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Louwen-Diät: Mit der richtigen Ernährung zur schmerzfreien Geburt?

von Anne Walkowiak Erstellt am 5. Juni 2021
Louwen-Diät: Mit der richtigen Ernährung zur schmerzfreien Geburt?© Getty Images

Die Louwen-Diät verspricht eine pünktlichere, schnellere und schmerzfreiere Geburt. Aber kann das funktionieren?

Video von Esther Pistorius

Vor der Geburt haben viele Schwangere Respekt. Vor allem Wehen, Schmerzen und die Dauer der Geburt können Angst machen. Zwar weiß niemand vorher, wie genau die Geburt des eigenen Kindes ablaufen wird, die Geschichten und Erzählungen von Bekannten und Freunden sind jedoch oft eher negativ.

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In Vorbereitung auf eine leichtere Geburt recherchiert man in der Schwangerschaft deshalb nach Möglichkeiten, Schmerzen natürlich zu lindern. Dabei stößt man auch auf die Louwen Diät, benannt nach Prof. Dr. Frank Louwen, Arzt und Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Universitätsklinik Frankfurt. Seine Idee: Ändern Frauen in den letzten sechs bis acht Schwangerschaftswochen (SSW) ihre Ernährungsweise, erleichtert und beschleunigt das die Geburt und nimmt Schmerzen.

Welche Lebensmittel laut Louwen Diät aus der Ernährung einer Schwangeren gestrichen werden sollten und welchen Effekt dieser Verzicht auf Zeitpunkt und Schmerzen der Geburt haben kann, wollen wir uns näher anschauen.

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Was ist die Louwen Diät?

Bei der Louwen Diät geht es nicht, anders als der Name vermuten lässt, ums Abnehmen, sondern darum, die Geburt für Mama und Baby so leicht wie möglich zu machen. Nach der Louwen Diät sollten Frauen in den letzten Wochen vor der Geburt (rund um die 34. Schwangerschaftswoche) vor allem Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index aus ihrer Ernährung streichen. Das sind Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen, wie kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel aus bestimmten Getreidesorten (z.B. Brot, Nudeln, Reis) und bestimmte Obst- und Gemüsesorten (z.B. Kartoffeln, Ananas, Wassermelone).

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Diese Ernährungsumstellung in der Schwangerschaft gleicht dem Prinzip der Glyx-Diät (Glyx steht für Glykämischer Index)) und auch dem der Logi-Methode (Logi steht für Low Glycemic Index). Aber warum soll sich eine Ernährung mit weniger Kohlenhydraten in der Schwangerschaft positiv auf die Geburt auswirken?

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So funktioniert das Prinzip Louwen Diät

Um die Funktionsweise der Louwen Diät zu verstehen, müssen wir uns bestimmte Prozesse im Körper der Schwangeren genauer ansehen.

In den letzten Schwangerschaftswochen (ca. ab der 35. Schwangerschaftswoche) produziert der Körper das Hormon Prostaglandin verstärkt. Das hat unter anderem die Funktion, den Muttermund aufzuweichen und Wehen auszulösen, regelt aber auch die Entzündungs- und Schmerzreaktionen im Körper der Frau. Damit die Prostaglandine ausreichend wirken können, müssen sie an gewisse Rezeptoren im Körper andocken.

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Das bringt uns zu glykämischen Lebensmitteln und der Ausschüttung von Insulin in unserem Körper. Denn essen wir besonders zucker- oder kohlenhydratreich, steigt unser Insulinspiegel. Und Insulin (und Inulin) docken an denselben Rezeptoren an wie Prostaglandin. Das heißt: Ernährt sich eine Schwangere hauptsächlich glykämisch, führt das dazu, dass Rezeptoren vom Insulin 'besetzt' sind. Das Prostaglandin, das ja trotzdem im Körper der Schwangeren produziert wird, hat nun keine Andockstellen.

Das kann dazu führen, dass der Start der Geburt verzögert wird, die eigentliche Geburt länger dauert und auch schmerzhafter ist, denn die schmerzlindernden Prostaglandine konnten nicht andocken, sondern 'schwimmen' ungebunden im Blut herum.

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Im Video: Ernährung in der Schwangerschaft

Video von Aischa Butt

Das sind die Vorteile der Louwen Diät

Hält man sich in den Wochen vor der Geburt an die Empfehlungen der Louwen Diät, verspricht diese Ernährungsform viele Vorteile. Denn die Geburt soll:

  • rechtzeitig zum errechneten Geburtstermin (ET) stattfinden
  • leichter sein
  • schneller gehen
  • weniger Schmerzen bereiten

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Das sind die Nachteile der Louwen Diät

Wirkliche Nachteile dieser Ernährungsumstellung gibt es nicht, außer vielleicht, dass man in den noch entspannten letzte Wochen vor der Geburt auf die geliebte Pasta oder Pizza verzichten muss. Denn es geht, wie bereits erwähnt, nicht darum Gewicht zu reduzieren und deshalb Kohlenhydrate wegzulassen oder Portionen zu halbieren. Bei der Louwen Diät geht es um eine abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung, die lediglich Lebensmittel 'verbietet', die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen.

