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Vorderwandplazenta: Alles zu Diagnose, Risiken und Besonderheiten

von Anne Walkowiak Erstellt am 10. September 2021
Vorderwandplazenta: Alles zu Diagnose, Risiken und Besonderheiten© Getty Images

Liegt die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, vorn, hinter der Bauchwand der Mutter, spricht man von einer Vorderwandplazenta. Was das für Mutter und Baby bedeutet, wollen wir erklären.

Video von Aischa Butt

In der Regel nistet sich eine befruchtete Eizelle am oberen Rand der Gebärmutter ein. Viel seltener ist es, kann aber vorkommen, dass sich die Eizelle vorn in der Gebärmutter einnistet. Dann bildet sich die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ebenfalls vorn, als sogenannte Vorderwandplazenta. Was das für eine Schwangerschaft bedeutet, welche Besonderheiten und Komplikationen es haben kann und vieles mehr, wollen wir hier erläutern.

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Kleines Plazenta 1x1

Nach der Befruchtung der Eizelle im Eileiter wandert diese in die Gebärmutter der Frau und nistet sich in der Gebärmutterschleimhaut ein. Bei der großen Mehrheit der Schwangerschaften geschieht dies am oberen Rand. Zur Versorgung des Embryos bildet sich die Plazenta oberhalb des heranwachsenden Babys.

Verbunden sind Mutter und Kind über die Nabelschnur. Sie verbindet den mütterlichen und kindlichen Blutkreislauf miteinander, über welchen das Baby mit Sauerstoff und anderen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Im Verlauf der 40 Schwangerschaftswochen (SSW) wächst die Plazenta auf stolze 15 - 25 Zentimeter Durchmesser an und erreicht ein Gewicht von rund 500 - 600 Gramm.

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Sowohl die Form, aber besonders die Lage des Mutterkuchens kann sehr verschieden sein, je nachdem, wo die befruchtete Eizelle sich eingenistet hat. Tut sie das an der vorderen Gebärmutterwand, spricht man von einer Vorderwandplazenta. An der Vorderwand hat die Plazenta in der Regel ausreichend Platz zu wachsen. Die Diagnose Vorderwandplazenta bedeutet deshalb nicht zwingend Komplikationen in der Schwangerschaft.

Im Verlauf der Schwangerschaft kann sich die Lage der Plazenta noch verändern. Sie kann zum Beispiel nach oben wandern. Der behandelnde Arzt wird das kontrollieren und die Schwangere informieren.

Gut zu wissen: Bei einer Hinterwandplazenta liegt der Mutterkuchen, wie der Name erahnen lässt, an der hinteren Gebärmutterwand, in Höhe des Rückens. Auch eine Hinterwandplazenta ist kein Grund zur Sorge.

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Diagnose Vorderwandplazenta

Eine Vorderwandplazenta wird meist bei der zweiten oder dritten großen Ultraschalluntersuchung zwischen der 19. - 22., bzw. der 29. - 32. SSW festgestellt. Sitzt der Mutterkuchen mittig, ungefähr in Höhe des Bauchnabels, hat er ausreichend Platz zu wachsen. Das Ungeborene wird also bestens versorgt, es besteht keine Gefahr.

Eine spontane und natürliche Geburt ist mit einer Vorderwandplazenta ebenfalls möglich.

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Sonderfall Plazenta praevia

Komplizierter ist eine Vorderwandplazenta, wenn es sich um die sogenannte Plazenta praevia handelt. Hier sitzt der Mutterkuchen zwar vorne, aber so nah am Muttermund, dass er ihn teilweise oder ganz bedeckt.
Bei diesem Befund ist eine natürliche Geburt eher ausgeschlossen. Zu groß ist die Gefahr, die Plazenta unter der Geburt zu verletzten. Das kann nicht nur zu einem großen Blutverlust führen, sondern auch dazu, dass sich der Mutterkuchen nicht vollständig ablöst, was wiederum eine Infektionsgefahr für die Mutter bedeutet. In den meisten Fällen wird das Baby bei einem Plazenta praevia Befund per Kaiserschnitt geboren.

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Die Versorgung des Kindes ist bei einer Plazenta praevia nicht in Gefahr. Allerdings sollten Schwangere sich schonen. Zum Teil empfehlen Ärzte zudem, auf Sex während der Schwangerschaft zu verzichten. Auch bei diesem Befund gilt, dass sich der Mutterkuchen im weiteren Verlauf der Schwangerschaft noch verschieben kann.

Komplikationen einer Vorderwandplazenta

Die Versorgung des Babys ist bei einer Vorderwandplazenta genauso gut gegeben wie bei einer Hinterwandplazenta oder einer normal im oberen Bereich der Gebärmutter liegenden. Die Lage ist an dieser Stelle keine direkte Gefahr für Mutter oder Kind.

Allerdings führt die Vorderwandplazenta dazu, dass Frauen die Bewegungen ihres Kindes erst viel später wahrnehmen als andere Schwangere, mit einer 'normal sitzenden' Plazenta. Die ersten Kindsbewegungen spüren Frauen um die 20. Schwangerschaftswoche. Da die Vorderwandplazenta aber wie ein Puffer agiert, dringen die ersten zarten Bewegungen des Kindes noch nicht durch. Das kann Frauen beunruhigen und sogar die (spätere) Bindung zum Kind stören.

Auch beim Schreiben des CTG (Wehenschreiber) kann es bei einer Vorderwandplazenta schwierig sein, die Herztöne des Kindes zu finden. Es ist deshalb unerlässlich, dass ein solcher Befund im Mutterpass notiert ist, um unnötige Sorgen aufseiten der Ärzte, aber auch der Mutter zu vermeiden.

Liegt eine Vorderwandplazenta vor und eine natürliche Geburt ist nicht möglich, kann es sein, dass die Ärzte durch die Plazenta hindurch schneiden müssen. Das klingt zwar gefährlich, ist aber in den meisten Fällen kein Problem.

Eine 'äußere Wendung' des Kindes, wie sie in der Regel ab der 36. SSW genutzt wird, um das Ungeborene aus der Steiß- oder Querlage in die Schädellage zu drehen, kann bei einer Vorderwandplazenta auch schwieriger sein.

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Mögliche Risiken bei einer Vorderwandplazenta

Der Schwangerschaftsbauch samt Fruchtwasser schützt das ungeborene Kind ziemlich gut. Liegt aber die Plazenta am vorderen Bauch, sollten Schwangere hier besonders sorgsam sein. Ein Sturz auf oder starker Stoß gegen den Bauch kann zu einer Plazentaablösung führen. Das bedeutet unmittelbare Lebensgefahr für das Kind, denn die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung kann gestört und sogar unterbrochen werden. Und auch das Leben der Mutter ist bei einer Plazentaablösung gefährdet.

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Das heißt, Frauen mit der Diagnose Vorderwandplazenta sollten nach einem Unfall oder Sturz auf den Bauch immer ärztlichen Rat einholen. Das gilt auch, wenn sie sich gut fühlen und äußerlich nichts getan haben.

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