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Mit Emsculpt ohne Sport zum Sixpack: Kann das funktionieren?

von Christina Cascino Erstellt am 12. Mai 2020
Mit Emsculpt ohne Sport zum Sixpack: Kann das funktionieren?© Getty Images

Einen flachen Bauch und knackigen Po ganz ohne Sport, Diät oder Beauty-OP? Das soll angeblich mit der Emsculpt-Behandlung funktionieren. Wir haben es getestet.

Influencer und Social Media-Stars schwören auf den neuen Beauty-Trend aus den USA und sogar Kim Kardashian hat es bereits ausprobiert: Die Rede ist von Emsculpt.

Emsculpt ist ein neues Verfahren, das die Muskeln mittels elektromagnetischer Impulse aufbauen und gleichzeitig hartnäckige Fettpolster bekämpfen soll. Und das ganz ohne intensives Workout, langwierige Diäten oder schmerzhafte Operationen. Dafür muss man allerdings tief in die Tasche greifen. Doch funktioniert Emsculpt wirklich? Das verraten wir euch hier.

Der Unterschied zwischen EMS-Training und Emsculpt

Liest oder hört man von Emsculpt, denkt man häufig zunächst an EMS-Workouts, die mittlerweile in vielen Sportstudios angeboten werden. Doch zwischen dem EMS-Training und der Emsculpt-Behandlung gibt es einen großen Unterschied.

Beim EMS wird über einen verkabelten Anzug Reizstrom an den Muskel abgegeben. Der Strom beansprucht die Muskulatur dabei aber nur oberflächlich. Anders ist das bei Emsculpt. Hier dringen elektromagnetische Impulse in den kompletten Muskel ein und beanspruchen diesen in seiner 100-prozentigen Kapazität. (Zum Vergleich: Bei einem normalen Training wird der Muskel maximal zu 40% gefordert.)

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Emsculpt: So funktioniert die Beauty-Behandlung

Bei der Emsculpt-Behandlung werden durch elektromagnetische Impulse supramaximale Kontraktionen (also Kontraktionen, die den Muskel maximal belasten) in der Muskulatur ausgelöst. Diese Impulse werden über einen Aufsatz, der mit dem Emsculpt-Gerät verbunden ist, an den Körper abgegeben. Heißt: Die Behandlung ist nicht-invasiv, wie das zum Beispiel bei einer Fettabsaugung der Fall ist.

Insgesamt sind bei einer Behandlung bis zu 20.000 Muskel-Kontraktionen in nur 30 Minuten möglich. Konkret bedeutet das: Die Muskeln werden während der halbstündigen Anwendung so beansprucht, als würde man 20.000 Sit-ups (bei der Behandlung am Bauch) oder 20.000 Squats (bei der Behandlung am Po) machen.

Selbst die eifrigsten Sportler bräuchten dafür im Normalfall wohl mehrere Monate. Außerdem sind mit einem herkömmlichen Training nur wenige derartig starke Muskelkontraktionen möglich und das meist nur mit besonders schweren Gewichten.

Durch die Kontraktionen soll zum einen die Fettverbrennung, zum anderen der Muskelaufbau angeregt werden. Hersteller versprechen einen Fettabbau von rund 19% nach vier Behandlungen und einen Muskelzuwachs von bis zu 16% nach vier Behandlungen.

Im Video: Schnelles Bauch-Workout zum Mitmachen

Video von Esther Pistorius

Wie kommt es bei Emsculpt zum Fettabbau?

In erster Linie soll Emsculpt für Muskelaufbau sorgen. Hersteller versprechen aber darüber hinaus auch, dass es zusätzlich zu einem Fettabbau kommen kann. Durch die starken Muskelkontraktionen während der Behandlung entsteht ein hoher Energiebedarf, wodurch der Körper Adrenalinschübe freisetzt. Diese sorgen wiederum dafür, dass vermehrt Fettsäuren freigesetzt werden. Fettpolster sollen sich somit nach und nach abbauen.

Aber: Starke Fetteinlagerungen an Bauch, Beinen und Po sowie deutliches Übergewicht können durch Emsculpt nicht behandelt werden. Daher ist Emsculpt nicht für Menschen geeignet, denen es hauptsächlich um einen Gewichtsverlust geht.

Wo wird Emsculpt angeboten und welche Körperstellen können behandelt werden?

Das Beauty-Treatment wird mittlerweile in verschiedenen Schönheitskliniken angeboten. Für ein optimales Ergebnis werden drei bis vier Behandlungen à 30 Minuten empfohlen. Der behandelnde Arzt entscheidet aber ganz individuell je nach körperlicher Beschaffenheit, wie viele Sitzungen optimal sind. Pro Sitzung müsst ihr mit rund 400 Euro Behandlungskosten rechnen.

Die Behandlungen selbst sollten im Abstand von zwei bis drei Tagen durchgeführt werden, damit die Muskeln maximal aktiviert werden. Erste Resultate können bereits nach einigen Tagen zu sehen sein, das Endergebnis wird aber laut Hersteller und Ärzten erst einige Wochen nach der letzten Behandlung sichtbar.

Eine Emsculpt-Behandlung kann am Bauch, am Po, an den Beinen oder an den Armen durchgeführt werden. Am beliebtesten ist die Anwendung am Bauch und am Po. Das liegt aber mitunter daran, dass der Hersteller bei Markteinführung zunächst nur Aufsätze für diese beiden Körperregionen angeboten hat. Seit kurzem gibt es aber auch Aufsätze für Arme und Beine.