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Zwar mag die herkömmliche Pizza vom Lieblingslieferdienst unter der Louwen Diät nicht erlaubt sein, die selbstgemachte Vollkorn Pizza ist es aber. Auch in Sachen Pasta müsst ihr nicht gänzlich verzichten. Statt der hellen Weißmehlnudeln setzt ihr in den letzten Wochen der Schwangerschaft einfach auf Vollkornnudeln.

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Und was darf man auch nicht essen, wenn man bei der Louwen Diät auf glykämische Lebensmittel verzichten muss?

Welche Lebensmittel sind bei der Louwen Diät verboten?

Keine Angst, die Liste der Lebensmittel, die ihr nur ein paar Wochen weglassen müsst, wenn ihr die Louwen Diät befolgen wollt, ist nicht unendlich lang. Und auch an Alternativen zu verbotenen Lebensmitteln mangelt es nicht.

Getreide
Auf Brot und Nudeln aus Weißmehl solltet ihr verzichten. Auch Reis und Hirse sind nicht gestattet. Süßigkeiten und Kuchen werden bei der Louwen Diät auch nicht gegessen.

Gemüse
Gemüse ist während der Schwangerschaft immer eine gute Energiequelle und gesund. In den letzten Wochen der Schwangerschaft solltet ihr unter der Louwen Diät jedoch auf Kartoffeln, gekochte Möhren, Mais, Kürbis und Erbsen verzichten.

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Obst
Auch Obst ist (in der Schwangerschaft) wichtig für eine ausgewogene Ernährungsumstellung. Einiges Obst enthält allerdings sehr viel Fruchtzucker, welches den Blutzuckerspiegel zu schnell ansteigen lässt. Dazu zählt zum Beispiel Trockenobst. Aber auch Ananas, Banane, Mango, Papaya, Weintrauben oder Melonen haben einen zu hohen Fruchtzuckergehalt.

Unbedingt meiden solltest du Lebensmittel, die raffinierten Zucker und auch Honig enthalten.

Welche Lebensmittel sind bei der Louwen Diät erlaubt?

"Für zwei" sollte auch in der Schwangerschaft niemand essen, denn der Mehrbedarf an Kalorien ist nicht so hoch, wie man glauben könnte. Im dritten Trimester liegt er bei ca. 250 - 500 kcal mehr als im nicht schwangeren Zustand.

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Wer sich in den letzten Schwangerschaftswochen gemäß der Louwen Diät ernähren möchte, darf bei diesen Lebensmitteln zugreifen:

Getreide
Roggen, Hafer, Voll- und Mehrkornprodukte sind okay, genauso wie Quinoa, Buchweizen und Gerste.

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Gemüse
Bis auf die oben genannten 'verbotenen' Gemüsesorten dürft ihr bei allen anderen nach Herzenslust zugreifen. Dazu zählen Blattsalate, Spinat, Auberginen, Brokkoli, Tomaten oder Paprika. Rohe Möhren sind auch erlaubt. Auf Zwiebeln und Knoblauch müsst ihr auch nicht verzichten, wenn ihr beides vertragt.

Obst
Im Sinne der Louwen Diät sind Äpfel, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen Pflaumen, Beeren und Kiwis. Auch Zitrusfrüchte wie Mandarinen, Orangen oder Zitronen sind kein Problem.

Hülsenfrüchte
Besonders in den letzten Schwangerschaftswochen neigen viele Schwangere zu einem Eisenmangel. Der Verzehr von Hülsenfrüchten wie Linsen und Kichererbsen kann dem entgegenwirken. Am besten isst man sie in einem 'sauren Milieu' - gewürzt mit Essig oder Zitronensaft, denn nur dann kann das so wertvolle Eisen auch vom Körper aufgenommen werden.

Tierische Lebensmittel
Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte dürft ihr während der Louwen Diät auch essen.

Wer darf die Louwen Diät machen?

Gesunde Schwangere ohne Vorerkrankungen, Komplikationen oder eine Essstörung können sich nach der Louwen Diät ernähren. Allerdings sollte das vorab mit der behandelnden Ärztin oder Hebamme abgesprochen werden. Und natürlich gilt auch bei dieser besonderen Ernährung, dass sie ausgewogen sein muss.

Verzichten sollten Schwangere auf diese Ernährung, wenn sie an einer Stoffwechselerkrankung wie z.B. Diabetes Typ 1 leiden. Aber auch hier gilt: Bei Fragen sollte immer die behandelnde Gynäkologin oder die Hebamme um Rat gefragt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine fachliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr eure Frauenärztin kontaktieren.