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Weinprobe zu Hause: Die besten Tipps fürs private Wine Tasting

von Nicole Molitor Erstellt am 31. August 2020
Weinprobe zu Hause: Die besten Tipps fürs private Wine Tasting© Getty Images/iStock

Von Wein bekommt ihr nie genug? Wir verraten, wie ihr eine gemütliche Weinprobe zu Hause veranstalten und eure Freunde beeindrucken könnt.

Das Wichtigste vorweg: Man muss kein Vollprofi sein, um zu Hause eine Weinprobe zu schmeißen. Es reicht, wenn ihr gerne Wein trinkt und neugierig auf mehr seid. Ihr teilt diese Leidenschaft mit euren Freunden? Dann steht einer feucht-fröhlichen Weinverkostung im privaten Rahmen nichts im Wege!

Am besten verkostet ihr den Wein in einer kleinen Runde von vier bis fünf Mann bzw. Frau. Seid ihr mehr Leute, ist das nicht tragisch. Aber das gemeinsame Fachsimpeln wird mit steigender Personenzahl schwieriger, weil sich schnell Gruppen bilden und man nicht mehr mit allen ins Gespräch kommt.

Bierernst muss die heimische Weinprobe natürlich nicht ablaufen. Ihr könnt das Wine Tasting so entspannt gestalten, wie ihr mögt. Für einen offiziellen Anstrich verteilt ihr vor dem Probieren Papier und Stift, damit alle Teilnehmer ihre Testergebnisse festhalten können. Doch auch das sei euch freigestellt.

Weitere praktische Tipps, wie eure Weinprobe zu Hause professionell und doch gemütlich wird, gibt's hier. Wir wünschen viel Spaß und sagen Cheers!

Wie lange dauert eine Weinprobe zu Hause?

Eine Weinprobe dauert schlichtweg so lange, wie sie dauert. Das Ganze hat etwas Meditatives. Ihr solltet euch dafür Zeit nehmen und euch und eure Gäste nicht hetzen. Wählt also einen Termin mit Open End, sodass ihr die Weinverkostung stressfrei genießen könnt.

Weil es sinnvoll ist, eine Weinprobe zu Hause bei Tageslicht abzuhalten (um die Farbe des Weines besser beurteilen zu können), solltet ihr schon nachmittags anfangen. Je nachdem, wie viele Weinsorten ihr durchprobieren wollt, dauert das Wine Tasting länger oder kürzer. Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr die Uhrzeit plant.

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Weinprobe mit oder ohne Snacks?

Überlegt euch vorab, welche Art von Weinprobe es sein soll. Hier gibt es zwei Wege, die jeweils unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen.

1. Das Wesentliche im Blick: Bei der "schnellen" Weinprobe probiert ihr nur schluckweise von den einzelnen Weinen. Zu knabbern gibt es höchstens trockenes Weißbrot (Ciabatta, Baguette oder Toast), um die Sinne nicht zu verwirren. Nach der anschließenden Bewertung kürt ihr einen Gewinnerwein – von dem ihr noch ein Gläschen kostet. Danach ist prinzipiell Schluss.

2. Nach der Arbeit kommt das Vergnügen: Wer es geselliger mag, erlaubt es sich und seinen Gästen, nach der Weinprobe zu Hause zu versacken und trinkt in trauter Runde noch das ein oder andere Glas. Kleine Snacks wie Antipasti, dunkle Schokolade oder eine selbstgemachte Käseplatte runden das abendfüllende Schlemmerprogramm ab.

Wichtig: Teilt euren Gästen bei der Einladung unbedingt mit, an welche Art von Weinprobe ihr gedacht habt und ob sie vor der Verkostung etwas gegessen haben sollten. Eine Weinprobe auf leeren Magen ist nicht empfehlenswert. Voll sollte der Magen ebenfalls nicht sein. Rechnet rund fünf Stunden Puffer für die Verdauung ein, bevor das Tasting beginnen kann.

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Was braucht man für eine Weinprobe?

Zunächst einmal braucht ihr für eure Weinprobe einen großen Tisch, an dem alle Gäste bequem sitzen können. Legt zur Feier des Tages eine weiße Tischdecke aus (gerne eine abwaschbare Wachstischdecke, hier bei Amazon*) – vor diesem Hintergrund kommen die Farbtöne der Weine besser zur Geltung.

