und fahrt mit dem Dermaplane-Rasierer in kurzen Abständen und zügigen Bewegungen über die Hautpartie.

Die Haare und mögliche Hautschuppen sammeln sich am Ende der Hautpartie. Diese könnt ihr einfach mit euren Fingern oder mit einem Kosmetiktuch entfernen. Pickel oder andere Hautunreinheiten lasst ihr besser aus, da es hier schnell zu Verletzungen kommen kann.

Lesetipp: Mitesser entfernen: Die besten Tipps und Anti-Mitesser-Produkte

Nach der Behandlung solltet ihr eure Haut mit genügend Feuchtigkeit versorgen. Tragt dazu einfach noch eine wohltuende Feuchtigkeitspflege auf eurem Gesicht auf.

> Feuchtigkeitspflege für das Gesicht von Weleda gibt es hier bei Amazon.*

Je nach Bedarf könnt ihr die Behandlung alle ein bis zwei Wochen wiederholen.

Auf weitere Beauty-Treatments, die eure Haut zusätzlich strapazieren, solltet ihr erstmal verzichten. Die Haut benötigt auch kein zusätzliches Peeling. Eure Gesichtshaut freut sich außerdem, wenn ihr einige Stunden auf Make-up verzichtet, um mögliche Reizungen zu vermeiden.

Tipp: Sinnvoll ist die Behandlung abends vor dem Schlafengehen durchzuführen, damit sich die Haut über Nacht regenerieren kann. Zudem ist es wichtig, dass ihr eure Haut in den ersten Tagen nach der Behandlung vor der Sonne schützt, da es schnell zu Pigmentflecken oder einem Sonnenbrand kommen kann.

Neben Dermaplaning könnt ihr eure Haut auch mit einem handelsüblichen Rasierer oder einem speziellen Augenbrauenrasierer entfernen. Wenn ihr nur einzelne Haare entfernen wollt, eignet sich am besten eine Pinzette. Oder aber ihr greift zu Enthaarungscreme, die speziell für das Gesicht geeignet ist. Aber auch hier besteht Irritationsgefahr! Also seid vorsichtig, wenn ihr sensible Haut habt.

Solltet ihr viele Haare haben, die länger als einen halben Zentimeter sind, eignen sich ebenfalls Kaltwachsstreifen aus der Drogerie. Alternativ zum Waxing könnt ihr eure Gesichtshaare auch mithilfe der Fadentechnik enfernen. Da diese Methode jedoch etwas komplizierter ist, macht es mehr Sinn hiefür eine professionelle Fachkraft aufzusuchen.

Kommt es nach Dermaplaning zu einem verstärktem Haarwuchs?

Einige von euch haben sicher schon einmal von dem Gerücht gehört, dass sich der Haarwuchs nach dem Rasieren verstärkt. Doch in diesem Fall können wir Entwarnung geben – denn ein verstärkter Haarwuchs nach der Rasur ist definitiv nur ein Mythos.

Die Dicke und die Länge eines Haars sind genetisch in der Haarwurzel verankert. Was mit den Härchen über der Haut passiert, hat keinerlei Einfluss auf die Haarwurzel. Denn Haare sind tote Materie. Es werden keine Informationen von der Haarspitze an die Haarwurzel weitergegeben.

Auch lesen: Chemisches Peeling: Ist es wirklich gut für die Haut?

Nach dem Rasieren fühlt sich die Haut in der Regel erst einmal ungewohnt weich und glatt an. Wenn dann die ersten Stoppeln nachwachsen – und das passiert in der Regel schneller als erwartet – fühlt sich die Haut gleich wieder rauer an. Dadurch wirkt es möglicherweise für einen selbst so, als wären mehr Haare nachgewachsen als vorher.

Das Fazit der Dermatologin Dr. Yael Adler

Insgesamt sieht Frau Dr. Adler in Dermaplaning jedoch eine kosmetische Behandlung, die aus medizinischer Sicht fragwürdig ist.

"Eigentlich ist das keine dermatologisch empfehlenswerte Prozedur. [...] Es schwächt die Barriere aus Hornschuppen, Fett und Eiweiß. Es verändert oftmals auch den Säureschutzmantel, weil vielleicht auch zur Rasur irgendwelche alkalischen Schäume benutzt werden [...]. Das heißt der Säureschutzmantel, der eigentlich sauer sein soll (pH-5), geht unter Umständen kaputt. Dann können sich die falschen Erreger vermehren."

Wir sind der Ansicht, dass es sich bei Dermaplaning um eine schnelle und unkomplizierte Methode handelt, um störende Härchen im Gesicht loszuwerden, die noch dazu günstig ist, wenn ihr sie selber durchführt. Dennoch solltet ihr euch gut überlegen, ob euch die optischen Vorteile so wichtig sind, dass ihr mögliche Risiken wie eine Austrocknung der Haut in Kauf nehmt. Bei der Benutzung eines scharfen Messers solltet ihr in jedem Fall vorsichtig sein.

Mehr lesen: Langer Halt und intensive Farbe: Wie gut ist der „Lip Power“ Lippenstift von Giorgio Armani?

Doch das Beauty-Treatment ist nicht für jeden geeignet. Personen mit empfindlicher Haut oder bestimmten Hauerkrankungen sollten ohnehin die Finger von Dermaplaning lassen. Das A&O nach einer Gesichtsrasur ist Feuchtigkeit und Pflege. Geht daher behutsam mit eurer Haut um und sie wird es euch danken.

decore-1
decore-2
decore-3
decore-4
decore-5
NEWS
LETTERS
News, Tipps und Trends... wir haben viele spannende Themen für dich!

Etwas Wichtiges zum Schluss: Hautpflege ist immer sehr individuell. Ob die von uns beschriebenen Tipps oder vorgestellten Produkte für dich funktionieren, kannst nur du selbst beurteilen. Wenn du eine sehr sensible Haut hast, die zu Irritationen neigt, kann es ratsam sein, einen Hautspezialisten aufzusuchen. So findest du garantiert die Pflege, die zu den Bedürfnissen deiner Haut passt.

* Affiliate-Link