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Liebe & Psychologie

Fußfetisch: Wenn Füße für Ekstase sorgen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 17. November 2019

Sicherlich kennt ihr die Szene, in der Salma Hayek in "From Dusk till Dawn" auf dem Tisch tanzt, während ihr Quentin Tarentino Schnaps von den Füßen leckt. Was viele in dem Fall nicht wissen: Tarentino selbst ist für das Drehbuch verantwortlich und gibt offen zu, dass er Füße hot findet. Aber was genau steckt hinter einem Fußfetisch?

Wer schon mal Schuhe Second Hand verkaufen wollte, wird vielleicht schon mal mit einem Fußfetischisten Bekanntschaft gemacht haben. Und es gibt auch unzählige Geschichten darüber, dass Menschen Geld dafür angeboten wurde, wenn sie jemandem getragene Schuhe oder Socken überlassen würden.

Was steckt hinter diesem Verhalten? Wie kann ein nackter Fuß oder eine stinkende Nylonstrumpfhose für sexuelle Erregung sorgen? Hier die wichtigsten Fakten rund um den Fußfetisch.

Was ist ein Fetisch?

Jeder hat beim Sex seine bestimmten Vorlieben. Bei einem sexuellen Fetisch wird ein unbelebtes Objekt sexualisiert, beispielsweise Lack und Leder oder auch ungewöhnliche Objekte des alltäglichen Lebens können in den Fokus eines Fetischisten rücken.

-> Auch lesen: Fetisch: Von Kuscheltieren, Frotteurismus und Nadelbäumen

Was ist ein Fußfetischist?

Beim Fußfetischisten ist – recht naheliegend – der Fuß das Objekt der Begierde. Der Fachbegriff für den Fußfetisch ist übrigens Podophilie. Und wer diese Art Lust zu empfinden belächelt und für extrem freaky hält, dem sei gesagt: Es gibt sehr viele Anhänger des Fußfetischismus.

So zum Beispiel Kultregisseur Quentin Tarantino. Wer mal darauf achtet, wird auch in seinen Filme auffallend viele Szenen mit nackten Füßen, angezogenen Füßen oder wie in "Pulp Fiction" mit Gesprächen über Fußmassagen entdecken. Ein Tabuthema sieht jedenfalls anders aus.

Und auch wenn es wenig belastbare Zahlen gibt, so kann man doch sagen, dass Fußfetischismus nach dem Fetisch rund um Lack und Leder der wohl am meisten vorkommende Fetisch ist. Die Nachfrage im Netz jedenfalls spricht Bände und auch der Markt mit Socken, Schuhen oder getragenen Netzstrumpfhosen boomt.

-> Auch lesen: Auch die Füße brauchen Liebe: Die perfekte Fußmassage

-> Auch lesen: Sextrend CFNM & CMNF: Das steckt dahinter

Die verschiedenen Varianten des Fußfetischs

Es gibt etliche verschiedene Arten von Fußfetischismus. Zum einen geht es eher um die Verpackung, seien es pedikürte Füße, Füße in High Heels oder in Nylons oder getragene Schuhe und Strümpfe. Zum anderen geht es um Interaktion mit dem Lustobjekt Fuß. Sei es Riechen, Schmecken, Anfassen oder Lutschen (Toe-Sucking).

Mal geht es also um den Fuß selbst, mal nur um das, was ihn berührt und umkleidet hat, also Nylons oder Schuhe, die getragen wurden und dann als erregend empfunden werden.

Viele Fußfetischisten erregt es vor allem, wenn die Füße aktiv beim Liebesspiel mit einbezogen werden. Das kann der bloße Anblick der Füße sein, aber auch ein Footjob. Also ein Sexakt, bei dem die Partnerin oder der Partner den Fetischisten mit den Füßen befriedigt – beim Toejob geschieht das nur mit den Zehen.

Andere macht es total an, wenn sie am Objekt ihrer Begierde lutschen oder riechen können, oder wenn sie den Fuß massieren und kitzeln können. Auch beliebt: der Shoejob, bei dem die Schuhe eher im Vordergrund stehen.

Aber es geht auch härter zur Sache: Wenn der Partner beispielsweise mit seinen Füßen über den Körper des Fetischisten läuft (Trampling). Oder im Bereich des SM wird der Fuß auch gerne als Zeichen dominanten Verhaltens verwendet, beispielsweise indem der Dom dem Sub mit dem Fuß über Kopf und durchs Gesicht geht oder indem der Sub dem Dom die Füße leckt und sich so erniedrigt.

Eine weitere Variante des Fußfetischs: Crunching. Hier werden Nahrungsmittel mit den nackten Füßen zerdrückt, gerne auch, um das zermatschte Essen anschließend zu verspeisen.

Muss nicht jeder geil finden, aber letztlich gilt ja: Egal, welche Variante als hot empfunden wird, solange beide Beteiligten damit einverstanden sind und ihre Fantasie genießen können, ist gegen diesen Fetisch rein gar nichts einzuwenden.

Warum ausgerechnet Füße? Das sagt die Wissenschaft:

Es sind vor allem Männer, die dem Fußfetisch erliegen. Und wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verbindung von sexueller Erregung und Füßen gar nicht so total unsinnig ist, wie es vielleicht dem ein oder anderen Außenstehenden erscheint.

Denn laut der Wissenschaft liegen die Hirnareale der Zehen und Füße und der Genitalien eng beieinander. Und so kommt es mitunter im Gehirn zu Reizüberschneidungen und Stimulationen beider Areale, wie der indische Neurologe Vilayanur S. Ramachandran herausfand.

Zudem gelten kleine Füße bei Frauen als Garant für Fruchtbarkeit, weil sie Zeichen eines hohen Östrogenspiegels sein sollen. Auch ein Grund, warum Männer auf Frauenfüße fliegen. Und vielleicht auch ein Grund, warum viele Frauen ihre Füße dank Pediküre, lackierten Fußnägeln, Netzstrümpfen und High Heels mühevoll in Szene setzen.

Wenn man also das nächste Mal jemanden trifft, der total auf Füße steht, sollte man sich zweimal überlegen, ob man ihn unbedingt belächeln muss. Zumal selbst dem guten alten Goethe nachgesagt wird, er habe seine Geliebte in einem Brief gebeten, ihm ein Paar ihrer durchtanzten Schuhe zukommen zu lassen, so dass er noch etwas habe, um an sie zu denken.

Nachgefragt: Wie gehe ich mit sexuellen Neigungen um?

Fußkult im alten China: Nicht mehr ok

Nicht unbedingt eine Form von Fetisch, aber eine Form des Fußkultes ist allerdings alles anderes als in Ordnung. Die Rede ist vom Schönheitsideal des Lotosfußes im alten China. Dort galten Frauenfüße mit gerade mal zehn Zentimeter Länge als das absolute Ideal. Und um das zu erreichen wurde jungen Mädchen Schlimmes angetan.

Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein wurden ihre Füße gebrochen, die Zehen nach unten abgebunden und die Füße bandagiert, damit sie möglich wenig wachsen würden. Das Resultat dieses grausamen Prozederes kann man sich kaum ansehen, so schlimm ist das.

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