Für jeden Wein gibt es ein frisches Glas. Bestenfalls natürlich passende Weingläser (hier bei Amazon)*. Durch die bauchige Mitte kann sich der Sauerstoff gut im Wein verteilen und dank der schmal zulaufenden Öffnung geht weniger Aroma flöten. Der lange Stiel verhindert, dass ihr den Pokal umfasst und den Wein versehentlich mit den Fingern aufwärmt – gerade bei Weißwein ein No-Go.

Tipp: Macht euch einen Spaß daraus und integriert in eure Weinverkostung verschiedene Gläser, um zu testen, wie anders der Wein in einem Bierglas oder einer Kaffeetasse schmeckt.

Traditionell nimmt man beim Wein testen nur einen kleinen Schluck, den man anschließend ausspuckt. Stellt daher jedem Teilnehmer einen eigenen "Spuckbecher" zur Verfügung. Gut geeignet sind farbige Pappbecher, da sie den unappetitlichen Inhalt verbergen.

Ebenfalls ein beliebter Gast auf der Verkostungstafel: Ein Glas Wasser, um den Geschmack zu neutralisieren. Fehlen nur noch die unterschiedlichen Testweine und es kann losgehen!

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Welche Weine eignen sich für eine Weinprobe?

Prinzipiell könnt ihr für eure Weinprobe jeden beliebigen Wein nehmen. Um eure Geschmacksnerven nicht zu überfordern, genügen für den Anfang vier bis fünf unterschiedliche Flaschen Wein. Dabei gilt die Faustregel: Eine Weinflasche (0,75 ml) reicht für 12 bis maximal 14 Personen. Ins Glas kommen etwa 2 cm Wein pro Probe.

Weil es schwierig ist, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sollten eure Testweine eine Gemeinsamkeit haben. Etwa die gleiche Anbauregion, Rebsorte oder denselben Jahrgang. Damit habt ihr eine Diskussionsgrundlage. Lasst euch im Zweifelsfall bei der Auswahl vom Weinhändler eures Vertrauens beraten.

Wer mag, kann eine Weinprobe mit roten und weißen Weinen veranstalten. Ist zwar untypisch, aber zu Hause dürft ihr machen, was immer ihr wollt. Wichtig ist nur, dass ihr zuerst die Weißweine und danach die Rotweine verkostet. Auch in Intensität und Preisklasse arbeitet ihr euch langsam vor.

Das ist die perfekte Reihenfolge bei der Weinprobe:
1. Farbe:
Erst Weiß, dann Rosé, zuletzt Rot
2. Alter: Junge Jahrgänge vor gereiften Weinen
3. Süße: Leichte Fruchtweine vor schweren Weinen
4. Preis: Günstige Tafelweine vor teuren Qualitätsweinen

Im Video: Der große billig versus teuer Rotwein-Test von gofeminin

Video von Jutta Eliks

Lesetipp: Weiß oder rot? 10 Dinge, die dein Lieblingswein über dich verrät

Wichtig: Sorgt dafür, dass der Wein pünktlich zur Weinprobe richtig temperiert ist. Zimmertemperatur ist immer falsch – selbst bei Rotwein. Der sollte eine Trinktemperatur von 10–18 Grad haben. Je schwerer der Wein, desto wärmer darf er sein.

Gleiches gilt für Weißwein. Hier reicht das Temperaturspektrum von 8 Grad für süßen Eiswein bis zu 14 Grad für reichhaltigen Riesling. Ein Weinkühler kann helfen, den Wein auf Temperatur zu halten (hier bei Amazon)*. Beim Nachmessen hilft ein Weinthermometer (hier bei Amazon)*.

Funfact: Rotwein muss atmen, um sein volles Aroma zu entfalten. Daher den Roten gerne schon ein paar Stunden vor Ankunft der Gäste öffnen und "atmen" lassen. Wer nicht zimperlich ist, gießt den Rotwein in den Mixer, sodass er kräftig mit Sauerstoff vermischt wird.

Drei Ideen für eine ausgefallene Weinprobe

Wenn ihr eine Weinprobe zu Hause macht, könnt ihr kreativ werden und andere Ansätze zur Weinverkostung ausprobieren. Zur Inspiration kommen hier drei Ideen.

1. Weinprobe mit Motto

Passend zum Themenurlaub während der Staycation könnt ihr eure Weinprobe unter ein bestimmtes Motto stellen. Beispielsweise nehmt ihr eure Freunde mit nach Frankreich und testet gemeinsam die besten französischen Weine. Dazu serviert ihr "typisch" französische Leckereien wie herzhafte Macarons, Profiteroles, Flammkuchen, Muscheln oder Austern.

