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Katzen-Trockenfutter: Wie gesund ist es wirklich?

von Nicola Pohl Erstellt am 10. März 2020
Katzen-Trockenfutter: Wie gesund ist es wirklich?© Getty Images

Ihr ernährt euren Stubentiger mit Katzen-Trockenfutter? Wir verraten euch, ob es sich als gutes Katzenfutter eignet und was es bei der Wahl zu beachten gibt.

Gesund, artgerecht, natürlich und gut für die Zähne – die Futterindustrie verspricht vieles in Bezug auf gutes Katzen-Trockenfutter. Doch nicht nur das: Trockenfutter wird häufig als tägliche Hauptnahrung für Katzen empfohlen. Aber stellt Trockenfutter für Katzen wirklich eine gute Ernährung dar?

Genau wie beim Nassfutter für Katzen gibt es beim Trockenfutter große Qualitätsunterschiede. Wir verraten euch ganz genau, warum ihr eure Katzen auf keinen Fall nur mit Trockenfutter füttern solltet und woran ihr gutes Katzen-Trockenfutter erkennen könnt.

Katzen nur Trockenfutter geben: Geht das?

Als liebende Katzenbesitzer ist uns nichts wichtiger, als dass unsere Vierbeiner ein langes und gesundes Leben führen. Und kaum etwas hat einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden unserer Katze als die richtige Ernährung.

Dabei muss man wissen: Katzen sind reine Carnivoren, also Fleischfresser. Daraus lässt sich bereits erschließen, dass ihr zum Großteil Fleisch an eure Katzen verfüttern solltet. Denn mit Gemüse und Getreide kann der Organismus einer Katze nichts anfangen. Sowohl das Gebiss als auch ihr Magen-Darm-Trakt ist auf die Verwertung von Fleisch ausgelegt.

Konkret heißt das: Der Darm einer Katze ist im Vergleich zu dem eines Pflanzen- oder Allesfressers sehr kurz, wodurch zum Beispiel Getreide nicht richtig aufgespalten werden kann. Die Folge sind zum Beispiel Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung.

Verfüttert ihr an Katzen nur Trockenfutter, das zu großen Teilen aus pflanzlichen Inhaltsstoffen besteht, dann wird die Nahrung ausgeschieden, aber eure Katze kann die für sie notwendigen Nährstoffe nicht aufnehmen. Leider zeigt sich so ein Mangel durch ungeeignetes Futter nicht sofort, sondern meist erst nach einigen Jahren, wenn es bereits zu spät und die Katze krank ist.

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Katzen-Trockenfutter oder Nassfutter?

Gebt ihr euren Katzen nur Trockenfutter ist das nicht artgerecht. Als Alleinfuttermittel ist Trockenfutter immer schlecht. Leider möchte einen die Futtermittelindustrie glauben machen, dass "Premium-Trockenfutter" gut für unsere Katzen ist.

Und sogar viele Tierärzte empfehlen, bestimmte Trockenfutter-Sorten an Katzen mit zum Beispiel Durchfall, Nierenproblemen oder Harnsteinen zu verfüttern – dabei kann Trockenfutter sogar Verdauungsprobleme und Nierenprobleme fördern. Die bestehenden Symptome werden durch das Katzen-Trockenfutter also nur noch schlimmer.

Auch für Kitten ist spezielles Trockenfutter erhältlich. Doch gerade dann, wenn sich Katzen noch im Wachstum befinden und alle wichtigen Nährstoffe brauchen, solltet ihr auf hochwertiges Futter zurückgreifen. Trockenfutter ist nicht geeignet.

1. Katzen sind Fleischfresser
Katzen sind reine Carnivoren, doch Trockenfutter kann aufgrund seiner Konsistenz nur mit niedrigen Mengen an Fleisch hergestellt werden. Daher: Katzen-Trockenfutter mit viel Fleischanteil gibt es nicht. Die restlichen Inhaltsstoffe müssen durch Getreide, Zucker oder Konservierungsstoffe ergänzt werden. Und die sind nicht nur unnötig für Katzen, sondern können sogar Krankheiten wie Diabetes oder Lipidose auslösen. Einem Hamster würdet ihr schließlich auch kein Kotelett zum Fressen geben.

