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Scheinschwangerschaft: Alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlung

von Anne Walkowiak Erstellt am 13.10.21 um 08:00
Scheinschwangerschaft: Alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlung © Getty Images

Treten bei einer Frau eindeutige Schwangerschaftssymptome auf, ist aber keine Schwangerschaft nachzuweisen, spricht man von einer Scheinschwangerschaft, medizinisch auch Pseudogravidität genannt. Wie es dazu kommen kann, wie eine Scheinschwangerschaft behandelt wird und was sie für Frauen mit großem Kinderwunsch bedeutet, wollen wir erklären.

Für die meisten Frauen ist das Ausbleiben der Periode ein eindeutiges Indiz für eine Schwangerschaft. Vor allem Frauen, die einen großen Kinderwunsch haben, warten monatlich sehnsüchtig darauf. Kommen noch weitere Schwangerschaftssymptome wie (Morgen-)Übelkeit oder das Spannen der Brüste hinzu, scheinen sich die Anzeichen zu verdichten. Fällt ein Schwangerschaftstest dann negativ aus und zeigt auch eine ärztliche Untersuchung keine Schwangerschaft, spricht man von einer Scheinschwangerschaft.

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Was ist eine Scheinschwangerschaft?

Direkt vorab: Eine Scheinschwangerschaft ist auf gar keinen Fall dasselbe wie eine vorgetäuschte Schwangerschaft. Bei letzterer entscheidet sich die Frau bewusst dazu, so zu tun, schwanger zu sein, obwohl sie weiß, dass sie es nicht ist. Bei einer Scheinschwangerschaft hingegen sendet der Körper Signale einer Schwangerschaft und lässt die betroffene Frau tatsächlich glauben, schwanger zu sein.

Bei einer Scheinschwangerschaft also ist die Frau davon überzeugt, schwanger zu sein, ist es aber nicht. Sie hat körperliche Symptome wie die ausbleibende Periode, angeschwollene Brüste und Brustwarzen, leidet unter Morgenübelkeit oder starker Müdigkeit. Bei manchen Frauen kann es sogar zur Milchbildung kommen und auch der Bauch kann anschwellen.

Bei einer Scheinschwangerschaft jedoch wird ein Schwangerschaftstest immer negativ ausfallen. Auch eine Ultraschalluntersuchung beim Arzt oder eine Blutuntersuchung werden ergeben, dass Frau nicht schwanger ist. Woher stammen also die Schwangerschaftssymptome?

Im Video: Kann ein Ovulationstest dabei helfen, schwanger zu werden?

Video von Jutta Eliks

Ursachen einer Scheinschwangerschaft?

Oft hat eine Scheinschwangerschaft psychische Ursachen. Vor allem Frauen, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben, sind eher anfällig für eine Scheinschwangerschaft. Ihr Wunsch, endlich ein Baby zu bekommen, ist dabei so allgegenwärtig, dass ihr Gehirn dem Körper signalisiert, vermehrt die Hormone Östrogen und Gestagen zu bilden. Und die sind unter anderem dafür verantwortlich, dass Betroffene Schwangerschaftssymptome haben.

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Auch das genaue Gegenteil kann der Fall sein. Frauen, die sehr große Angst davor haben, schwanger zu werden, können scheinschwanger sein. In diesem Fall ist die Scheinschwangerschaft ein Symptom einer Angststörung. Auch hier ist es die Psyche, die sich unmittelbar auf die Hormonproduktion auswirkt. Östrogene und Gestagene können vermehrt produziert werden, typische Schwangerschaftssymptome hervorrufen und die Frau glauben lassen, dass sie ein Baby bekommen wird.

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Zudem ist es möglich, dass Frau wirklich schwanger war (ohne es definitiv zu wissen), die befruchtete Eizelle nach der Einnistung aber in einem sehr frühen Stadium und unbemerkt abgegangen ist. Das heißt, sie war wirklich (und nur für sehr kurze Zeit) schwanger. Das Gefühl, schwanger zu sein, das sie unter Umständen schon hatte, kann dann dazu führen, dass die Symptome einer Schwangerschaft trotz Abgang der Eizelle erhalten bleiben. Auch hier sind es also psychische Ursachen, die dazu führen.

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Eine Scheinschwangerschaft kann aber auch medizinische Ursachen haben. Zum Beispiel kann eine Zyste am Eierstock dazu führen, dass die Monatsblutung ausbleibt. Verhütet eine Frau nicht, weil sie einen großen Kinderwunsch hat, kann alleine das Ausbleiben der Periode zu der Annahme führen, schwanger zu sein. Auch eine hormonelle Veränderung kann dazu führen, dass Östrogene und Gestagene vermehrt produziert werden und Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit oder ein Schwindelgefühl verursachen.

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Behandlung einer Scheinschwangerschaft

Je nach Ursache der Scheinschwangerschaft setzt auch ihre Behandlung an verschiedenen Punkten an. Generell gilt, wer glaubt, schwanger zu sein, sollte immer einen Termin beim Frauenarzt machen. Dieser kann mittels Ultraschall und Blutuntersuchung eine Schwangerschaft eindeutig ausschließen oder auch bestätigen. Zudem kann dadurch eine extrauterine Schwangerschaft (außerhalb der Gebärmutter, meistens im Eileiter, seltener in der Bauchhöhle) ausgeschlossen werden.

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Ergeben Ultraschalluntersuchung und Bluttest, dass es sich trotz der Schwangerschaftssymptome nicht um eine Schwangerschaft handelt, es also eine Scheinschwangerschaft ist, kann das bereits eine regulierende Wirkung auf die Frau haben. Mit der medizinischen Gewissheit kann sie verstehen, dass sie nicht schwanger ist und das wiederum reguliert den Hormonhaushalt und lässt Anzeichen einer Schwangerschaft abklingen. Dennoch sollte der Frauenarzt den Hormonspiegel einer betroffenen Frau weiterhin beobachten.

Vor allem für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch kann diese Diagnose ein großer Schock sein. Eine Psychotherapie ist deshalb ratsam. Generell ist es wichtig, herauszufinden, was zu der Scheinschwangerschaft geführt hat. War es der alles überstrahlende Wunsch nach einem Baby, war es die große Angst vor einer Schwangerschaft oder liegt die Ursache dafür eventuell in einer vorangegangenen und nicht richtig verarbeiteten Fehl- oder Totgeburt?

Sind die Ursachen der Scheinschwangerschaft medizinisch, beispielsweise aufgrund einer Zyste am Eierstock, müssen diese abgeklärt und behandelt werden. Eine Zyste kann medikamentös oder operativ entfernt werden.

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Kann man nach einer Scheinschwangerschaft schwanger werden?

Ja, das kann man, wenn geklärt und verarbeitet ist, was zu der Scheinschwangerschaft geführt hat. Denn wichtig ist, dass Körper und Geist im Einklang sind. Das bedeutet auch, dass Paare sich trotz Kinderwunsch nicht zu sehr unter Druck setzen. Auch unnötiger Stress sollte vermieden werden.

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