2. Weinprobe als Bottle-Party

Teilt euch die Entscheidung über die Weinzusammenstellung mit euren Freunden. Wie bei der guten alten Bottle-Party bringt jeder eine Flasche seines Lieblingsweins zur Verkostung mit – vorher nur kurz abstimmen, dass ihr nicht den gleichen Wein mehrmals habt. Bei der Weinprobe darf dann jeder seinen Favoriten bewerben und versuchen, die anderen davon zu überzeugen.

3. Die Blindverkostung

Toppen könnt ihr das Ganze, indem ihr die Weine blind verkostet, sprich ohne Namen, Herkunft und Geschmacksprofil zu kennen. Dazu wickelt ihr die Weinflaschen vor dem Testen mit Folie ein, sodass das Etikett unlesbar wird. Jeder Wein bekommt eine Nummer. Nun könnt ihr frei drauflosraten, welcher Wein wohl der aus der Bretagne oder vom Rhein kommt – und welcher ist wohl der teuerste?

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Wein verkosten: So werdet ihr zum Hobby-Sommelier!

Tisch und Gläser sind vorbereitet, der Wein hat seine optimale Temperatur und die Gäste sind da. Jetzt kann die Weinprobe zu Hause starten! Worauf ihr beim Wein verkosten achten solltet, und wie ihr vor euren Gästen wie ein echter Sommelier wirkt, erfahrt ihr hier.

Lektion 1: Was die Farbe über den Wein verrät

Am Anfang jeder Weinverkostung steht die Augenprobe. Dabei dürft ihr ganz tief ins Glas schauen. Welche Farbe hat der Wein? Rot, ja klar. Aber vielleicht entdeckt ihr ja einen Violettschimmer. Blau-Lilatöne sind ein Zeichen für einen jungen Weinjahrgang, während reife Weine einen bräunlichen Unterton haben.

Weißweine mit grünlicher Farbe sind recht jung. Es sei denn, sie sind im Holzfass herangereift, dann bekommen sie schnell einen Gelbstich. Je länger der Weiße im Barrique-Fass reift, umso konzentrierter sein Goldton. Ein starkes Funkeln deutet außerdem auf einen erhöhten Säuregrad im Weißwein hin.

Auch die Helligkeit des Weins lässt Schlüsse auf sein Alter zu. Rotwein tendiert dazu, mit dem Alter heller zu werden. Weißwein wird dagegen dunkler, je älter er ist. Gleichzeitig könnt ihr auf Basis der Farbintensität über die Herkunftsregion rätseln. In südlichen Anbaugebieten sind die Weine dunkler als in kühleren Regionen.

Allgemein gilt: Je mehr Alkohol, Säure und Tannine (Gerbstoffe) ein Wein enthält, umso kräftiger seine Farbe. Eine Ausnahme ist Roséwein. Hier sagt die Farbe nichts über die Weinqualität aus. Denn die Farbe von Rosé hängt einzig davon ab, wie viel Farbstoff die Beerenschalen (Maische) abgegeben haben.

Quelle: Weinwissen von Rhein-Ahr-Wein.

Lektion 2: Wein schwenken wie ein Pro

Nichts ist so beeindruckend wie ein fachkundig geschwenktes Rotweinglas (okay, fast nichts). Damit ihr die Schwenkbewegung hinkriegt, wenn es drauf ankommt, probt ihr vorab am besten ein bisschen mit etwas Wasser im Glas.

So geht's: Das Weinglas unten am Stiel festhalten und den Inhalt durch eine lockere Bewegung aus dem Handgelenk in Rotation versetzen. Es schwenkt sich übrigens leichter mit wenig Flüssigkeit im Glas.

Upps, doch was danebengegangen? Rotweinflecken entfernen: So klappt's!

Das Schwenken sieht aber nicht nur cool aus. Durch die Bewegung gelangt mehr Sauerstoff in den Wein. Die Aromen kommen besser zur Geltung und lassen sich als Duft erschnuppern – was ebenfalls eine Kategorie bei der Weinverkostung ist (siehe Lektion 3).