2. Katzen sind Wüstentiere
Und das heißt, dass sie von Natur aus nur wenig trinken und Flüssigkeit hauptsächlich über ihre Nahrung aufnehmen. Während der Feuchtigkeitsgehalt von Beute oder Nassfutter bei etwa 70 Prozent liegt, weist Trockenfutter nur einen Wert von 10 Prozent auf. Eure Katze müsste also unheimlich viel trinken, um diesen Feuchtigkeitsmangel ausgleichen zu können, da Trockenfutter dem Organismus während der Verdauung sogar noch Feuchtigkeit entzieht.

Eine durchschnittlich große Katze hat einen täglichen Flüssigkeitsbedarf von etwa 250 ml. Das entspricht einem Glas Wasser. Ist das Katzenfutter trocken, müsste sie zusätzlich zu ihrem Tagesbedarf Flüssigkeit aufnehmen, um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen. Dass ein von Natur aus trinkfaules Tier niemals 300–500 ml Wasser pro Tag trinken wird, sollte einleuchten. Der Mangel führt auf Dauer zu Nierenerkrankungen und Harnsteinen.

Falls eure Katze doch mal mehr Trockenfutter gefressen hat, achtet auf jeden Fall darauf, dass sie viel trinkt. Mit Hilfe eines Trinkbrunnens (gibt's hier bei Amazon*) könnt ihr sie zum Trinken animieren.

3. Trockenfutter schadet den Zähnen
Leider wird häufig das Gegenteil behauptet, nämlich, dass Katzen-Trockenfutter die Zähne reinigen würde. Aber würdet ihr euch mit Zucker und Konservierungsstoffen die Zähne putzen? Abgesehen davon kaut eine Katze nur maximal zwei bis drei Mal auf einem Stück herum, bevor sie es herunterschluckt. Es entsteht also so gut wie kein Abrieb an den Zähnen. Vielmehr bleibt das Katzen-Trockenfutter an den Zähnen kleben und verursacht auf Dauer Zahnstein. Wollt ihr eurer Katze wirklich bei der Zahnreinigung helfen, gebt ihr hin und wieder etwas rohes Fleisch.

4. Katzen brauchen Proteine
Proteine aus tierischem Ursprung sind für Katzen die wichtigsten Energielieferanten. Kohlenhydrate sind für sie zwar ebenfalls lebenswichtig, um gesund zu bleiben und eine gute Verdauung zu haben, doch sie sollten insgesamt nur einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen. Zu viele Kohlenhydrate belasten die ausscheidenden Organe von Katzen. Katzen-Trockenfutter ohne Kohlenhydrate gibt es aber nicht, da immer Füllmaterial wie Kartoffeln, Gemüse oder Getreide enthalten ist.

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Katzen-Trockenfutter: Hoher Fleischanteil – ist das möglich?

Aufgrund seiner Konsistenz kann auch gutes Katzen-Trockenfutter mit keinem so hohem Fleischanteil hergestellt werden wie zum Beispiel Nassfutter. Die Futtermittelindustrie versucht jedoch mit allen Tricks, uns vom Gegenteil zu überzeugen: Und zwar durch eine irreführende Deklaration des Fleischanteils im angeblichen Premium-Futter.

Im besten Fall sollte der Fleischgehalt von gutem Katzen-Trockenfutter als Trockensubstanz angegeben sein, denn nur so wisst ihr, dass zum Beispiel wirklich 60 Prozent Geflügelfleisch enthalten sind. Häufig wird jedoch "60 Prozent frisches Huhn" als Zutat angegeben. Das klingt erst mal gesünder, aber zur Futterherstellung muss das Fleisch getrocknet werden. Und trocknet man Fleisch, was in der Regel etwa zu 70 Prozent aus Feuchtigkeit besteht, bleibt am Ende wenig übrig.

Wenn also "frisches Hühnerfleisch" am Anfang der Zutatenliste steht, heißt das nicht unbedingt, dass prozentual auch am meisten Hühnerfleisch enthalten ist. Es heißt nur, dass so viel frisches Geflügel verarbeitet wurde. Nach der Trocknung bleibt wenig Trockenfleisch davon übrig und damit rutscht es schnell ans Ende der Zutatenliste.