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So läuft das Emsculpt-Treatment ab:

Während der Anwendung nehmt ihr zunächst auf einer Behandlungsliege Platz. Dann wird der impulsgebende Behandlungsaufsatz (Applikator), der optisch ein wenig an ein Bügeleisen erinnert, mit einem Gurt oberflächlich an die behandelnde Körperregion fixiert. Sitzt das Gerät richtig, kann es auch schon losgehen.

Das Emsculpt-Gerät gibt an den Applikator elektromagnetische Energie ab. Der Applikator überträgt die Impulse wiederrum auf die Muskulatur. Die Intensität der Impulse kann dabei individuell eingestellt werden. Zur Eingewöhnung beginnt man meist mit 50%, die nach wenigen Minuten möglichst auf 100% gesteigert werden sollten.

Wie fühlt sich die Emsculpt-Behandlung an?

Während der Behandlung sind die Muskeln ununterbrochen in Bewegung. Die Elektroimpulse sorgen nämlich dafür, dass sich die Muskeln immer wieder zusammen- und auseinanderziehen, was als Kontraktion bezeichnet wird.

Dieses Zusammen- und Auseinanderziehen ist nicht schmerzhaft, fühlt sich aber dennoch recht unangenehm an. Ich brauchte etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Unterbrochen werden die Kontraktionen außerdem von einem festen Klopfen auf die behandelnde Körperregion. Das fühlt sich zunächst ein wenig eigenartig an, aber auch das tut nicht weh.

Das Positive: Ist die Behandlung beendet, dürft ihr die Praxis sofort verlassen und habt keinerlei körperliche Einschränkungen oder Nebenwirkungen. Es kann lediglich sein, dass sich euer Muskel nach dem Emsculpt-Treatment ein wenig müde und schwer anfühlt, ähnlich wie nach einem normalen Workout.

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Übrigens: Für den Muskelaufbau mit Emsculpt sind keine extra Trainingseinheiten oder Diäten notwendig. Dennoch werden eine ausgewogene und eiweißreiche Ernährung und ein- bis zwei Sporteinheiten pro Woche empfohlen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und dieses auch langfristig zu halten.

Für wen ist Emsculpt geeignet und für wen nicht?

Für den Muskelaufbau mit Emsculpt muss man keine bestimmten Voraussetzungen mitbringen. Dennoch heißt es, dass Emsculpt die besten Ergebnisse bei sportlich aktiven Menschen erzielt, die ihrer Figur den letzten Schliff verpassen oder mehr Definition möchten bzw. ihre bisherigen Trainings-Erfolge noch intensivieren und beschleunigen wollen. Wer vortrainiert ist und wenig Bauchfett besitzt, kann mit Emsculpt angeblich sogar ein Sixpack erreichen.

Emsculpt richtet sich aber auch an Personen mit schlaffem Gewebe (z.B. nach einer Fettabsaugung) oder Mütter, die sich nach einer Geburt wieder einen straffen Bauch wünschen, dies aber allein mit Sport nicht schaffen.

Nicht geeignet ist Emsculpt hingegen für stark übergewichtige Menschen mit hohem Körperfettanteil. Auch Menschen mit Metallimplantaten in einer Behandlungsregion wird von Emsculpt abgeraten, da mit magnetischen Feldern gearbeitet wird. Das Gleiche gilt für Personen mit Herzschrittmachern. Frauen mit Kupferspiralen zur Empfängnisverhütung sollten diese vor einer Behandlung mit Emsculpt herausnehmen lassen. In allen Fällen sollte vorher mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden, um mögliche Risiken vorzubeugen.

Emsculpt im Selbsttest: Klappt die Behandlung wirklich?

Auch ich war neugierig, was es mit dem Beauty-Hype aus den USA auf sich hat und wünsche mir schon lange sichtbare Muskeln am Bauch, die trotz intensivem Training nicht so recht sichtbar werden. Sixpack? Nehm ich! Also habe ich Emsculpt getestet und innerhalb von zwei Wochen insgesamt vier Sitzungen am Bauch durchführen lassen.

Und was soll ich sagen: Es passierte ... NICHTS! Auch Wochen nach der letzten Behandlung konnte ich weder mehr Muskeln erkennen, noch hat sich mein Bauchumfang verändert oder sich etwas auf der Waage getan (laut Ärzten sollte man nach den Behandlungen ein paar Kilo leichter sein). Und das trotz optimaler Voraussetzungen, wie es der Schönheits-Doc doch mehrfach betont hat: Normalgewichtig, sportlich-aktiv, wenig Bauchfett.

Auf Social Media und Co. liest man außerdem häufig davon, dass man dank Emsculpt konditionell besser aufgestellt sei und einem das normale Training viel einfacher von der Hand geht. Auch das kann ich nicht bestätigen. Meine Sportübungen fallen mir genauso schwer bzw. genauso leicht wie vor den Emsculpt-Behandlungen.

Für mich war Emsculpt also in allen Bereichen ein absoluter Fail. Warum es nicht so recht klappen wollte, darauf hatte auch der behandelnde Doc keine wirkliche Erklärung. Ich würde euch in jedem Fall raten, die Kosten von etwa 1.600 Euro zu sparen und lieber auf eine ausgewogene Ernährung und viel Sport zu setzen. Damit erreicht ihr auf Dauer definitiv mehr und seid auch noch um einige Euros reicher.