Zugleich soll die Geschwindigkeit, mit der der Wein nach dem Hochschwenken ins Glas zurückfließt, auch etwas über den Alkoholgehalt aussagen. Je hochprozentiger und voller der Wein, desto langsamer zerfließt er und desto dicker sind seine "Tränen", sprich die Tropfen am Glas.

Lektion 3: Die Wein-Witterung aufnehmen

Das Aroma des Weins wird über die Nase aufgenommen. Schnuppert einmal an dem Wein, bevor ihr ihn geschwenkt habt, und einmal danach. Schließt am besten die Augen, sodass ihr euch voll auf den Geruch des Weins konzentrieren könnt. Weil die Aromen flüchtig sind, solltet ihr auf euren ersten Eindruck vertrauen.

Wie dicht und vielfältig ist das Bouquet, also die Gesamtheit der Aromen? Könnt ihr den Duft von Früchten oder Kräutern herausriechen? Oder sind es eher Gewürze? Fokussiert euch fürs Erste auf eine grundlegende Einschätzung. Ist der Wein eher fruchtig, blumig, erdig, würzig oder holzig?

Je älter der Wein ist, umso mehr subtile Aromen schwingen mit. Durch die Lagerung im Fass kann ein Holz-Geruch durchschlagen. Auch durch die Gärung verändert sich das Weinaroma. Vielleicht riecht ihr einen Hefe- oder Schwefelduft heraus. Versucht einfach, eure Assoziationen so konkret wie möglich zu beschreiben. Hier hilft der Austausch mit den anderen Gästen.

> Entscheidungshilfe gefällig? Im Internet findet ihr sogenannte Aromaräder, die euch bei der Einschätzung des Weins unterstützen.

Lektion 4: Wein schlürfen für Fortgeschrittene

Während manche Connaisseure das Wein schlürfen als Unsitte ablehnen, schwören andere darauf. Denn indem ihr durch die geschlossenen Zähne Sauerstoff einsaugt und den Wein im Mund damit anreichert, öffnet er seine Aromen. Rollt den Schluck Wein mit der Zunge im Mundraum herum, um seinen Geschmack besser aufnehmen zu können.

Bevor ihr den Wein herunterschluckt, solltet ihr ihn eine Weile im Mund behalten. Hier könnt ihr schon erste Eindrücke verbuchen. Hält der Wein geschmacklich, was sein Duft versprochen hat? Welche Aromen setzen sich durch? Anschließend prüft ihr nach dem Schlucken, wie der Wein im Abgang schmeckt, also welche Geschmacksnoten nach dem Trinken nachhallen.

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Bei der Geschmacksprobe lässt sich schnell feststellen, wie die einzelnen Komponenten miteinander harmonieren. Merkt ihr eine Restsüße auf der Zunge? Oder habt ihr umgekehrt ein pelziges Gefühl darauf? Dann enthält der Wein wahrscheinlich viele Tannine. Die Gerbstoffe geben dem Wein einen bitteren Geschmack und rauen die Zunge auf.

Zieht sich dagegen alles im Mund zusammen, ist der Säuregrad besonders hoch. Der Fachmann spricht hier von einer "adstringierenden" Wirkung. Weine aus warmen Anbauregionen sind meist weniger sauer wie Weine aus kalten Regionen.

Hier ein paar Weinbegriffe zum Angeben:

  • brandig: Ein "brandiger" Wein schmeckt durch den vielen Alkohol scharf.
  • feurig: Weine mit intensivem Aroma und/oder leuchtend roter Farbe.
  • frisch: Rot- oder Weißwein mit leichter, angenehmer Säure.
  • grün/grasig: Junge Weißweine mit Aroma von frischem Gras.
  • hart: Wein, der entweder zu sauer oder zu herb schmeckt.


Quelle: Weinwissen von Rhein-Ahr-Wein.

Lektion 5: Demokratie bei der Weinbewertung

Habt ihr daran gedacht, eure Ergebnisse auf einem Block festzuhalten? Tiptop. Dann könnt ihr jetzt Punkte vergeben oder einfach ganz formlos reihum für euren persönlichen Lieblingswein voten.

> Von Weinfreunde gibt's hier einen kostenloses Verkostungsbogen zum Ausdrucken.

Wenn ihr es im Laufe eurer feucht-fröhlichen Weinprobe vergessen habt, Punkte zu verteilen, ist das auch nicht schlimm. Im Zweifelsfall gewinnt der Wein, dessen Flasche am Ende des Abends als Erste leer ist. Ganz demokratisch, eben.

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