Zum anderen müsst ihr bei den verwendeten Begriffen bei der Zutatenliste ganz genau hinschauen, um gutes Katzen-Trockenfutter zu erkennen. Das möchten wir kurz am Beispiel von Huhn zeigen:

  • Huhn: Neben Muskelfleisch auch alle Nebenprodukte vom Tier
  • Hühnerfleisch (getrocknet und gemahlen): Muskelfleisch, das für das Futter weiterverarbeitet wurde
  • Hühnerfleischmehl: Getrocknetes und gemahlenes Geflügelfleisch
  • Hühnermehl: Alle Teile vom Tier (z.B. Muskeln, aber meist Schlachtabfälle wie Knochen, Schnäbel, Federn etc.), getrocknet und gemahlen
  • Geflügelprotein: Nebenprodukte aus der Schlachtung von Geflügel (z. B. Schnäbel, Federn etc.), Fleisch muss nicht enthalten sein
  • Tierische Nebenerzeugnisse: Können hochwertige Innereien wie Leber, Herz etc. sein, aber auch Abfälle wie Schnäbel, Krallen etc. enthalten

Lesetipp: Hochwertiges Katzenfutter im Test: Das beste Nassfutter für eure Katze

Schlechtes Katzen-Trockenfutter: So erkennt ihr es

Wie viel Trockenfutter für die Katze pro Tag eignet sich? Auch wenn sich Katzen-Trockenfutter nicht als Hauptnahrung für eure Katze eignet, ist es natürlich völlig in Ordnung, eurer Katze hin und wieder eine kleine Portion als Belohnung zu geben oder es als Snack zum Befüllen von Intelligenzspielzeug zu verwenden. Es kommt definitiv auf das richtige Maß an.

Schlechtes und meist auch billiges Katzen-Trockenfutter enthält Zucker, Getreide und viele Füllstoffe. Doch gerade der Zucker versteckt sich in Trockenfutter für Katzen häufig hinter verschiedenen Namen. Dazu zählen unter anderem: Karamell, Johannesbrotkernmehl, Agar Agar, Zichorienwurzel, Rübenschnitzel, Rübenblätter, Gummi Arabicum, Sorbit, Xili, Tupinamburex, Saccharose, Melasse, Isoglucose, Muskovade, Sirup, Glucose, Dextrose, Galactose, Maltodextrin, Farin, Fruktose, Glykogen, Hexose oder Kandisfarin.

Aber auch große Mengen an pflanzlichen Nebenerzeugnissen haben in Trockenfutter nichts zu suchen und sprechen für eine schlechte Qualität. Die Wahl sollte am besten immer auf gutes Katzen-Trockenfutter ohne Getreide fallen.

Lesetipp: Pfoten weg! Diese Leckerlis sind schlecht für eure Katzen

Gutes Katzen-Trockenfutter erkennen

Wie auch bei hochwertigem Nassfutter lässt sich gutes Katzen-Trockenfutter vor allem an der Deklaration auf der Verpackung erkennen. Das heißt: Die Inhaltsstoffe sind genau aufgeführt und aufgeschlüsselt, sodass man die genaue Zusammensetzung direkt erkennen kann.

So könnt ihr nachvollziehen, welches und wieviel Fleisch im Trockenfutter verwendet wurde, ob es sich um getreidefreies Katzenfutter und eine gute Qualität handelt.

Daran könnt ihr gutes Trockenfutter erkennen:

  • Möglichst hoher Fleischanteil (z. B. mit Huhn, Rind oder auch Lachs)
  • Fleischanteil wird bereits in Trockenform angegeben
  • Verwendung von Fleisch in guter Qualität (möglichst Lebensmittelqualität)
  • Hoher Proteingehalt (tierischen Ursprungs)
  • Geringer Gehalt an Kohlenhydraten
  • Ohne Zusatz von Zucker, Getreide, Milchprodukten, Geschmacksverstärkern oder künstlichen Aromastoffen
  • Frei von pflanzlichen Nebenerzeugnissen
  • Enthält wichtige Nährstoffe wie Taurin

Desweiteren sollten sich die Werte der analytischen Bestandteile im folgenden Rahmen bewegen:

  • Rohprotein: 50–60 %, tierischen Ursprungs
  • Rohfett: 20–30 %
  • Rohasche: max 2 % (bei Trockenfutter liegt er aber meist bei etwa 8 %)
  • Rohfaser: max. 5 %, Anteil der Kohlenhydrate (so niedrig wie möglich)

Welches Katzen-Trockenfutter ist gut?

