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Glückliche Beziehung: Gibt es eine Formel für ein "für immer"?

von Fiona Rohde Erstellt am 10.04.21 um 17:00

Eine glückliche Beziehung zu führen, ist nicht immer ganz leicht. Aber vielen Menschen gelingt genau das ganz einfach und entspannt. Was genau ist das Geheimnis dieser Partnerschaften und wie kann man das gleiche für sich schaffen?

Für immer und ewig. Die eine große, tiefe Liebe des Lebens. Das klingt so schön, aber nicht immer gelingt es. Dabei liegt das Scheitern oder Gelingen einer langfristigen, glücklichen Beziehung nicht zwangsläufig nur an der Konstellation von Paaren, sondern an ein paar Dingen, die sie tun, beziehungsweise nicht tun.

Gibt es also Regeln und Verhaltensweisen, die eine langfristige, glückliche Beziehung fördern? Ich würde sagen: durchaus. Natürlich muss man dafür auch einen Menschen treffen, der zu einem passt von den Grundvoraussetzungen und der Lebenseinstellung her.

Aber oftmals beobachtet man in seinem Freundeskreis und sonstigem Umfeld, dass zwei Menschen durchaus sehr gut zueinander passen, sie aber ein paar entscheidende Fehler machen.

Warum wir eine glückliche Beziehung oft falsch definieren

Wir sind ja leider alle ein wenig Opfer von romantischen Filmen, denke ich. Da begegnen sich zwei Menschen und es ist um sie geschehen und trotz aller Probleme, wenn es ein tragischer Film ist, oder aller Missverständnisse, wenn es eher Typ Komödie ist, übersteht ihre Liebe alle Irrungen und Wirrungen. Danach schält man sich aus dem Kinosessel oder seinem Sofa und denkt sich: Warum ist Liebe nicht immer so einfach?

Was wir dabei leider aus den Augen verlieren, ist die Tatsache, dass wir ja nicht Teil 2 des Films kennen. Der, in dem sich die Superfrau oder der Supermann mit Traumfrau oder Traummann zu Alltagsmenschen verwandeln. Der, in dem beide viele Jahre zusammen sind und eben nicht mehr frisch verliebt.

Denn auch wenn wir Menschen dazu tendieren, Liebe als das zu sehen, was sie anfangs ist, ein wunderbarer, wilder Hormoncocktail, der uns alle Sinne benebelt und uns schweben lässt, so ist sie doch eher das, was in Teil 2 des Films Thema wäre: Echte Liebe bedeutet, dass ich langfristig eine glückliche Beziehung führe, die eben nicht nur aus dieser ekstatischen Anfangs-Verliebtheit besteht.

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Deshalb Tipp Nummer 1 für eine glückliche Beziehung: Erkennt Liebe als das, was sie ist. Kein Getümmel von Schmetterlingen, sondern ein ruhigeres, tieferes Gefühl von Zuneigung und Nähe. Erst, wenn sich zwei Menschen auch in schwierigen Zeiten beistehen und sich nah sein können bzw. die Nähe des Anderen aushalten und schätzen, kann man es doch Liebe nennen. Denn vor lauter Rosa Wolken auf der Straße tanzen kann letztlich jeder.

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Toleranz und Respekt in Krisenzeiten

Oft wollen wir zu viel zu schnell und werfen dann die Flinte ins Korn, sobald die ersten Probleme auftauchen. Dabei wird es doch genau hier spannend. Denn der neue Mensch in meinem Leben kann mir viel davon erzählen, wie konfliktfähig er ist, wie entspannt und liebevoll. Erst im ersten Streit und Kummer zeigt sich doch, wie beide ticken.

Letztlich sind zwei Dinge in meinen Augen unfassbar wichtig: Gegenseitiger Respekt voreinander und Toleranz, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, statt ihn ändern zu wollen. Wenn ich meinem Partner oder meiner Partnerin diesen Respekt entgegenbringe, und auch die Gelassenheit habe, Fehler zu akzeptieren und eben auch zu akzeptieren, dass dieser Mensch in bestimmten Situationen anders agiert, denkt, fühlt als ich, dann kann ich meine Beziehung eine glückliche Beziehung nennen. Ohne Respekt und gegenseitige Toleranz geht das zumindest nicht.

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Die richtige Nähe und Distanz in der Beziehung

Jeder kennt diese "Wir"-Paare, die sich daran festhalten, ein gemeinsames Konstrukt zu sein. Und sicherlich gibt es Menschen, denen das Halt gibt und für die dieses Wir-Gefühl wichtig ist. Dennoch wage ich zu behaupten, dass ein wenig Abstand eben doch für eine glückliche Beziehung unerlässlich ist. Wer wie ein Klammeräffchen mit der Nase am Anderen klebt, hat keinen freien Blick mehr.

Die Balance zwischen Nähe und Distanz ist es, die eine Beziehung zu einer glücklichen macht. Und natürlich ist es von Partnerschaft zu Partnerschaft unterschiedlich, wann eben diese Balance hergestellt ist. Aber 100-prozentige Nähe ist es eben nicht auf Dauer, die eine Beziehung stabil hält.

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Natürlich gibt es immer wieder Paare, die einen lügenstrafen, bei denen genau dieses super enge Konstrukt von Partnerschaft funktioniert, aber das dürften Ausnahmen sein. Wenn ich mein komplettes, eigenes Leben für meine Partnerin oder meinen Partner ad acta lege, dann gerate ich selbst aus dem Gleichgewicht.