Letztendlich bleibt es euch selbst überlassen, ob und in welchem Maß ihr Trockenfutter an eure Katze verfüttern möchtet. Da der Begriff "hochwertig" im Bezug auf Trockenfutter schwierig ist, möchten wir an dieser Stelle von gutem Katzen-Trockenfutter sprechen. Dennoch sollte auch dieses nicht als tägliches Alleinfuttermittel verfüttert werden.

Wir haben eine Liste mit gutem Katzen-Trockenfutter für euch zusammengestellt, das sich als Snack für Katzen eignet, da es eine recht gute Qualität hat. Am besten vergleicht ihr die verschiedenen Varianten, da es vorkommen kann, dass zum Beispiel die Sorte mit Rind einen höheren Fleischanteil hat als die mit Geflügel oder Lachs. Erhältlich sind einige Marken im Tierfachhandel, größtenteils aber nur online.

Hier könnt ihr gutes Katzen-Trockenfutter kaufen:

Wir haben verschiedene Trockenfutter-Marken und -Sorten getestet, um uns von ihrer Qualität zu überzeugen. Unsere Bewertungen könnt ihr hier nachlesen: Katzen-Trockenfutter Test: Welches ist wirklich gut?

Katzen-Trockenfutter: Vorteile und Nachteile im Überblick

Zum Veranschaulichen haben wir die Vorteile und Nachteile von Katzen-Trockenfutter noch einmal gegenübergestellt.

Pro: Der Preis von Trockenfutter ist meist günstiger als der von hochwertigem Nassfutter. Zudem ist es auch geöffnet länger haltbar.

Kontra: Dafür schadet es Katzen als Alleinfuttermittel auf Dauer, da es durch seine ungeeigneten Inhaltsstoffe Krankheiten und Zahnprobleme fördert. Häufig ist es auch nicht getreidefrei. Wer nur Trockenfutter füttert, muss am Ende eventuell mehr Geld für den Tierarzt zahlen.

Letztlich rentiert sich Nassfutter trotz der höheren Kosten.

Vorteile von Katzen-Trockenfutter:

  • Meist recht günstig
  • Lange Haltbarkeit


Nachteile von Katzen-Trockenfutter:

  • Enthält viel zu wenig Feuchtigkeit
  • Schadet den Zähnen
  • Zu niedriger Fleischgehalt
  • Zu hoher Gehalt an Kohlenhydraten
  • Enthält häufig Zucker, Getreide oder andere Füllstoffe
  • Kann auf Dauer Krankheiten verursachen
  • Auch Trockenfutter kann "schlecht" werden (z. B. Schimmel, Salmonellen, Milben)

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Katzen von Trockenfutter auf Nassfutter umstellen

Häufig bekommt man zu hören: "Meine Katze frisst aber nur Trockenfutter!" Und jeder Katzenbesitzer weiß, wie pingelig und stur Katzen bezüglich des Futters sein können. Deshalb ist es ratsam, Kitten bereits von Anfang an mit hochwertigem Nassfutter zu versorgen, um eine gute Ernährung zu gewährleisten.

Hat sich eure Katze erst einmal daran gewöhnt, dass sie nur Trockenfutter bekommt, dann ist die Umstellung nicht ganz leicht. Aber möglich! Mit viel Geduld ist es machbar und die Gesundheit eurer Katze sollte es euch allemal wert sein.

Tipps für die Futterumstellung von Trockenfutter auf Nassfutter:

  • Trockenfutter vor jeder Mahlzeit mit einer Sprühflasche leicht anfeuchten.
  • Die Wassermenge von Tag zu Tag ein wenig erhöhen.
  • Sobald das Trockenfutter weich genug wird, kann vorsichtig Nassfutter untergemischt werden.
  • Nassfutter zunächst in sehr geringen Mengen untermischen und von Tag zu Tag sehr langsam erhöhen.
  • Bleibt konsequent.
  • Verweigert die Katze wirklich komplett das Futter, geht auf die vorherige Stufe zurück (z. B. weniger Nassfutter).
  • Seid geduldig! Die Futterumstellung kann einige Wochen bis Monate dauern. Aber es lohnt sich.

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Video von Jutta Eliks

Quellen:
Grimm, Hans-Ulrich: Katzen würden Mäuse kaufen: Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht. Knaur Verlag, München 2016.

Landwerth, Lena: Wegweiser Katzenfutter: Artgerechte Nahrung für den Stubentiger. Cadmos Verlag, München 2012.

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