Denn mein vorheriges Leben hat ja Sinn gemacht. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Zudem: Wenn ich mich und mein Lebensglück komplett von einem anderen Menschen abhängig mache, setze ich meinen Gegenpart total unter Druck.

Besser für eine glückliche Beziehung auf Dauer ist es, sich sein Eigenleben zu bewahren, auch mal auf Distanz zu gehen, um dann umso erfüllter und erlebnisreicher wieder zusammenzukommen. Distanz ist letztlich genauso wichtig wie die absolute Nähe zueinander. Aber beides ist Teil einer langfristig glücklichen Beziehung.

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Ziele und Werte im Leben sollten ähnlich sein

Zwei Menschen müssen sich nicht charakterlich gleichen, um eine glückliche Beziehung führen zu können. Immerhin gibt es hier zwei Modelle: Gleich und gleich gesellt sich gern und Gegensätze, die sich anziehen. Und beide funktionieren auf ihre Art. Eins jedoch sollte bei beiden Partner*innen gleich sein: ihre Werte und Ziele im Leben. Denn wenn die absolut nicht vereinbar sind, wird es auf Dauer keine glückliche Beziehung geben.

Auch wenn einer von beiden sich für die Wünsche und Ziele des anderen verbiegt und Kompromisse eingeht: Es gibt bestimmte Dinge im Leben, bei denen sind Kompromisse nicht möglich, seien es bestimmte Werte im Leben oder die Frage, ob man eine Familie gründen will oder nicht. Bei bestimmten Punkten kann man eben nicht "nachgeben". Hier ist eben oftmals eine Grenze erreicht.

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Eine gemeinsame Geschichte schaffen

Das Problem vieler Paare heute ist, dass sie sich virtuell kennenlernen, z.B. über ein Online-Datingportal. Das ist per se nichts Negatives, hat aber in der Anfangsphase so seine Tücken. Zum einen lernt man sich nicht Face to Face kennen, es gibt keine Körpersprache, die einem beim gegenseitigen Erkennen hilft. Stattdessen wird man über einen Algorithmus "gematcht". Alles, was ich als Interessensgebiet oder Wert angebe, wird als kompatibel zu einem anderen Mann oder einer anderen Frau angesehen. Stimmen bestimmte Faktoren überein, wird man einander vorgeschlagen.

So weit, so gut. Dennoch stehen Paare, die sich nicht im Alltag, sondern im Netz kennenlernen vor einem Problem, das andere Paare so nicht haben: Sie überspringen die normale Kennenlernphase, haben aber dennoch nach Chats und Telefonaten das Gefühl, einander zu kennen. Ihnen fehlt jedoch die gemeinsame Geschichte, die das gegenseitige Vertrauen schenkt, dass das hier exklusiv ist und eben nicht nur ein schnelles Match, das austauschbar ist.

Und so müssen die virtuell gematchten Paare im Alltag rasch dafür sorgen, dass es ein Miteinander gibt, gemeinsame Erlebnisse, die das Vertrauen ineinander und die Beziehung stärken bzw. überhaupt erst schaffen. Es geht darum, die eigene Geschichte aus der riesigen Menge an virtuellen anderen Partner-Möglichkeiten herauszuheben.

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Oftmals scheitern diese Paare dann genau an diesem Punkt, obwohl sie verliebt sind, obwohl sie etwas füreinander empfinden. Hier braucht es von beiden Seiten Geduld, damit eine glückliche Beziehung überhaupt erst entstehen kann. Den einzigen Tipp, den man hier geben kann, ist: Offentheit und gute Kommunikation miteinander – und zwar offline!

Leider haben viele Menschen beim Onlinedating die Erfahrung des Gosthings gemacht, also dass ihr gegenüber trotz etlichen Dates und Gefühlen füreinander, plötzlich wortlos verschwindet, sein Gegenüber blockiert und ab da unauffindbar ist.

Und diese Erfahrung, bewusst oder unbewusst, blockiert beim nächsten Kennenlernen ein unbeschwertes Verhalten. Da bleiben die Verletzungen und die Angst: Datet meine Bekanntschaft noch andere? Wird es exklusiv oder ist es wieder nur unverbindlich? Man weiß noch so wenig voneinander, sodass das Konstrukt Beziehung noch verletzlich und zerbrechlich ist und die Unsicherheit riesengroß.

Um jedoch eine glückliche Beziehung aufbauen zu können, braucht es genau das: Eine gemeinsame Historie, die beide verbindet und die die Partnerschaft über andere Datingmöglichkeiten hinaushebt. Und zwar im realen Leben, nicht als Chat-Liebelei. Daran können beide nur gemeinsam arbeiten. Wer zu lange im virtuellen Kontakt verharrt, riskiert das frühe Scheitern einer wie auch immer gearteten Beziehung.

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Ein Blick für das, was man hat

Noch ein letzter Tipp für eine glückliche Beziehung auf Dauer: Verhaltet euch immer so zu eurem Partner bzw. eurer Partnerin, wie ihr selbst gerne behandelt werden möchtet. Wisst es zu schätzen, dass ihr ihn bei euch habt und ihr gemeinsam durchs Leben gehen könnt. Verliert nicht den Blick für dieses Glück und nehmt es für selbstverständlich. Denn das führt oft dazu, dass wir uns kaum mehr Mühe für einander geben, um dann irgendwann stumpf nebeneinander herzuleben.

Viele Paare sagen, eine Beziehung ohne Sex ist keine Beziehung. Ich denke, eine Beziehung, ohne dass man den Wert des Anderen erkennt, ist genausowenig eine Beziehung.